Die Vielzahl von dramatischen Fällen von Kindeswohlgefährdung wirft
die Frage auf, wie Jugendämter mit diesem Problem vor Ort umgehen.
Die Studie zeigt erstmals im deutschsprachigen Raum auf der Ebene
der Leiterinnen und Leiter im Allgemeinen Sozialen Dienst, wie
vielfältige Erfindungen zu einer achtsamen Kinderschutzpraxis
beitragen können. Damit wird angeschlossen an neuere
sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zu Organisationen, von denen
seitens ihrer Umwelt ein hohes Maß an Zuverlässigkeit erwartet
wird, obwohl sie mit schwer vorhersehbaren und unklaren
Fallkonstellationen konfrontiert sind.
Soziale Arbeit im Jugendamt steht alltäglich unter Druck.
Dramatisch verlaufene Fälle von Kindeswohlgefährdung offenbaren
Fehler im System des staatlichen Schutzauftrags sowohl innerhalb
der als auch zwischen den beteiligten Organisationen. Das
Alltagsgeschäft im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) der Kommunen
ist geprägt durch eine hohe Verantwortung im Handeln, das zugleich
ständig dem Risiko einer Fehleinschätzung unterliegt. Gegenwärtig
wird unter medial verstärkter öffentlicher Aufmerksamkeit versucht,
eilends identifizierte Lücken im System zu schließen.
Doch erkennbar haben normative Neuerungen und neue Fachkonzepte
weitere gravierende Fälle nach Kevin, Dennis oder Lea-Sophie nicht
verhindern können. Grund genug, die Zusammenhänge der einschlägigen
Praxis in den Jugendämtern empirisch genauer unter die Lupe zu
nehmen und danach zu fragen, was diesen hilft, zuverlässig zu
arbeiten. Das vorliegende Buch dokumentiert die Ergebnisse einer
Studie, die eine vielfache Lücke schließt: Erstmals wird der Blick
auf die Umsetzung des staatlichen Schutzauftrages in den
bundesdeutschen Jugendämtern gerichtet, und ebenso erstmals steht
dabei die Führungsebene im Mittelpunkt der Betrachtung.
Ausgangspunkt ist die heuristische Vermutung, dass das Jugendamt
unabhängig davon, ob es zu dramatischen Einzelfällen kommt, über
vielfältige Erfahrungen im Umgang mit komplizierten Hilfeverläufen
verfügt. Im Ergebnis werden zahlreiche Strategien beschrieben, die
den Jugendämtern und ihren Kooperationspartnern im Sinne
"kleiner Erfolge" helfen, mit bestehenden
"Halbwegs-Sicherheiten" umzugehen und, selbst bei
unerwarteten Entwicklungen und nach eigenen Fehlern, handlungsfähig
zu bleiben.
»Das Werk von [...] Michael Böwer ist innovativ und inhaltlich schlüssig. Ein besonderer Verdienst kommt der komprimierten Darstellung der Ereignisse seiner empirischen Untersuchung zu; es handelt sich hierbei um ein good practice Beispiel einer Auswertung gemäß der Grounded Theory. Nicht zuletzt machen die fachlich begründeten Thesen des Autors sowie die Präsentationsform seiner Studie dies Buch überaus empfehlenswert für die Praxis der Sozialen Arbeit, wie auch für wissenschaftliches Arbeiten, zum Thema Soziale Arbeit.« socialnet
"Das Werk von [ ] Michael Böwer ist innovativ und inhaltlich schlüssig. Ein besonderer Verdienst kommt der komprimierten Darstellung der Ereignisse seiner empirischen Untersuchung zu; es handelt sich hierbei um ein good practice Beispiel einer Auswertung gemäß der Grounded Theory. Nicht zuletzt machen die fachlich begründeten Thesen des Autors sowie die Präsentationsform seiner Studie dies Buch überaus empfehlenswert für die Praxis der Sozialen Arbeit, wie auch für wissenschaftliches Arbeiten, zum Thema Soziale Arbeit." socialnet
Michael Böwer, geb. 1972, Dr. phil., Dipl.-Soz.arb./Soz.päd., Dipl.-Päd., ist Professor für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit am Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Paderborn. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Kinder- und Jugendhilfe (insbesondere Hilfen zur Erziehung, Allgemeiner Sozialer Dienst, Jugendamt, Kindeswohlschutz) sowie Organisation und Organisationen Sozialer Arbeit.