Zurück auf LosEine junge Frau steht vor dem Nichts. Nach einem
Zusammenbruch ist sie in der Psychatrie, auf der anderen Seite des
Lebens gelandet. Hier werden ihr starke Medikamente verabreicht,
und jeden Morgen wird sie mit einem Glas Marmelade gefüttert -
damit der Appetit wiederkommt. Völlig aus dem Leben geworfen, muss
sie die Leere und die Sprachlosigkeit aushalten. Nicht zu wissen,
was mit ihr werden wird. Warten, dass ein Ende des Tunnels in Sicht
kommt. Nach Wochen entstehen wie durch ein Wunder erste Momente:
Sie entdeckt die anderen, nähert sich Robert, der trotz seines
Traumas die Sprache nicht verloren hat. Gemeinsam brechen sie auf
zu jener seltsamen Bar unter Bäumen, wo man das normale Leben
spielt, oder sie liegen des Abends auf dem Rasen der Klinik - als
wären sie in den Ferien. Ghislaine Dunant berichtet in einer
schlichten melodiösen Sprache aus dem Inneren der Psychatrie. Sie
erzählt von einer totalen Erstarrung und einer zögerlichen, scheuen
und schließlich beinah heiteren Übertretung der Schwelle des
Klinikparks - von der Rückkehr ins Leben.
Marting Zingg zeigt sich beeindruckt von Ghislaine Dunants viertem Roman "Ein Zusammenbruch". Es handelt sich dabei um die Geschichte einer jungen Frau, die an einer schweren Depression erkrankt, wie der Rezensent mitteilt. Die Protagonistin selbst fungiert dabei als Ich-Erzählerin. Wo und wann es angefangen hat, vermag sie nicht zu sagen, und dass sie jemals wieder zu einer selbständigen Lebensführung imstande sein wird, kann Zingg allenfalls erahnen. Eine "schmerzhafte" Lektüre sei dieses Buch, in dem Dunant ihre eigene, allerdings inzwischen Jahrzehnte zurückliegende Leidensgeschichte verarbeitet, so Zingg. Besonders angetan hat es ihm die Sprache, zu der die Autorin hier gefunden hat. Sein "tastender, immer offener Duktus", der zudem auf Effekthascherei gänzlich verzichtet, macht den Roman in den Augen des Rezensenten zu einem gelungenen Rekonstruktionsversuch des Krankheitsbildes.
Claudia Steinitz, geboren 1961, lebt in Berlin und übersetzte aus dem Französischen und Italienischen u. a. Gabriele D'Annunzio, Henri-Frederic Blanc, Gerald Messadie und Jean-Christophe Rufin.