"Ludwig hat die aktuelle Debatte um die Klinikärzte
eingearbeitet, die nicht länger schweigen wollen und handwerkliche
und Kunstfehler zugeben, um sie künftig zu vermeiden. Er nimmt den
Leser mit in den OP-Saal, ans Krankenbett und ins Gericht, wenn
sich die Opfer oder ihre Hinterbliebenen mit Ärzten um
Schmerzensgelder streiten." -- Hamburger Abendblatt
"Ludwig hat die aktuelle Debatte um die Klinikärzte eingearbeitet, die nicht länger schweigen wollen und handwerkliche und Kunstfehler zugeben, um sie künftig zu vermeiden. Er nimmt den Leser mit in den OP-Saal, ans Krankenbett und ins Gericht, wenn sich die Opfer oder ihre Hinterbliebenen mit Ärzten um Schmerzensgelder streiten." Hamburger Abendblatt
"Ludwig hat die aktuelle Debatte um die Klinikärzte eingearbeitet, die nicht länger schweigen wollen und handwerkliche und Kunstfehler zugeben, um sie künftig zu vermeiden. Er nimmt den Leser mit in den OP-Saal, ans Krankenbett und ins Gericht, wenn sich die Opfer oder ihre Hinterbliebenen mit Ärzten um Schmerzensgelder streiten."
Udo Ludwig, geboren 1958 im westfälischen Werl, arbeitet im Deutschland-Ressort des SPIEGEL. Dort recherchiert er insbesondere investigative Geschichten aus dem Bereich Medizin, Verbraucherschutz, Sport. Zuletzt veröffentlichte er ein Buch über die Machenschaften der Dopingmafia.
Leseprobe zu "Tatort Krankenhaus"
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Leseprobe zu "Tatort Krankenhaus" von Udo Ludwig
Jeder kennt diese Horrorgeschichten aus dem Krankenhaus. Das Ärgernis, wenn man Verwandte besucht und diese dann erzählen, sie hätten seit Tagen keinen Arzt mehr sprechen können und keine Informationen bekommen, wie es um sie bestellt sei und wie es weitergehe. Oder der Freund, der mit zwei anderen Patienten auf einem Zimmer liegt und von Tag zu Tag kränker zu werden scheint. Nachts hält ihn der Schnarcher vom Schlaf ab und tagsüber der Mitpatient mit Großfamilie. Oder die Ehefrau, die entbunden hatte und am nächsten Morgen nicht mehr in ihrem Zimmer lag. Man hatte ihr im Wochenbett auch noch den Blinddarm entfernt. Der Mann fand sie schließlich in einer ganz anderen Abteilung, auf dem Flur, fürchterlich frierend. Niemand hatte sich darum gekümmert, dass sie zurück in die Frauenklinik gebracht wurde. So durfte sie morgens miterleben, wie die anderen Patienten an ihr vorbei ins Klo huschten. Und jeder glotzte natürlich auf diesen absonderlichen Fall, der dort im Bett auf dem Flur lag.
Das sind Kleinigkeiten, eigentlich nicht der Rede wert, weil das Missmanagement folgenlos geblieben ist - rein körperlich betrachtet. Und doch hinterlassen all diese Geschichten Spuren in den Köpfen. Das Krankenhaus wird von den meisten Menschen als Moloch empfunden. Nicht als Hort der Genesung und Hilfe, sondern als ein Ort der Hektik, der Unfreundlichkeit, der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins.
Und manchmal kann es auch so etwas wie Angst einflößen. Es war im Frühjahr des Jahres 2007, als ich mit meiner Kollegin Barbara Schmidt in der Nähe von Wegberg unterwegs war. Seit einigen Wochen hatten wir über das lokale Krankenhaus recherchiert, in dem es nach der Privatisierung zu einer Reihe ungeklärter Todesfälle gekommen war. Und mit einem Mal sagte meine Kollegin: "Fahr bloß vorsichtig. Stell dir vor, wir verunglücken hier, und sie bringen uns ins Krankenhaus. Dann kommen auch wir mit den Füßen zuerst wieder heraus."
Dieses Buch will keine Ängste vor unserem Gesundheitswesen schüren, das ja auf der einen Seite immer fortschrittlicher wird, immer mehr Krankheiten heilen und Menschen retten kann, die noch vor einigen Jahren als aussichtlose Fälle gegolten haben; das auf der anderen Seite aber als immer unmenschlicher empfunden wird - als arroganter Reparaturbetrieb, in dem der Mensch zur Krankenakte degeneriert.
Dieses Buch will Aufklärung betreiben über das, was schiefläuft im Krankenhaus. Es will zeigen, wo und wie Fehler passieren und welche Folgen sie haben können. Und es soll damit dazu beitragen, die Diskussion über diese Missstände zu beleben, um die Sicherheit zu verbessern. Es ist eine Branche entstanden, in der im Alltagsgeschäft ein eherner Grundsatz der Medizin abhanden gekommen ist: Primum non nocere -zu allererst nicht schädigen, heißt dieser Grundsatz. Eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Eine weltfremde Forderung ist es, im 21. Jahrhundert, wenn man die Ursachen der vielen tausend Behandlungsfehler in Deutschland betrachtet.
Jahrzehntelang stritt die Ärzteschaft die Existenz der Missstände schlichtweg ab. Doktoren vertuschten selbst gravierende Fälle oder erklärten Misserfolge zu gottgewollten Schicksalsschlägen. Viele Klinikpforten liegen noch immer hinter eine Mauer des Schweigens. Weder Politiker noch Patientenorganisationen konnten am Thron der Götter in Weiß kratzen. Ärzte hatten einen "Nimbus der Unberührbarkeit", sagt etwa Martin Hansis, einst Unfallchirurg in Bonn, dann beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen zuständig für Verstöße gegen die ärztliche Kunst und heute Geschäftsführer des Klinikums Karlsruhe. Sobald ein Kollege "auch nur das Wort Behandlungsfehler in den Mund genommen hat", habe "er davon Ausschlag bekommen".
Erst neuerdings wandelt sich die Szenerie allmählich. Befeuert von Patientenvereinigungen, die in der Öffentlichkeit immer aggressiver auftraten, reagieren Krankenkassen und Politiker. Statt wie in der Vergangenheit zu resignieren und zu zahlen, rechnen die Kassen heute streng nach. Wenn durch fehlerhafte Behandlungen Kosten entstanden sind, vorsichtig geschätzt sind dies rund eine Milliarde Euro im Jahr, bitten die Versicherungen zur Kasse und unterstützen damit gleichzeitig die Geschädigten in ihrem juristischen Kampf gegen die Kurpfuscher. Und das nicht nur freiwillig, sie sind gesetzlich dazu verpflichtet.
Auch selbstkritische Ärztefunktionäre haben gemerkt, dass das alte Kastendenken ausgedient hat. "Schluss mit dem Schweigen", forderte Matthias Rothmund, damaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, auf dem Jahreskongress im April 2005 in München, es müssten "dringend Schritte unternommen werden, um die Anzahl und Schwere von Fehlern zu reduzieren". Diese Offenheit war neu, sie kam überraschend. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich kein hoher Repräsentant der Ärzteschaft getraut, so offen über Versäumnisse zu sprechen. Wer dies tat, konnte sicher sein, von der standesdünkelnden Kollegenschaft zerrissen zu werden. Doch angesichts der vielen Toten durch falsche Medikamentengaben sprang Rothmund auch Bruno Müller-Oerlinghausen zur Seite, der langjährige Vorstandsvorsitzende der Arzneimittelkommission der Ärzteschaft. Man dürfe sich nicht weiter "selbst bekriegen", sagte Müller-Oerlinghausen, "wir müssen endlich anfangen, wenigstens die vermeidbaren Fehler zu verhindern".
Wenn die Patienten mündiger werden und das "Kundenverhalten gereift ist", prophezeite Professor Hansis, "werden die registrierten Fehlerzahlen zunächst dramatisch ansteigen". Doch schon bald würden "Vermeidungsstrategien greifen", und die Qualität der Behandlung dürfte steigen. Denn jedes Krankenhaus, glaubt Hansis, "hat richtig Angst" vor dem Imageschaden durch Strafverfahren.
So weit ist es noch längst nicht. Auch der Vorstoß von Rothmund blieb erst einmal folgenlos, mit der Fehlerkultur befassten sich weiterhin nur die Kollegen, die dieses Thema ohnedies auf ihrer Agenda hatten. Es dauerte weitere drei Jahre, bis im März 2008 eine spektakuläre Aktion das Problem erneut für einige Tage in die Öffentlichkeit brachte. Siebzehn "Profis aus Medizin und Pflege", die sich im "Aktionsbündnis Patientensicherheit" zusammengeschlossen hatten, berichteten offen von Missgeschicken, die ihnen selbst passiert waren. So etwas hatte es noch nicht gegeben: hochrangige Mediziner, die ihre zumeist im Verborgenen gebliebenen Verstöße gegen die ärztliche Kunst zugaben. Ein wenig erinnerte dieses Bekenntnis an die aufwühlende Aktion einiger prominenter Frauen, die in den siebziger Jahren freimütig erklärten: "Ich habe abgetrieben."
Wie die Frauenrechtlerinnen vor über 30 Jahren wollten die Aktivisten von heute nicht so sehr die eigene Schuld erklären. Dazu hätten die Fälle auch kaum Anlass geboten.
Einige Beispiele der Ärzte waren über 40 Jahre alt, andere waren ärgerlich, aber weitgehend folgenlos geblieben, wiederum andere endeten zwar tödlich, aber die Patienten wären an ihrer Erkrankung auch bei größter Fürsorge gestorben.
Kundenbewertungen zu "Tatort Krankenhaus" von "Udo Ludwig"
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Bewertung von Dr. med. Wagemann aus Deutsch Evern am 18.01.2009
ausgezeichnet
nahezu perfekte Schilderung des Alltag in der Krankenhaus-Medizin, leider aber auch in der (fast) aussichtslosen juristischen Verarbeitung von Alltagsfehlern.
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Bewertung von Augustin aus Stuttgart am 30.10.2008
ausgezeichnet
Schon nach dem Lesen der ersten Seiten merkt man: Hier schreibt ein Fachmann. Und zwar einer mit Sachverstand und Herz und Ausdruckskraft.
Nach diesem Buch darf niemand mehr sagen, er habe es nicht gewusst. Weiter so.
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