"I Want Candy" - so sang in den Sechzigern schon die
Gruppe Strangeloves. Sie konnten allerdings Candy Dulfer nicht
gemeint haben, denn die wurde erst 1969 geboren. Wem aber
heutzutage nach Candy gelüstet, der ist mit der holländischen
Saxofonistin und ihrem neuen Album allemal besser bedient als mit
handelsüblichen Süßigkeiten. Dass sie in ihrem Metier zu den
Weltbesten gehört, hat sich seit der Single "Lily Was
Here" aus dem gleichnamigen Film, die sie zusammen mit Dave
Stewart von den Eurythmics einspielte, eh schon längst
herumgesprochen. "Lily Was Here" erschien 1989; im selben
Jahr war die blonde Holländerin auch auf dem
"Batman"-Soundtrack neben Prince zu hören, mit dem sie
seither immer mal wieder - und zuletzt 2006 auf seinem Album
"Musicology" - arbeitete. Auch Maceo Parker und Van
Morrison holten sich die Sax-Königin gern als Begleitmusikerin. Sie
wussten, warum. Mit ihrem neuesten Album, dem elften seit dem Debüt
"Saxology" von 1990, weiß es jetzt spätestens auch der
skeptische Hörer. Denn Candy Dulfer macht ihrem guten Ruf wieder
einmal alle Ehre. In den zwölf Tracks zeigt sie, dass sie das
Einmaleins des Funk verinnerlicht hat und mit traumwandlerischer
Sicherheit und langem Atem immer den richtigen Groove findet. Mit
ihrem röhrenden Saxofon erinnert sie - zum Beispiel im Titelstück -
an Junior "Shotgun" Walker, der einst den Motown-Sound
abrundete. In einem Track wie "Be Cool" verbindet sie die
federnde Funk-Basis mit jazzigen Linien. Und natürlich hat sie auch
die schweren Beats drauf, wie sie Prince in seinen besten
"Purple Rain"-Zeiten kultivierte. Ihre Truppe strickt
dazu ein perfektes, eng anliegendes Soundkorsett für Candy Dulfers
Sax-Figuren; Rap- und Gesangseinlagen sorgen für Abwechslung.
It's Partytime! Manfred Gillig-Degrave
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