Zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders der 1950er und 1960er
Jahre wächst die zehnjährige Hildegard in der Nähe von Köln in
einem für die damalige Zeit typischen Arbeitermilieu heran. Im
Gegensatz zu anderen Gleichaltrigen besitzt sie aber einen
unbändigen Drang nach Wissen, der, mit Ausnahme des Großvaters,
ihre Familie schnell überfordert. Vor allem der Vater bekommt immer
mehr das Gefühl, dass ihm seine Tochter überlegen ist und
kompensiert seine Hilflosigkeit mit Gewalt. Mit 16 Jahren sind ihre
schulischen Leistungen so gut, dass sie an einem Gymnasium das
Abitur in Angriff nehmen könnte. Doch ihre Eltern sind dagegen, und
so muss Hildegard eine Lehre als Sekretärin beginnen. Sie sieht
ihren großen Traum, irgendwann eine Akademikerin zu sein, platzen
und droht sämtlichen Halt in ihrem Leben zu verlieren.
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"Düvelsbrode"- Teufelsbraten - wird sie von ihrer Familie
immer geschimpft, die kleine Hildegard, Tochter eines ungelernten
Fabrikarbeiters und einer Putzfrau, nur weil sie mit ihrem
unbeugsamen Willen, lesen und schreiben zu lernen, bei ihren kölsch
sprechenden Eltern und ihrer Großmutter auf gewaltige Abwehr stößt.
Allein der Großvater versteht sie, von ihm lernt das
Mädchen"Buchsteine"kennen, die ihre Fantasie in Gang
setzen und sie darin bestärken, dass Ausflüge in die Wörterwelt,
dass Sprache und Literatur sie aus dem einengenden
katholisch-rheinisch geprägten Elternhaus und letztlich aus dem
Proletariermilieu herausführen. Doch bis zur Aufnahme ins ersehnte
Gymnasium ist der Weg für Hildegard steinig - sie muss mehr als
jedes andere Mädchen kämpfen...
"Das verborgene Wort", der zweite Roman der Lyrikerin Ulla Hahn, avancierte 2001 zum Bestseller. Nun liegt die autobiografisch gefärbte Erzählung auch in Form eines TV-Zweiteilers vor. Hermine Huntgeburth hat die Emanzipationsgeschichte der Arbeitertochter Hildegard Palm, die in den 50er Jahren im katholisch geprägten Rheinland aufwächst, in Szene gesetzt.
Auch wenn für den von Colonia Media produzierten Fernsehfilm der Titel "Teufelsbraten" gewählt wurde, orientiert sich die Verfilmung eng an Hahns Romanvorlage. Wie im Buch ist somit auch der rheinische Dialekt wichtiger Bestandteil der Erzählung. Es bleibt abzuwarten, wie die Fernsehzuschauer aus anderen Regionen Deutschland vor allem den ersten Teil des "Teufelsbratens" aufnehmen werden, der überwiegend in der rheinischen Arbeitersiedlung angesiedelt und entsprechend sprachlich gefärbt ist. Nicht zuletzt trägt der Dialekt aber auch zur hohen Authentizität des Zweiteilers bei. Huntgeburth gelingt es, die Atmosphäre der 50er und frühen 60er Jahre überzeugend ins Bild zu setzen. Auch das Darstellerensemble, allen voran Anna Fischer, Charlotte Steinhauer und Nina Siebertz als Hildegard in unterschiedlichen Altersstufen, ist gut zusammengestellt und bis in die Nebenrollen passend besetzt. Fischer bleibt es dabei vorbehalten den gesamten zweiten Teil zu bestreiten, der die Entwicklung von Hildegard im Teenager-Alter und somit die entscheidende Loslösung des begabten Arbeiterkindes vom bildungsfernen Elternhaus schildert. Gerade hier gelingen im Zusammenspiel zwischen Fischer und dem Vater-Darsteller Ulrich Noethen viele beeindruckende Momente. Der Zuschauer wird Zeuge wie Vater und Tochter beim gemeinsamen Kleiderkauf in Köln zueinanderfinden, erlebt auch den beklemmend realistisch dargestellten Jähzorn des Arbeiters, der im Umgang mit dem selbstbewussten Teenager und dessen Wunsch nach gymnasialer Bildung völlig überfordert ist. Bei aller ernster Thematik kommen auch humoristische Ansätze im "Teufelsbraten" nicht zu kurz. Einige Charaktere werden bis ins Groteske überzeichnet, was etwa bei der von Corinna Harfouch dargestellten Sekretärin Frau Wachtel hervorragend funktioniert, bei Harald Schmidts Kurzauftritt als "Wäschemann" hingegen eher mäßig. Die Sequenz mit dem schauspielernden Late-Night-Talker, der in einer Loriot-artigen Maskerade auftritt, will einfach nicht so recht ins stimmige Gesamtbild des Zweiteilers passen. Unter dem Strich überzeugt "Teufelsbraten" aber als interessante Studie einer interessanten Epoche, in der die konservative Gesellschaft der 50er Jahre mit der aufkeimenden Aufbruchstimmung der 68er-Ära konfrontiert wurde. jl.
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Ulla Hahn, aufgewachsen im Rheinland, arbeitete mach ihrer Germanistik-Promotion als Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten, anschließend als Literaturredakteurin bei Radio Bremen. Schon ihr erster Lyrikband wurde zu einem großen Leser- und Kritikererfolg. Ihr lyrisches Werk wurde u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Sie erhielt den Deutschen Bücherpreis. Zudem wurde sie 2006 mit dem "Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis" und dem "Hertha Koenig-Literaturpreis" ausgezeichnet. Im Jahr 2010 wird ihr der Ida Dehmel Literaturpreis 2010 der GEDOK verliehen.