Wahnsinn - Porter, Roy

Wahnsinn

Eine kleine Kulturgeschichte

Roy Porter 

Broschiertes Buch
 
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Wahnsinn

In seiner faszinierenden kleinen Kulturgeschichte lotet Roy Porter aus, was gemeint ist, wenn wir Wahnsinn sagen. Er erzählt in einem großen Bogen, den er aus der Antike bis in die Gegenwart spannt, von den sich radikal verändernden Auffassungen von Wahnsinn, vom Umgang mit den Kranken und den hilflosen, zum Teil erschreckenden Bemühungen, sie zu heilen.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 238 S. m. 27 Abb.
  • Seitenzahl: 238
  • Fischer Taschenbücher Bd.17137
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 181g
  • ISBN-13: 9783596171378
  • ISBN-10: 3596171377
  • Best.Nr.: 21476511
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.07.2005

Gar nichts anderes als toll
Irre von Anfang an: Roy Porters unterhaltsame und etwas unbekümmerte Geschichte des Wahnsinns
Das Verhalten der Kollegen. Neulich die Frau im Supermarkt. Vom Straßenverkehr ganz zu schweigen. Mehren sich nicht die Anzeichen, dass die gesamte Umgebung dem Wahnsinn verfallen ist? Keimt nicht auch von Zeit zu Zeit das Gefühl, selbst langsam aber sicher von ihm beschlichen zu werden? Und in jenen wenigen Stunden, in denen man bereit ist, den Untiefen seines Ichs auf den Grund zu gehen - grübelt man da nicht, wo der eigene Wahnsinn seinen Ursprung findet? In der Umwelt oder doch im Inneren? Kurz, man fühlt sich auf vielfältige Weise Titel und Thema des letzten Werkes des englischen Medizinhistorikers Roy Porter verbunden: dem Wahnsinn.
Porter, 2002 früh verstorben, galt dank seiner mehr als 80 Bücher mit enormer Bandbreite von der Wissenschaft bis zum Populären als publizistisches Wunderkind seiner Branche. Der Spezialist für Psychiatriegeschichte war sicher einer der wenigen, die wagen konnten, in einem schmalen Band eine Geschichte des Wahnsinns zu verfassen. „Vieles wird ausgeblendet bleiben”, schreibt er in der Einleitung, er …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.06.2005

Auf blanken Nerven aus der Ordnung fliegen
Psychiatrie als Horrorkabinett: Roy Porters Geschichte des Wahnsinns ist eine Wahnsinnsgeschichte

Wahnsinnig machen uns immer die anderen. "Sie nannten mich verrückt, und ich nannte sie verrückt, und verdammt noch mal, sie haben mich überstimmt", bemerkte der zeitweilig in einer Irrenanstalt untergebrachte englische Dramatiker Nathaniel Lee (1653 bis 1692) und beschrieb damit das, was wir heute die soziale Konstruktion des Wahnsinns nennen würden. Andere Auffassungen besagen, daß psychische Störungen eine organische Basis haben. Der 2002 verstorbene, durch seine Medizingeschichte vom Blickwinkel der Patienten und medizinischen Außenseiter berühmt gewordene englische Historiker Roy Porter, der Ende der achtziger Jahre als fundierter Theoretiker des Wahnsinns hervorgetreten ist, läßt beide Standpunkte zu Wort kommen. Er hält es nicht für sinnvoll, dem wahren Wesen von Geisteskrankheit nachzuspüren. Statt dessen untersucht er, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die als "geisteskrank" gelten.

Porter zeigt, wie die Babylonier und Mesopotamier glauben konnten, daß ein Dämon oder ein …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Angetan zeigt sich Rezensent Robert Jütte von Roy Porters Kulturgeschichte des Wahnsinns. Er folgt Porters Darstellung der Ansichten und Theorien über den Wahnsinn durch die Jahrhunderte, von den Mesopotamiern und Babyloniern über Hippokrates, das Christentum, zu Descartes und Freud. Wie Jütte berichtet, lässt Porter sowohl Standpunkte zu Wort kommen, nach denen Wahnsinn als eine soziale Konstruktion erscheint, also auch solche, die den Wahnsinn auf ein organische Basis zurückführen. Jütte hebt hervor, dass es Porter aber nicht nur um eine Ideengeschichte des Wahnsinns geht. Als Sozialhistoriker interessiere er sich auch für den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen, die als "geistesgestört" gelten. "Besonders lesenswert" findet Jütte dabei das Kapitel mit Selbstäußerungen von "wahnsinnigen" Patienten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Roy Porter (1946-2002) zählt zu den renommiertesten Medizinhistorikern der Welt. Er war zuletzt Professor für Sozialgeschichte der Medizin am Wellcome Institute for the History of Medicine in London und hat zahlreiche Bücher zu medizin- und sozialgeschichtlichen Themen verfasst und herausgegeben. Seine Forschungsschwerpunkte waren die Medizin des 18. Jahrhunderts, die Geschichte der Psychiatrie und die Geschichte der Quacksalberei.
Dietrich von Engelhardt charakterisiert ihn in seinem Geleitwort zum vorliegenden Buch so: "Porter, produktiv und vital im Gespräch, im Vortrag wie im literarischen Schaffen, ist ein profunder und geistreicher Kenner der historischen Entwicklung der Medizin und gehört zu jenen Medizinhistorikern der Gegenwart, die stets die immanenten Dimensionen der Medizin mit den sozialkulturellen Hintergründen in Verbindung bringen."

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