Statt gesellschaftliche Reformen mit voranzutreiben, gelten die
Gewerkschaften selbst in den eigenen Reihen mehr und mehr als
Reform- und Wachstumsbremse. Dabei könnten sie, wenn sie denn
wollten, gerade in der jetzigen Krise, die einen Umbau der
Arbeitswelt und der gesamten Gesellschaft erfordert, Impulse für
neues solidarisches Handeln geben.
Oskar Negt plädiert in seiner Streitschrift für eine grundlegend
neue Zukunftsperspektive. Er fordert Organisationen, die nicht nur
die Interessen der Arbeitsplatzbesitzer vertreten, sondern mit
einem kulturellen und politischen Mandat die Lebensbedingungen
aller Menschen unseres Gemeinwesens mitgestalten.
Oskar Negt, geboren 1934, studierte Rechtswissenschaft, Philosophie und Soziologie, vor allem bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, und war Assistent bei Jürgen Habermas. Seit 1970 ist er Professor für Sozialwissenschaften an der Universität Hannover. Zahlreiche Veröffentlichungen. 2011 wurde Oskar Negt mit dem "August-Bebel-Preis" für sein Lebenswerk gewürdigt.