"Sie hat demonstrieren können, wie strukturelle Blindheit entsteht, wie sich ganze Gruppen von Beteiligten gegen das innere Signal "das kann so nicht stimmen" abdichten und professionelle Regeln der Spurensicherung, der Begutachtung, der Pflicht zur Sammlung von entlastenden Umständen, schlicht missachten." FAZ
"Sie hat demonstrieren können, wie strukturelle Blindheit entsteht, wie sich ganze Gruppen von Beteiligten gegen das innere Signal "das kann so nicht stimmen" abdichten und professionelle Regeln der Spurensicherung, der Begutachtung, der Pflicht zur Sammlung von entlastenden Umständen, schlicht missachten." FAZ
"Aus der Rache des Mädchens wurde eine Hilfe- und Genugtuungsorgie der Gutmeinenden. Ohne Zweifel schwappt der Vergeltungseifer auch deshalb so ungezügelt über einen Fall wie diesen, weil man hinter jeder entlarvten Tat eine erhebliche Dunkelziffer von unentdecktem Kindsmissbrauch vermutet. An dem einen erfassten Täter will man psychisch die vielen unerkannten abstrafen. Aber da ist auch die andere Dunkelziffer, die Zahl der zu Unrecht Verurteilten. Diese Ziffer ist wahrscheinlich viel kleiner als die erstere, aber sie fügt der Aufklärung der ersteren maßlosen Schaden zu, weil sie die Verfolgung des sexuellen Missbrauchs nachhaltig diskreditiert. Sabine Rückerts sorgfältig recherchiertes Buch hingegen tut das Ihre, um den Schaden zu begrenzen - eine Anleitung zur juristischen Selbstdisziplin." Süddeutsche Zeitung
"Sabine Rückert macht in ihrem neuen Buch keine Umwege. Sie springt mittenrein in die Geschichte eines Justizirrtums, den sie mitaufgedeckt hat und den man in seiner Gesamtheit nur als Skandal bezeichnen kann, selbst wenn am Schluss ein Gericht die Wahrheit erkannt hat." dpa
"Eine Frau, die einen Mann vernichten will, braucht dazu manchmal weder Messer noch Pistole. Sie braucht bloß eine gute Geschichte, eine, die von Vergewaltigung handelt." Sabine Rückert in der ZEIT
"Die Geschichte der Amelie, ihres Vaters und ihres Onkels ist nicht nur die Chronik eines Justizirrtums, sie zeigt auch, in welchem Rechtssystem wir leben." Sabine Rückert in der ZEIT
"'Im Namen des Volkes' wird geurteilt, aber die Idee des Volkes von Recht und sein Glaube an Gerechtigkeit beruhen letztlich auf den Tugenden all jener Menschen, die das Recht verkörpern. Einfalt, Nachlässigkeit, Feigheit, Ignoranz, Selbstherrlichkeit und sozialer Ekel sind dabei nicht vorgesehen. Treten sie aber auf, setzen sie den Mechanismus der Wahrheitsfindung außer Kraft." Sabine Rückert in DIE ZEIT
"Eine präzise Rekonstruktion der Wahrheit und eine Anleitung zur juristischen Selbstdisziplin." Süddeutsche Zeitung
"Eine präzise Rekonstruktion der Wahrheit und eine Anleitung zur juristischen Selbstdisziplin."
 | Besprechung von 20.03.2007 |
Das Böse des guten Willens
Sabine Rückert analysiert einen extremen Justizirrtum
Jeder Justizirrtum wirft die Rechtsprechung auf peinliche Weise auf
ihre Ausgangsfrage zurück: Wie sicher kann sie sich sein, ihre
Urteile von Vorurteilen abzugrenzen? Allein diese Abgrenzung
begründet ihre Legitimität. Trotzdem weiß sie, dass eine saubere
Grenzziehung selbst im Idealfall nicht möglich ist. Die Zeiten des
naiven Wahns, ein Richter könne Urteile ohne subjektive Zugaben
fällen, indem er das Gesetz durch eine rein logisch-begriffliche
Operation auf einen Lebenssachverhalt „anwendet”, sind lange
vorbei. Nicht, weil man inzwischen weiß, dass Juristen auch
Menschen sind und ihnen menschliche Fehler und Irrtümer so wenig
fremd sind wie allen anderen auch. Vielmehr, weil es eine Kongruenz
von Gesetz und Realität im strengen Sinn nicht geben und weil keine
Rechtsfindung ohne hermeneutisches Vorwissen und Vorbildung
gelingen kann. Doch wo hört Vorwissen auf und fängt Vorurteil
an?
Wie viel juristische Urteilskraft, aber auch wie viel menschliches
Vorwissen braucht man etwa, um den Vorwurf gegen einen Mann, er
habe eine Minderjährige vergewaltigt, zweifelsfrei …
 | Besprechung von 12.02.2007 |
Kollateralschäden der neuen AufmerksamkeitKindesmissbrauch zwischen Verharmlosung und Wahn: Sabine Rückert rollt einen Justizirrtum aufDer "Justizirrtum", bei dem Unschuldige unter die Räder kommen, ist vermeintlich selten. Normalerweise zermahlen die Mühlen der Strafjustiz ihren düsteren Lebensstoff zu Entscheidungen, die das Publikum und vielleicht auch oft die Betroffenen als mehr oder weniger gerecht akzeptieren. Geldstrafen werden bezahlt, Freiheitsstrafen werden abgesessen. Den spektakulären Justizirrtum halten wir eher für den Stoff, aus dem Kriminalromane oder Heldengeschichten für Privatdetektive gemacht werden. Die armen Opfer sitzen verzweifelt in ihren Zellen, ihre Familien leiden, die Kämpfer für Gerechtigkeit ahnen, dass da "etwas nicht stimmen konnte", lassen nicht locker, bis am Ende der Fall noch einmal aufgerollt wird und triumphal endet. Das klingt sehr nach Literatur. Doch waren auch Voltaires "Jean Calas" und Zolas "Alfred Dreyfus" Menschen aus dem wirklichen Leben.
Im wohleingerichteten Rechtsstaat, dessen sich Deutschland rühmen kann, dürften Justizirrtümer eigentlich sehr selten vorkommen. Für diese …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Sabine Rückerts Analyse eines "extremen Justizirrtums" hat Rezensent Andreas Zielcke rundum überzeugt. Der Fall um zwei Männer, die wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden und für viele Jahre hinter Gitter wanderten, obwohl sie völlig unschuldig waren, scheint ihm so unglaublich, dass er ihn fast schon wieder tröstlich findet, denn: "So übel versagt die Justiz dann doch selten." Er bescheinigt Rückert, die ganze Geschichte akribisch recherchiert und in allen Aspekten beschrieben zu haben. Bei Rückerts Rekonstruktion der Wahrheit sieht er das vermeintliche Opfer, ein am Borderline-Syndrom leidendes 18-jähriges Mädchen, im Mittelpunkt. Deutlich wird für ihn, wie der Hilfsreflex auf Seiten der Justiz dazu führte, größte Widersprüche zu ignorieren und aus der Racheabsicht des Mädchens, das ihrem Vater und ihren Onkel wegen der lieblosen Erziehung eins auswischen wollte, eine "Hilfe- und Genugtuungsorgie der Gutmeinenden" wurde. Zielckes Fazit: "eine Anleitung zur juristischen Selbstdisziplin".
© Perlentaucher Medien GmbHSabine Rückert, geboren 1961 in München, studierte Kommunikationswissenschaften und war bis 1991 Nachrichtenredakteurin bei der taz in Berlin. Seit 1992 ist sie Redakteurin der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT, seit 2001 dort Gerichts- und Kriminalreporterin. Für ihre Reportagen und Porträts erhielt sie renommierte Journalistenpreise. Im Jahr 2000 erschien ihr aufsehenerregendes - und inzwischen verfilmtes - Sachbuch 'Tote haben keine Lobby'.