Das gläserne Klavier - Toews, Miriam
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Elfrieda von Riesen ist eine umjubelte Konzertpianistin, reich, berühmt, verheiratet mit dem Mann, den sie liebt. Ihre Schwester Yoli ist pleite, geschieden und schläft unfehlbar mit den falschen Männern. Unterschiedlicher könnten zwei Schwestern nicht sein. Und doch gibt es niemanden, dem sie näher stünden als einander. Aber Elfrieda will nicht mehr leben. Kurz vor ihrer neuen Welttournee bricht sie zusammen und bittet ihre Schwester um das Unmögliche, bittet sie um diesen letzten Dienst, der bei weitem das übersteigt, was einem Menschen zumutbar ist. Während ihr Agent sie verzweifelt zu…mehr

Produktbeschreibung
Elfrieda von Riesen ist eine umjubelte Konzertpianistin, reich, berühmt, verheiratet mit dem Mann, den sie liebt. Ihre Schwester Yoli ist pleite, geschieden und schläft unfehlbar mit den falschen Männern. Unterschiedlicher könnten zwei Schwestern nicht sein. Und doch gibt es niemanden, dem sie näher stünden als einander. Aber Elfrieda will nicht mehr leben. Kurz vor ihrer neuen Welttournee bricht sie zusammen und bittet ihre Schwester um das Unmögliche, bittet sie um diesen letzten Dienst, der bei weitem das übersteigt, was einem Menschen zumutbar ist. Während ihr Agent sie verzweifelt zu erreichen versucht, setzt Yoli alles daran, Elfrieda Kraft und Zuversicht einzuflößen, sie für die Tour fit zu machen. Sie kämpft aus Leibeskräften. Denn wie sollte man einem solchen Wunsch entsprechen? In ihrem neuen Roman erzählt Miriam Toews von der Liebe zweier Schwestern, von einer Familie, die zusammenrückt und mit Witz und Menschlichkeit den Zumutungen des Lebens trotzt. Und ihr gelingt das Unglaubliche: selbst angesichts des Schwersten bringt sie uns zum Lachen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Berlin Verlag
  • Seitenzahl: 366
  • 2016
  • Ausstattung/Bilder: 2016. 368 S. 210 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 138mm x 34mm
  • Gewicht: 483g
  • ISBN-13: 9783827012494
  • ISBN-10: 382701249X
  • Best.Nr.: 44098223
Autorenporträt
Monika Baark, 1968 in Tel Aviv geboren, studierte Anglistik und Kunstgeschichte. Sie lebt in Berlin und übersetzt u.a. Margaret Atwood, Vendela Vida, Jeanette Winterson, Amity Gaige und Miriam Toews.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Dass die Handlung in Miriam Toews Familienroman "Das gläserne Klavier" stellenweise nicht so recht vorankommt, kann Rezensentin Franziska Wolffheim angesichts einer gelungenen Mischung aus Komik und Tragik verschmerzen. Toews beschreibe die Beziehung zweier höchst unterschiedlicher Schwestern: die eine voller Liebe zum Leben, die andere den Tod herbei sehnend, beide aus einer Familie stammend, über die seit Generationen eine Neigung zum Suizid weitergibt. Mit dem Roman hat die Autorin ihrer verstorbenen Schwester ein Denkmal gesetzt, jedoch ohne jeden Pomp und überflüssigen Pathos, stattdessen voll feinsinniger Intimität, lobt die Kritikerin, die bekennt, kaum einmal einen so amüsanten Roman über den Tod gelesen zu haben. Und Dynamik entwickelt die Geschichte auch, so Wolffheim, vor allem durch treffsichere Dialoge, zahlreiche literarische Bezüge und eine unterhaltsame Selbstreferentialität.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 09.06.2016
Schwesterherz
Die Kanadierin Miriam Toews erzählt
eine schmerzlich-komische Familiengeschichte
VON FRANZISKA WOLFFHEIM
Das Unglück kann viele Facetten haben, es kann banal und tragisch, kurios und herzzerreißend, erwartbar und völlig überraschend sein. Miriam Toews, eine der wichtigsten Autorinnen Kanadas, jongliert in ihrem neuen Roman mit den verschiedenen Spielarten des Unglücks und sie tut das so souverän und selbstverständlich, mit einem so lapidaren Humor, dass sie ihrem düsteren Romankosmos immer wieder Momente der Heiterkeit abringen kann. Selten hat man einen stellenweise so komischen Roman über das Sterben gelesen wie Miriam Toews’ „Das gläserne Klavier“.
  Eine Quelle des Unglücks ist ein Selbstmord-Gen, das die mennonitisch geprägte Familie bestimmt, um die es hier geht. Eine Familie, die immer mehr dezimiert wird, ständig bestrebt, die wenigen, die noch da sind, zusammenzuhalten, dem ewigen Fluch zu trotzen. Ein kleines, finster entschlossenes Bataillon, das nur einen einzigen Feind kennt: sich selbst. Oder, in Miriam Toews’ Worten über die wiederholten Freitode in der Familie: „Wir haben das alles schon mal erlebt. Es ist alles nur eine Neuauflage.“
  Die mögliche Neuauflage des Familiendramas hat in diesem Fall mit Elfrieda von Riesen zu tun, die schon mehrmals versucht hat, sich umzubringen. Elfrieda, eine weltweit gefeierte Pianistin, Ende vierzig, schön, verheiratet mit einem liebevollen Mann. Während sie anscheinend alles erreicht hat, improvisiert sich Yolandi, ihre jüngere Schwester, durch ihr Leben hindurch. Sie lebt in Toronto, hat zwei Kinder, ist mitten in der Scheidung und schreibt an einem Manuskript, das sie in einer Safeway-Tüte mit sich herumträgt. Keine Erfolgsmeldungen – im Gegensatz zu der auf den ersten Blick glamourösen Biografie ihrer Schwester.
  Elfrieda, die in Winnipeg lebt, ist nach einem missglückten Selbstmordversuch in der Psychiatrie eines Krankenhauses gelandet, die geplante Welttournee muss ins Wasser fallen. Nun bittet sie ihre Schwester, sie in die Schweiz zu begleiten, wo sie in Ruhe den Tod finden möchte. Eine Bitte, die Yolandi förmlich zerreißt.
  Das Verhältnis der beiden Schwestern steht im Zentrum des Romans. Beide sind geprägt von der auf Konformität und Frömmigkeit gedrillten Gemeinde, von einer umtriebig-lebensbejahenden Mutter und einem depressiven Vater, der sich schließlich vor einen Schnellzug wirft. Da ist sie wieder, die Familien-Hypothek, an der beide Schwestern zu tragen haben. Yolandi weiß, dass sie letztlich wohl auch kapitulieren muss vor dem Todeswunsch der Schwester: „Sie wollte sterben und ich wollte, dass sie lebt, und wir waren Feinde, die sich liebten.“ So lautet die einfach komplizierte Formel für die Unauflösbarkeit des Unglücks in dieser auf anrührende Weise verkorksten Familie.
  Eindringlich sind immer wieder die Szenen, in denen sich die Schwestern nahekommen, obwohl sie doch so vieles trennt, dem Leben zugewandt die eine, todessehnsüchtig die andere. Elfrieda erzählt ihrer Schwester, sie habe ein gläsernes Klavier im Bauch und Angst, es könne kaputtgehen, und sie würde daran verbluten. Ob Yolandi sie verstehen könne? Häufig erzeugt Miriam Toews solche intimen Momente, ganz ohne Kitsch und Pathos. Um dann, nach einem unvermittelten Cut, ins Komische umzuschwenken: Wenn zum Beispiel Elfrieda, die in der Klinik von einer grimmig dreinblickenden Frau bewacht wird, versucht, sich mit ihrer Wächterin über Thomas von Aquin zu unterhalten, was die nur mit einem Schulterzucken quittiert. Komik und Tragik liegen in diesem Roman oft nur ein paar Millimeter auseinander.
  Häufig montiert die Autorin Kindheitserinnerungen der Schwestern und Gegenwart in schnellem Wechsel aneinander, was dem Roman eine schöne Dynamik verleiht; auch die hinreißend prägnanten Dialoge geben dem Geschehen Drive. Trotzdem tritt die Handlung gelegentlich auf der Stelle. Damit die Besuche der Familie bei Elfrieda im Krankenhaus nicht zu einer Endlosschleife werden, erweitert die Autorin das Spektrum der diversen „Todesarten“ im Roman, um mit Ingeborg Bachmann zu sprechen: Sie lässt die zupackende und ganz und gar nicht depressive Tante an den Folgen einer Herzkrankheit sterben.
  Es gibt viele literarische Zitate und Anspielungen im Text, Bezüge zu Virginia Woolf und Sylvia Plath sind mehr als naheliegend; zudem ist der Roman auf amüsante Weise selbstreferentiell. Im Original heißt das Buch, von Monika Baark nuancenreich ins Deutsche übertragen, „All My Puny Sorrows“, also: all meine peinigenden Sorgen. Diese Worte wiederum stammen aus einem Gedicht des Engländers Samuel Taylor Coleridge. Elfrieda liebt die romantische Dichtung, speziell Coleridge. Aus „All My Puny Sorrows“ macht sie kurzerhand A.M.P.S und sprüht die Abkürzung als Heranwachsende an verschiedenen Orten des Mennonitenstädtchens mit roter Farbe auf – ihre persönliche Rebellion gegen Kleingeisterei und verordnete Lebenstüchtigkeit. Kein Wunder, dass der Pastor ihr einmal vorwirft, „im Elend ihrer frevelhaften Gefühle zu schwelgen“.
  Miriam Toews, selbst in einer Mennonitengemeinde aufgewachsen, hat in ihrem Roman die eigene Familiengeschichte einfließen lassen. Den Selbstmord des Vaters, den sie bereits in einem anderen Roman thematisiert hat, und den der Schwester. In einer Danksagung am Ende nennt sie auch ihre Schwester, Marjorie Anne Toews: „genial komisch, schmerzlich vermisst“. Fast scheint es, als hätte die Autorin hier das Motto ihres eigenen Romans skizziert – genial komisch und schmerzlich zugleich. Ihrer Schwester hat sie mit dem Buch ein Denkmal gesetzt, aber nichts Pompöses, nichts Wuchtiges, sondern eher zurückhaltend und feinsinnig, vielleicht mit ein paar Tupfern roter Farbe besprüht.
      
Miriam Toews: Das gläserne Klavier. Aus dem Englischen von Monika Baark. Berlin Verlag, Berlin 2016. 368 Seiten, 22 Euro. E-Book 17,99 Euro.
„Wir waren Feinde, die sich
liebten“, heißt es einmal
Die Autorin stammt ebenfalls
aus einer Mennonitengemeinde
Elfrieda ist eine gefeierte Konzertpianistin, aber sie sagt, sie habe ein gläsernes Klavier im Bauch und Angst, dass es zerbricht. Foto: BilderBox.com
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»Trotz aller Tragik ist dieser berührende, autobiografisch geprägte Roman außerordentlich witzig, und die Dialoge sind punktgenau. Die Autorin schafft es in bewundernswerter Weise, Drama und Komik in einem perfekten Gleichgewicht zu halten.«, Brigitte Wir, 22.08.2016