Frau Jenny Treibel - Fontane, Theodor Fontane, Theodor

Fontane, Theodor Fontane, Theodor 

Frau Jenny Treibel

Hrsg. v. Gotthard Erler in Zus.-Arb. m. d. Theodor Fontane-Archiv. Oder 'Wo sich Herz zum Herzen find't'. Roman. Hrsg. v. Tobias Witt

Herausgeber: Witt, Tobias
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Frau Jenny Treibel

Die Berliner Kommerzienrätin Jenny Treibel, seit ihrer Heirat der wohlhabenden Bourgeoisie angehörig, lädt zum Diner. Unter den geladenen Gästen ist Corinna, die mit Charme und Esprit die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Nicht zuletzt ihr Vetter Marcell verehrt sie. Ins Auge faßt Corinna an jenem Abend allerdings den jungen Leopold Treibel, den sie der gesellschaftlichen Position wegen heiraten möchte. Als Jenny Treibel, die sich selbst für eine sentimentale Idealistin hält, von diesen Intentionen erfährt, vergißt sie jedoch jeden Idealismus.

Die attraktive Fabrikantengattin liebt es, immer und überall im Mittelpunkt zu stehen. Um als kleine Person an der Tafel nicht übersehen zu werden, thront sie bei den häufigen Gastlichkeiten im Hause Treibel auf einem Luftkissen. Nicht minder aufgeblasen ist ihre Vorliebe für das Poetische und die gefühlvolle Sentenz. Der Kunst huldigt sie, indem sie den Tenor und Millionär Adolar Krola zu ihren Hausgästen zählt. Was aber zählt wirklich? 1888, in der Entstehungszeit des Romans, schrieb Fontane: " Frau Kommerzienrätin oder wo sich Herz zum Herzen findt . Dies ist die Schlußzeile eines sentimentalen Lieblingsliedes, das die 50jährige Kommerzienrätin im engeren Zirkel beständig singt und sich dadurch Anspruch auf das Höhere erwirbt, während ihr in Wahrheit nur das Kommerzienrätliche, will sagen viel Geld, das Höhere bedeutet."
Mit diesem Band liegt eines der populärsten Fontaneschen Werke in der authentischen Gestalt des Zeitschriftenabdrucks der "Neuen Rundschau" (1892) vor. In seinem Kommentar stellt Tobias Witt den ebenso sprachvirtuosen wie ironischen Roman in den Kontext der Berliner Verhältnisse, die Fontanes mitreißendes Konterfei des Bourgeoistum herausforderten.
Frau Kommerzienrätin Jenny Treibel, die vitale Mittfünfzigerin aus der Köpenicker Straße, liebt nichts so sehr als den effektvollen Auftritt - und Geld. Doch auch in puncto Gefühl und Poesie möchte sie brillieren. Ein komischer Zwiespalt, der in der hinreißenden Darstellung dieses Romans noch komischer wirkt. Berliner Industrielle und geheimrätliche Villenbesitzer, aber auch Fontanes eigene Familie in Gestalt der Schwester Jenny und seines Lieblings Mete lieferten den Stoff zu diesem ironischen Tableau gegensätzlicher Lebensentwürfe.
" Frau Commerzienräthin oder Wo sich Herz zum Herzen find't , eine humoristische Verhöhnung unserer Bourgeoisie mit ihrer Redensartlichkeit auf jedem Gebiet, besonders auf dem der Kunst und der Liebe, während sie doch nur einen Gott und ein Interesse kennen: dasgoldene Kalb."
Theodor Fontane an Paul Schlenther, 26. April 1888


Produktinformation

  • Das erzählerische Werk
  • Bd.14
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 2005
  • (Grosse Brandenburger Ausgabe).
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 374 S. m. 2 Faks. u. Kte. 205 mm
  • Seitenzahl: 374
  • Große Brandenburger Ausgabe
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 134mm x 31mm
  • Gewicht: 467g
  • ISBN-13: 9783351031268
  • ISBN-10: 3351031262
  • Best.Nr.: 14208338
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.10.2005

Ach, Jennylein
Theodor Fontane hält Händchen / Von Tilman Spreckelsen

Wenn man ein junger Mann ist und sehr verliebt in die schöne Nachbarstochter, wenn man Verse auf sie macht, in denen sich "Waldesrauschen" auf "Blicke tauschen" reimt und schließlich "ein Kuß auf deine Hand" erträumt wird, wenn dann die Angesungene vor Rührung Tränen vergießt und sich an die Brust des Dichters wirft - dann muß man schon sehr hartgesotten sein, um sich als Siebzehnjähriger in diesem Moment irgendeinen schöneren vorstellen zu können.

Welche Folter allerdings so ein Augenblick der Seligkeit für den bereithält, der noch vier Jahrzehnte später immer wieder an jede törichte Einzelheit erinnert wird - das Schwärmen, die Tränen, gar das schwülstige Gedicht, das der Dichter jetzt nur noch "das Unglücksding" nennen mag -, läßt sich denken, welche Überwindung es kosten muß, die treulose Freundin, die sich bald nach dem Gefühlsausbruch einem reichen Fabrikanten überließ und jetzt mit diesem in einer schönen Villa lebt, immerfort von Idealen, Gefühlen, der "poetischen Welt" und dem so überaus verächtlichen Besitz sprechen zu hören, …

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Theodor Fontane (1819-98) ist der bedeutendste Erzähler des literarischen Realismus. Der gelernte Apotheker machte mit 30 Jahren das Schreiben zum Beruf, zunächst als Journalist und Theaterkritiker. Erst spät begann er erfolgreich Romane und Erzählungen zu schreiben. Seine Romane und Novellen, die vielfach verfilmt wurden, zählen zu den meistgelesenen Klassikern des 19. Jahrhunderts.

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