Das Mädchen-College Wellesley ist Amerikas Kaderschmiede der
Eliten. Dorthin wird in den 50er Jahren inmitten der restriktiven
McCarthy-Ära die liberale Kunstdozentin Katherine Watson berufen.
Schon bald stellt diese entsetzt fest, dass sie es nicht mit der
zukünftigen intellektuellen Elite des Landes zu tun hat, sondern
quasi mit einem lebendigen Genpool, der einzig zur Erhöhung der
Chancen auf dem heißumkämpften Heiratsmarkt eine fundierte
Ausbildung erhält. Ein Affront für die emanzipierte Pädagogin,
gegen den sie rebelliert. Bei seiner weiblichen Variante von
"Der Club der toten Dichter" kann sich Erfolgs-Regisseur
Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") auf
jede Menge Frauen-Power verlassen. Neben Hitgarant Julia Roberts
begeistert vor allem der Nachwuchs in Gestalt von Maggie Gyllenhall
("Secretary") und Kirsten Dunst ("Spider-Man").
Auch wenn dem Skript der letzte Schliff fehlt und die Story eher
spannungsarm vor sich hin plätschert, wird das Drama der leisen
Töne und großen Gefühle ein breites, vornehmlich weibliches
Publikum finden.
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Julia Roberts ist Katherine Watson, eine frische UCLA Absolventin,
die 1953 am renommierten Mädchen-College Wellesley eine Anstellung
als Lehrerin für Kunstgeschichte übernimmt. Entschlossen tritt
Katherine der altmodischen Gesellschafts-Moral und der Institution,
die an dieser festhält, entgegen. Sie inspiriert ihre
traditionsbewussten Studentinnen Betty (Kirsten Dunst) und Joan
(Julia Stiles), sich dem Leben, das sie eigentlich erwartet, mit
allen seinen Herausforderungen zu stellen.
Was die Gesellschaft von ihnen erwartet, war klar: für die jungen Mädchen in den prüden "Fifties" war die Rolle der Hausfrau und Mutter vorgesehen, auch wenn sie noch so begabt waren und exzellente Schulabschlüsse hinlegten.
Keine Ausnahme machten da die Absolventinnen des berühmten Wellesley College in Massachusetts, auf dem auch Hillary Clinton oder Madeleine Albright ein Jahrzehnt später fürs Leben büffelten.
Als die junge, freigeistige Lehrerin Katherine Watson (Julia Roberts) aus Kalifornien dort ihre Stelle antritt, sieht sie sich auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära mit der engstirnigen Moral jener Zeit konfrontiert. Sie will ihren Schülerinnen nicht nur Kunstgeschichte beibringen, sondern vielmehr das Streben nach Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.
Aus Feind mach Freund
Erst einmal stößt sie damit auf Ablehnung und macht sich die frisch verheiratete Betty (Kirsten Dunst als hinterhältiges Biest) zur Feindin, die gegen jede Vernunft mit ihrem untreuen Mann glücklich sein will.
Trotzdem kämpft die mutige Lehrerin weiter gegen erstickende Konventionen, scheinheilige Moral und erzkonservative Sitten und versucht die Mauern aus Verschlossenheit und Arroganz zu durchbrechen.
Nach und nach gewinnt sie die Zuneigung und das Vertrauen der Mädchen, die ihre Vorstellung von unabhängigem Denken und intellektueller Freiheit bald nicht mehr ganz so abwegig finden.
Alles gut?
Die sexuell neugierige Giselle (die verführische "Secretary" Maggie Gyllenhaal) fühlt sich in ihrem Lebenswandel bestätigt, aber vor allem bei der aufgeweckten Joan (Julia Stiles) fallen Katherines Worte auf fruchtbaren Boden, bewirbt die sich doch trotz bevorstehender Hochzeit für ein Jura-Studium an der renommierten Yale-Universität.
Und als der Lehrerin dann noch der Kollege das Herz auf dem Tablett serviert, scheint alles paletti. Aber nur fast, denn auch für sie folgt die Einsicht, dass sie selbst vielleicht doch nicht so unabhängig ist, wie sie geglaubt hat.
Julias Lächeln
Mike Newell ("Vier Hochzeiten und ein Todesfall") rührt einen prickelnden Gefühls-Cocktail an und lässt neben Oscar-Peisträgerin Julia Roberts die junge Stargarde Hollywoods aufmarschieren.
Die Roberts, schöner denn je, strahlt Verletzbarkeit und Sensibilität aus in dieser mutigen Mixtur aus naiver "pretty woman" und taffer "Erin Brockovich". Sie ist keine strahlende Heldin, sondern eine empfindsame Frau, die Höhen und Tiefen durchlebt, aber nie aufgibt. Und mit ihrem unnachahmlichen Lächeln Mona Lisa fast die Schau stiehlt.
"In einer Welt, die ihnen vorschrieb, wie man lebt, lehrte sie sie, wie man denkt" ... in diesem US-amerikanischen Film von Mike Newell aus dem Jahr 2003 geht es um die Anfänge der Befreiung und Emanzipation Anfang der 50er.
Grandios und mit einer unglaublichen Leichtigkeit, nie vordrängend sondern eher verletzlich spielt Julia Roberts diese gewiss nicht leichte Rolle der Katherine Watson, Dozentin im Fachbereich Kunstgeschichte am Wellesley College, einer privaten Hochschule für privilegierte Frauen, gegründet 1870. Nach wechselseitig initiierten und forcierten Auseinandersetzungen wird Katherine letztendlich zum großen Vorbild für ihre Studentinnen, die, nach allerlei Wirren, in ihr und durch sie die Sicherheit finden, sich der gesellschaftlichen Erwartungen zu entledigen und ihren eigenen Weg zu gehen.
Die, sozial gesehen, undankbare Rolle der Betty Warren als Anstifterin und Zerstörerin und auch selbst Zerstörte wird bravourös von Kirsten Dunst gespielt. Und auch die anderen Hauptakteure vermitteln einen sehenswerten Eindruck der damaligen Zeit.
Warum der Film nach Anlaufen so schlechte Kritiken bekommen hat und auch hier in den Rezensionen so widersprüchlich beurteilt wird, ist mir schleierhaft. Vor teils "schreiender" (sage zB nur: "Blümchentapete") und teils wunderschöner Kulisse (zB der 50 Jahre alter Hörsaal der Columbia University) und mit so gegensätzlichen und fantastischen Songs gedreht, gelingt Newell (nicht nur für mich) ein alle Emotionen abdeckender, vielleicht nicht exorbitanter, aber definitiv gelungener und guter "Historien"-Film mit einem Thema, das nach dem 2ten Weltkrieg ein brisanter und wichtiger Zündfunke für die 50er und 60er war.
...ein gut gemachter und unterhaltsamer Film im Zeichen der und für die Emanzipation
nB /11.01.09: Nachdem ich den Film bereits mehrmals gesehen habe, bewerte ich ihn heute doch mit 5, anstatt den abgegebenen und oben angezeigten 4 Sternen.
Darsteller
* Julia Roberts : Katherine Ann Watson
* Kirsten Dunst : Betty Warren
* Julia Stiles : Joan Brandwyn
* Maggie Gyllenhaal : Giselle Levy
* Ginnifer Goodwin : Connie Baker
* Ebon Moss-Bachrach : Charlie Stewart
* Dominic West : Bill Dunbar
* Juliet Stevenson : Amanda Armstrong
* Marcia Gay Harden : Nancy Abbey
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