Wieder geschrumpft auf Quartettgrößte haben Sonic Youth mit ihrem
14. Studioalbum die bislang beste Kombination aus Pop und Noise
erreicht. Auf dem letzten Album und auch der anschließenden Tour
hatten die vier Musiker von Sonic Youth den Soundtüftler Jim
O'Rourke explizit als fünftes Bandmitglied in ihre Reihen
aufgenommen, nun ist er schon wieder draußen. Das 14. Studioalbum
der amerikanischen Indierock-Ikone, die in der 25-jährigen
Bandgeschichte zuletzt mit schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre
eine neue Produktion vorgelegt hatte, entstand nur unter Mitwirkung
des renommierten Produzenten John Agnello, der bereits mit Patti
Smith, Mark Lanegan, J. Mascis oder Jimmy Eat World gearbeitet
hatte. Deswegen mag man streiten, welche Folgen der Verlust von
O'Rourke nun wirklich hatte. Zwar war es O'Rourke, der die
Band nach einer orientierungslosen Zeit ab Mitte der 90er-Jahre
wieder auf Kurs gebracht hatte, andererseits spielen Sonic Youth
auf "Rather Ripped" so befreit auf wie schon lange nicht
mehr. Alle 13 Songs sind inspiriert und voller Ideen. Zwar wäre es
irreführend, von einem Pop-Album zu sprechen, aber im Universum von
Sonic Youth hätte das eine gewisse Berechtigung. Denn Songs wie der
von Kim Gordon gesungene Opener "Reena" oder das von Lee
Renaldo sehr melodisch strukturierte "Rats" sind einfach
gute, ja sehr gute Songs, wie man sie von klassischen
Sonic-Youth-Alben wie "Goo" oder gar "Daydream
Nation" kennt und liebt. Die reinen Noise-Attacken dagegen
sind verschwunden, wenn auch alle Tracks unterschwellig und subtil
noch einiges Verstör-Potenzial aufweisen. Das hat auch damit zu
tun, dass die vier Musiker seit ihren Pionier-Tagen gereift sind.
Die Musik von Sonic Youth mag nicht mehr die Welt verändern, aber
sie ist klassisch geworden. Und "Rather Ripped" hätte es
verdient, ein später Band-Klassiker zu werden.
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