Die Schiffe am Ostseehorizont wecken im begrenzten Land Träume und
Sehnsüchte. Die zweiteilige Dokumentation erzählt vom Aufstieg und
Niedergang der DDR als Seefahrernation.
Für die DDR sind die Voraussetzungen, eine Seefahrernation zu
werden, denkbar ungünstig. Am Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es
auf dem Territorium der sowjetischen Besatzungszone kein einziges
fahrtüchtiges Schiff. Die Hafenanlagen von Rostock, Stralsund,
Wismar und Saßnitz sind größtenteils zerstört. Was noch
funktioniert, wird als Reparationsleistung von der Sowjetunion
abgefordert.
1. Teil: Eigener Hafen spart Devisen
Trotz der katastrophalen Ausgangsbedingungen beschließt die
DDR-Führung, den Ostseezugang wirtschaftlich zu nutzen und eine
Fischerei- und Handelsflotte aufzubauen. In den 60er-Jahren
entsteht in Rostock ein neuer Überseehafen, die ganze Republik wird
für das Projekt mobilisiert. Ein eigener Hafen spart Devisen und
verbessert die Bedingungen für den Außenhandel. So gelingt es der
DDR, in den kommenden Jahren, eine beachtliche Handelsflotte
aufzubauen und mit großen Trawlern auf den Weltmeeren zu fischen.
Sogar zwei "Traumschiffe" leistet sich der
Arbeiter-und-Bauern-Staat. Die DDR hat die Weltmeere erobert.
2. Teil: Fluchtversuche auf großer Fahrt
In den 80er-Jahren gehören fast 180 Schiffe zur Handelsflotte, dazu
kommen noch über 100 Fischereischiffe. 10.000 Mann Besatzung fahren
jetzt zur See. Im Fernsehen werden maritime Unterhaltungssendungen
präsentiert. Den Daheimgebliebenen verschweigt man jedoch; dass die
"Traumschiffe der DDR" auch regelmäßig an westliche
Reiseveranstalter vermietet werden, dass sich auf großer Fahrt
immer wieder Fluchtversuche ereignen, dass die Fischfangergebnisse
schon Ende der 70er Jahre schlechter werden und die strahlende
DDR-Flotte immer mehr an Glanz verliert.
Sehr interessante Reportage mit vielen Details und Interviews, allerdings eher für den "DDR-Interessierten" geeignet als für denjenigen, der sich allgemein für Schifffahrt und vor allem für technische Details der Schiffe interessiert. Im Vordergrund dieser Reportage stehen die handelnden Menschen und weniger die Schiffe. Kurz und gut: Wer eine Reportage wie aus dem Motorrbuch-Verlag erwartet wird eher enttäuscht sein. Wer wissen will, wie die "Denke" der Menschen zu DDR-Zeiten war, wird zufrieden mit diesem Produkt sein.
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