Unwiederbringlich - Fontane, Theodor

Theodor Fontane 

Unwiederbringlich

Hrsg. v. Gotthard Erler in Zus.-Arb. m. d. Theodor Fontane-Archiv. Roman. Hrsg. v. Christine Hehle

Herausgeber: Hehle, Christine
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Unwiederbringlich

Neben "Effi Briest" und dem "Stechlin" liegt jetzt auch Fontanes drittes Meisterwerk, der Ehe- und Ehebruchsroman "Unwiederbringlich", in der Großen Brandenburger Ausgabe vor - ein Ereignis für alle Fontane-Enthusiasten und Kenner seines Schaffens. Hervorragende Textpräsentation nach der Erstauflage, vorzügliche Kommentierung und eine selten gewordene buchkünstlerische Gestaltung kennzeichnen diese wegweisende Edition. Sie vermittelt zwischen den Lesebedürfnissen eines breiten Publikums und den wissenschaftlichen Interessen der Experten.
Graf Holk hat ein gutes, aber schwaches Herz. Er hat sich eingerichtet in dem schönen Schloß am Meer, die Ehe mit Christine ist das Fundament seines Lebens, auch wenn Differenzen in bezug auf die Religion und die Erziehung der Kinder ihn zunehmend seiner Frau entfremden. Im Herbst begibt er sich wie jedes Jahr nach Kopenhagen, um bei der Prinzessin seinen Dienst als Kammerherr anzutreten. Der Wunsch, alles Unbehagen abzustreifen, läßt ihn das gewohnte Quartier bei der Witwe Hansen in einem zauberischen Licht erscheinen. Alles ist auf Verführung gestellt, deren Inbegriff die geistreich-pikante Ebba von Rosenberg ist. Die Grenzen scheinen aufgehoben, jeder Ort ist eine Lockung und jede Zeit eine Ewigkeit. Holk verliert den Boden unter den Füßen und erliegt einer Verblendung, die nicht größer sein könnte als der Brand des Schlosses in ebendieser Nacht. Als er sein Abenteuer dingfest machen und Ebba heiraten will, reißt der Wahn, und er steht vor den Trümmern seiner Existenz.


Produktinformation

  • Das erzählerische Werk
  • Bd.13
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 2003
  • (Große Brandenburger Ausgabe).
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 516 S. 205 mm
  • Seitenzahl: 514
  • Große Brandenburger Ausgabe
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 136mm x 37mm
  • Gewicht: 600g
  • ISBN-13: 9783351031251
  • ISBN-10: 3351031254
  • Best.Nr.: 11884108
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.11.2003

Was wäre das Leben ohne Liebesverhältnisse?
Aus Anlaß der Neuausgabe von Theodor Fontanes spätem und erstaunlichem Roman "Unwiederbringlich"

In Thomas Manns Prosa werden wir hier und da vorsichtig auf bevorstehende Pointen vorbereitet. Man kann sich des Verdachts nicht erwehren, der Autor wolle den Lesern bedeuten: Achtung, jetzt kommt etwas Besonderes. Es kommt auch tatsächlich. Beglückt genießen wir es - einschließlich der in dieser herrlichen Epik bisweilen nur winzigen und doch nicht zu übersehenden Beimischung von Koketterie. Wir lieben das augurenhafte Lächeln des großen Zaubermeisters, der uns sagen möchte: Seht her, was für einer ich bin. Er zwingt uns stets aufs neue, zu ihm, zu seiner in der Geschichte der deutschen Prosa nie vor ihm und nie nach ihm gekannten Virtuosität höchst dankbar aufzublicken.

Für Fontane gilt das nicht. Sicherlich, auch er möchte den Leser beeindrucken. Insgeheim will auch er, wie jeder Erzähler, uns imponieren. Doch letztlich ist ihm der Gestus Thomas Manns fremd - der Gestus des, wenn man so sagen darf, vornehmen Auftrumpfens. Nicht daß es in Fontanes Romanen an Bravourstücken mangelte, nur …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als "hochbeachtlichen Roman" feiert Marcel Reich-Ranicki Theodor Fontanes 1890 abgeschlosssene Geschichte einer Ehe. Den gräflichen Ehemann Holk findet er zwar langweilig. Überhaupt würden sich im Roman alle miteinander langweilen, nur eben die Leser nicht. Reich-Ranicki sieht es in diesem Buch von Lebenskritik und Lebensweisheit wimmeln, von schönen Formulierungen und Beobachtungen. Zu einem wahren Vergnügen wird die Lektüre für ihn besonders dann, wenn er diese Weisheiten von Personen des Romans zu hören bekommt, denen er sie gar nicht zugetraut hätte. Auch ist er darin einer der originellsten Figuren begegnet, die Fontanes Epik aus seiner Sicht überhaupt zu bieten hat. Jene Ebba von Rosenberg sei jüdischer Herkunft und für Reich-Ranicki ist sie deshalb so wichtig, weil Fontane sie gegen das damals herrschende literarische Klischee von schönen Jüdin gestaltet hat. Gleichzeitig präsentiert sie für ihn "den Freigeist, die Aufklärung". Keine andere Figur des Romans lasse Fontane ihre Ansichten ("zumal die Erotik betreffend") so direkt und nachdrücklich aussprechen wie dieses Hoffräulein jüdischer Herkunft, die der Rezensent als "die modernste Gestalt" des Roman empfunden hat. Das Nachwort der Herausgeberin beurteilt er als solide und ausführlich. Bescheinigt wird der Editorin wegen ihrer gelegentlich als übertrieben empfundenen Gründlichkeit jedoch auch eine Tendenz zur "Selbstparodie unserer Philologie".

© Perlentaucher Medien GmbH
Theodor Fontane (1819-98) ist der bedeutendste Erzähler des literarischen Realismus. Der gelernte Apotheker machte mit 30 Jahren das Schreiben zum Beruf, zunächst als Journalist und Theaterkritiker. Erst spät begann er erfolgreich Romane und Erzählungen zu schreiben. Seine Romane und Novellen, die vielfach verfilmt wurden, zählen zu den meistgelesenen Klassikern des 19. Jahrhunderts.

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