Double Sexus. Katalog zur Ausstellung in der Nationalgalerie Berlin, Sammlung Scharf-Gerstenberg, 2010 und Gemeentemuseum Den Haag, 2010/2011. Dtsch.-Engl.
Körper verformen sich, lösen sich auf. Männliche und weibliche
Geschlechtsformen verschmelzen miteinander. Menschliche Körper
werden zu Fetischen, Gliedmaßen fehlen, andere verdoppeln sich und
androgyne Körper entstehen. Die sexuell aufgeladenen Werke von
Louise Bourgeois und Hans Bellmer weisen bemerkenswerte Parallelen
auf, obwohl sich die Künstlerin und der Künstler tatsächlich nie
begegnet sind: Louise Bourgeois (geboren 1911) lebte bis 1938 in
Paris, wo sie Kunst studierte, sie ging dann nach New York, wo ihre
künstlerische Karriere begann. Dort unterhielt sie auch losen
Kontakt zu einigen der im Exil lebenden Surrealisten. Hans Bellmer
(1902 - 1975) kam 1938 aus Berlin nach Paris, wo er sich den
Surrealisten anschloss, er stellte seine Arbeiten regelmäßig mit
diesen aus.
Louise Bourgeois, Feministin aus Überzeugung, entlarvt in ihren
Arbeiten das konventionelle Verständnis von sexueller Identität.
Sie setzt sich skeptisch mit dem tradierten Bild der Frau
auseinander und reflektiert dabei zugleich den surrealistischen
Blick auf die Frau. Verschiedene Methoden der Surrealisten wie
Fragmentierung und Metamorphose adaptiert sie für ihre eigenen
Strategien.
Hans Bellmer schuf mit der Puppe die ideale Frau, in der sich alle
seine Wünsche, Phantasien, aber auch die geheimen, verdrängten
Ängste widerspiegeln. Er nimmt die Glieder auseinander und setzt
die Körper neu zusammen. Die Puppe kann Frau und Mann zugleich
sein. Diese Doppeldeutigkeit der Geschlechter setzt sich in
Bellmers Zeichnungen nahtlos fort.
Die Publikation setzt die Arbeiten von Hans Bellmer und Louise
Bourgeois erstmals miteinander in Dialog: Werke, die durch den
männlichen und weiblichen Künstlerblick sowie persönliche
Obsessionen und Begehren geprägt sind.
Die Publikation setzt den Dialog der Geschlechter auf zwei weiteren
Ebenen fort: Dass eine Kunsthistorikerin und ein Kunsthistoriker
die beiden Positionen nach allen Regeln der Kunstwissenschaft
verorten, liegt nahe. Dass darüber hinausElfriede Jelinek (in einem
bisher unveröffentlichten neuen Text) und Henry Miller (mit Texten
aus Sexus) auf literarischer Ebene gegeneinander antreten werden,
dürfte hingegen eine kleine Sensation sein, die prickelndes
Lesevergnügen verspricht.
Ausstattung/Bilder: 2010. 160 S. m. zahlr. Farbabb.
Seitenzahl: 154
Distanz
Deutsch
Abmessung: 279mm x 220mm x 20mm
Gewicht: 1030g
ISBN-13: 9783899554038
ISBN-10: 3899554035
Best.Nr.: 28041309
Louise Bourgeois, geboren 1911 in Paris, studierte von 1936 - 1938 u. a. an der Ecole du Louvre, der Academie Julian und im Atelier von Fernand Leger. 1938 ging sie nach New York, wo sie bis heute lebt und arbeitet.