Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft - Müller-Armack, Alfred

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Alfred Müller-Armack hat mit diesem Buch 1946 den Weg gewiesen aus der Wirtschaftslenkung der Kriegsjahre in die Soziale Marktwirtschaft. Als engster Mitarbeiter Ludwig Erhards im Wirtschaftsministerium hat er diesen Weg auch praktisch mitgestaltet. Seine Analysen sind erprobt. Sie dürfen bei keiner wirtschaftlichen Neuordnung außer Acht gelassen werden.…mehr

Produktbeschreibung
Alfred Müller-Armack hat mit diesem Buch 1946 den Weg gewiesen aus der Wirtschaftslenkung der Kriegsjahre in die Soziale Marktwirtschaft.
Als engster Mitarbeiter Ludwig Erhards im Wirtschaftsministerium hat er diesen Weg auch praktisch mitgestaltet.
Seine Analysen sind erprobt. Sie dürfen bei keiner wirtschaftlichen Neuordnung außer Acht gelassen werden.
  • Produktdetails
  • Verlag: Kastell Verlag
  • Sonderausg.
  • Seitenzahl: 157
  • 1990
  • Ausstattung/Bilder: Sonderausg. 1990. 157 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 15mm
  • Gewicht: 249g
  • ISBN-13: 9783924592288
  • ISBN-10: 3924592284
  • Best.Nr.: 04185622
Rezensionen
Besprechung von 22.03.1999
Marktfreiheit und soziale Steuerung
Müller-Armacks Klassiker "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft"

Alfred Müller-Armack: Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft. Faksimile-Ausgabe der 1947 in Hamburg erschienenen Originalausgabe. Verlag Wirtschaft und Finanzen, 144 Seiten.

Bertram Schefold/Otto Schlecht/Christian Watrin: Alfred Müller-Armacks "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft". Vademecum zu einem Klassiker der Ordnungspolitik. Verlag Wirtschaft und Finanzen, Düsseldorf 1999, 160 Seiten. Preis für das Faksimile und den Kommentarband: 430 (bis zum 30. April 340 DM).

Wie nah sind sich Freiburger Ordoliberalismus und Kölner Soziale Marktwirtschaft? Von dieser Frage, bis heute alles andere als entschieden, hängt vieles ab. Das Werk Alfred Müller-Armacks ist eine wichtige Quelle zu ihrer Beantwortung. Wer die Trennlinie scharf zieht, wird den Kölner Gründermythos der Sozialen Marktwirtschaft entdramatisieren und ihn als Spielart des deutschen Weges interpretieren, der den Korporatismus allemal dem Wettbewerb vorzieht. Müller-Armacks Modell einer Marktwirtschaft enthielte dann schon in nuce ein Programm, das den organisierten Gruppen (Verbänden, Kirchen, Gewerkschaften) die Aufgabe zuweist, die unterschiedlichen Interessen der wirtschaftspolitischen Akteure zu versöhnen - nichts anderes als Ausdruck eines interventionistischen Denkens, das dem Staat und den gesellschaftlichen Gruppen viel weitergehende Kompetenzen überantwortete, als der Liberalismus zuließe. Denn wo der Staat eingreift, gestaltet die Gesellschaft sich nicht mehr selbst. Soziale Marktwirtschaft will Ergebnisgleichheit, der Liberalismus will Chancengleichheit. Der Weg vom Freiburger Liberalismus zur Kölner Sozialen Marktwirtschaft wäre dann nur zu verstehen als notwendiger Tribut, um dem Ordoliberalismus zu politischer Akzeptanz zu verhelfen.

Das ist die eine Deutung. Wer dagegen auf die Gemeinsamkeiten Wert legt, weist gern darauf hin, daß auch Walter Eucken und Wilhelm Röpke ein Konzept des Sozialen hatten, das Eingriffe in die Einkommenspolitik und Umverteilung nicht a priori als Übel ablehnt. Eucken habe explizit darauf hingewiesen, daß die Steuerprogression einen sozialen Sinn habe. Zugleich sei man in Köln wie in Freiburg davon ausgegangen, daß der Wettbwerb die beste Marktsteuerung im Dienste der Souveränität des Konsumenten garantiere. Wer so argumentiert, für den muß der Sündenfall des deutschen Wohlfahrtsstaates später passiert sein, vielleicht in den sozialliberalen siebziger Jahren, jedenfalls nicht in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Das Maß der Entfernung zwischen Köln und Freiburg bestimmt auch den Grad der wirtschaftspolitischen Liberalität der Bundesrepublik. Der vorerst letzte Stand der Debatte spiegelt ein anregendes akademisches Streitgespräch zwischen Hans Willgerodt und Jürgen Lange-von Kulessa/Andreas Renner im jüngsten Ordo-Jahrbuch 1998.

Was das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft sein soll, ist uneindeutig. Friedrich A. von Hayek hat es ein Wieselwort genannt, ein Wort ohne Bedeutung. Für Müller-Armack ist es Ausdruck eines Wirtschaftsstils gewesen. Die erste explizite Definition des Begriffs "Soziale Marktwirtschaft" hat Müller-Armack 1956 im Handwörterbuch der Sozialwissenschaften geliefert. Leitbild sei es, "das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden". Es ist dies das Versprechen gewesen, den von einer marktwirtschaftlichen Ordnung zu erwartenden Wohlstand mit Institutionen und Interventionen zu koppeln, die dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet sind. Seine erste Erwähnung findet der Begriff schon in Müller-Armacks "Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft", 1946 geschrieben, 1947 erschienen und jetzt als Faksimile in der Edition der "Klassiker der Nationalökonomie" neu aufgelegt. Ob Müller-Armack die Wortverbindung selbst erfunden hat, ist umstritten. Nach einer Anekdote ist der Begriff "Soziale Marktwirtschaft" noch im Krieg von einer Sekretärin zur Archivierung eines Aktenbündels verwendet worden. Darauf weist Bertram Schefold in der Einleitung zum zugehörigen Vademecum hin.

Schefolds Kommentar verhilft mit distanzierter Sympathie auch zum besseren Verständnis von Müller-Armacks Nachkriegsschrift. Vieles, was heute selbstverständlich scheint (der Vorteil flexibler Preise zum Beispiel), ist in den Jahren der gelenkten Kriegswirtschaft in Vergessenheit geraten. Die Grundidee des "organisierten Kapitalismus", die Kartellierung der Wirtschaft, schienen den Liberalismus zur Irrelevanz verurteilt zu haben. Müller-Armacks Bekenntnis heißt: "Die Marktwirtschaft verfügt in ihrem variablen Preis- und Wertsystem über einen Signalapparat, der jede Veränderung in der Seltenheit der Produktionsfaktoren anzeigt und zu entsprechender Umdisposition im Sinne der Nachfrageeinschränkung beziehungsweise Produktionserhöhung führt." Der Kölner Ökonom warnt zugleich davor, wieder zur "früheren liberalen Marktwirtschaft" zurückzukehren. Wirtschaftslenkung und liberale Marktwirtschaft seien innerlich verbraucht, schreibt er. Die Soziale Marktwirtschaft sei eine "neue dritte Form", nämlich eine "bewußt gesteuerte, und zwar sozial gesteuerte Marktwirtschaft". Immerhin hat Müller-Armack keine Scheu vor dem Gebrauch des Begriffs der Steuerung.

Schefold nennt die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft einen "deutschen Weg aus einem deutschen Verhängnis". Er verschweigt auch nicht, daß sich Müller-Armack 1933 unter offenem Bekenntnis zur nationalsozialistischen Bewegung mit dem Pamphlet "Staatsidee und Wirtschaftsordnung im neuen Reich" hervorgetan hat. Darin wird ein wirtschaftspolitisches Pogramm entworfen, in dem kollektive Zielsetzungen bestehen, die eine Unterordnung der Bürgerinteressen verlangen. Wer will, kann darin zumindest Umrisse einer Staats- und Gesellschaftsidee sehen, die der Autor auch später nicht verworfen hat. Schefold fügt freilich hinzu, daß Müller-Armacks Enthusiasmus von 1933 - wie bei vielen anderen auch - später rasch nachgelassen habe. Aus dem Propheten des neuen Reichs ist ein distanzierter Mitläufer geworden, der als Ordinarius in Münster auch kirchlich engagierte Mitarbeiter beschäftigte: "Er lavierte dann, ohne sich zu exponieren", heißt Schefolds Formel. RAINER HANK

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