Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
An ihre krumme Nase konnte Fritz Göttler sich sogar gewöhnen. Mit Barbra Streisands Garderobe gelingt ihm das nicht ohne weiteres. Und auch nicht mit diesem Buch. Insofern es einem Trödelladen gleicht, die Fotos überladen mit lauter "Erinnerungskram", steht es der Streisand allerdings gar nicht schlecht, lässt uns der Rezensent wissen. Göttler meint das als Lob. Dass dem Band ein roter Faden fehlt, dass er "wunderschöne Szenen" aus den 60ern bis heute ganz unteleologisch aneinanderreiht, fiindet er, spricht für ein Leben ohne Karriereplan jenseits des Windkanals Hollywood und im Geiste jüdischer Tradition.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung von 06.04.2009 |
Eine jüdische Frau mit einer großen Klappe
Ein Bildband präsentiert die großen riskanten und provokanten
Momente im Leben der Barbra Streisand
Überladen sind viele der Fotos, auf denen Babra Streisand sich in
diesem Band präsentiert. Damit spricht sie den rigiden
Hollywood-Richtlinien von Schnittigkeit und Eleganz, von
Formschönheit und Funktionalität entschieden Hohn. Damit bleibt sie
jener jüdischen Tradition treu, die sich – manchmal fast panisch –
an all den alten Erinnerungskram klammert, ja nichts zu verlieren,
zu vergessen.
Ein bisschen wie ein Trödelladen ist auch dieses Buch bestückt,
viele wunderschöne Szenen von den Sechzigern bis heute, jede Menge
Highlights und Events, aber keine feste Linie, die am Ende ein
Leben und seinen Plan, eine Karriere ergeben würden. Dabei war
Kontrolle ihr so wichtig – alles selbst entscheiden, sich immer nur
treu bleiben. Als William Wyler, mit dem sie ihren Erfolgsfilm
„Funny Girl” drehte, später einmal gefragt wurde, ob er denn
Probleme gehabt hätte mit seinem Superstar, hat er, ganz alte
Schule, also gentlemanlike und ein klein wenig boshaft reagiert:
„Nicht wirklich”, erklärte er, „wenn …
Eine jüdische Frau mit einer großen Klappe
Ein Bildband präsentiert die großen riskanten und provokanten Momente im Leben der Barbra Streisand
Überladen sind viele der Fotos, auf denen Babra Streisand sich in diesem Band präsentiert. Damit spricht sie den rigiden Hollywood-Richtlinien von Schnittigkeit und Eleganz, von Formschönheit und Funktionalität entschieden Hohn. Damit bleibt sie jener jüdischen Tradition treu, die sich – manchmal fast panisch – an all den alten Erinnerungskram klammert, ja nichts zu verlieren, zu vergessen.
Ein bisschen wie ein Trödelladen ist auch dieses Buch bestückt, viele wunderschöne Szenen von den Sechzigern bis heute, jede Menge Highlights und Events, aber keine feste Linie, die am Ende ein Leben und seinen Plan, eine Karriere ergeben würden. Dabei war Kontrolle ihr so wichtig – alles selbst entscheiden, sich immer nur treu bleiben. Als William Wyler, mit dem sie ihren Erfolgsfilm „Funny Girl” drehte, später einmal gefragt wurde, ob er denn Probleme gehabt hätte mit seinem Superstar, hat er, ganz alte Schule, also gentlemanlike und ein klein wenig boshaft reagiert: „Nicht wirklich”, erklärte er, „wenn man bedenkt, dass es der erste Film war, bei dem sie Regie geführt hat.”
Mit dem Regieführen sollte es noch ein paar Jahre dauern, in „Yentl”, 1983, und in „Prince of Tides”, 1991 hat sie das dann offiziell übernommen. In der Zwischenzeit hat sie sich noch einigen weiteren großen Filmemachern anvertraut, alten Meistern wie Gene Kelly – „Hello Dolly” – oder Vincente Minnelli – „On a Clear Day I Can See Forever” – ,und jungen Wilden wie Peter Bogdanovich, der mit ihr und Ryan O’Neal „Is was, Doc?” drehte – ein glorreicher Neustart der wilden Scewball Comedies der Dreißiger. Das Vorbild war „Bringing Up Baby” (hierzulande: „Leoparden küsst man nicht”), in dem Katharine Hepburn loslegte – 1974 musste dann Streisand ihren Oscar als beste Schauspielerin mit Hepburn teilen. Der Film war „The Way We Were”, von Sydney Pollack, sie spielt ein linkes mittelständisches College-Girl, das sich in den hochklassigen Robert Redford verliebt – die Hexenjagd auf die Roten bringt sie nach dem Krieg auseinander. Immer wieder hat Streisand sich politisch engagiert, hat in den Siebzigern Wahlkampf gemacht für die demokratische Abgeordnete „Battling” Bella Abzug – „Eine jüdische Frau mit einer großen Klappe unterstützt eine andere . . .” – und dann für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten McGovern. Aus Angst vor Attentaten hat sie nach dem Auftritt im Central Park, „A Happening in Central Park”, Juni ’67, jahrelang keine Live-Konzerte gegeben. Nach „Funny Girl” wurden Filme mit Omar Sharif in arabischen Saaten verboten – ein ägyptischer Star hatte es gewagt, auf der Leinwand einer Jüdin in Liebe zu verfallen.
Es ist die Lust an der Provokation, wie sie gerade dem amerikanischen Mittelstand innewohnt, der auch Barbra Streisands Leben prägt. Die sich nicht immer gleich in politischer Haltung äußerte, aber immer in monströsen Outfits. An die krumme Nase konnte man sich ja schnell gewöhnen, aber ihre Kleider machen einen immer noch fassungslos, Barbra als Nofretete in einer Fernseh-Show, oder in einem bizarren Jaguar-Gewand, bei einer Modenschau von Dior – der Meister verschob ihretwegen sogar den beginn, die Herzogin von Windsor war not amused. Das Gebaren einer Diva – aber einer, die all die normgerechten Vorstellungen von Diven gnadenlos zertrümmert. FRITZ GÖTTLER
Barbra Streisand. Fotografien einer Legende. Mit Texten von Nick Yapp. Deutsch von Madeleine Lampe. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2009. 144 Seiten, 29,90 Euro.
Immer bemüht Flagge zu zeigen – Barbra Streisand im New Yorker Central Park, Ende der Sechziger Abbildungen aus dem besprochenen Band
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