Soziale Ungleichheit fordert moderne Gesellschaften permanent
heraus. Der Sozialstaat kann Ungleichheiten abbauen, aber auch
verstetigen und sogar selbst erzeugen. Der vorliegende Band
untersucht am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens, wie diese
Herausforderung in zwei unterschiedlich geprägten Sozialstaaten
reflektiert und politisch aufgegriffen wurde. Die Beiträge von
Historikern und Sozialwissenschaftlern richten den Blick auf die
Problemfelder Armut, Bildungschancen und Geschlechterdifferenzen.
Sie fragen nach dem Verhältnis von Staat und Markt in der
Alterssicherung sowie nach Konzepten von Gerechtigkeit. Aktuelle
Kontroversen über die Zukunft der sozialen Sicherung und Debatten
über alte und neue Ungleichheitsmuster erhalten damit die
notwendige historische Tiefenschärfe.
Beiträge von Hans Günter Hockerts, Christiane Kuller, Lutz
Leisering, Christian Marschallek, Wilfried Rudloff, Winfried Süß,
Cornelius Torp
An eine Europäisierung des Wohlfahrtsstaates glaubt Frank Decker nach dieser Lektüre erst recht nicht mehr. Der von Hans Günter Hockerts und Winfried Süß herausgegebene Band mit Beiträgen verschiedener Historiker macht das für Decker anhand eines Vergleichs deutscher und britischer Sozialpolitik deutlich. Ausgehend von der Zunahme sozialer Ungleichheit in den OECD-Ländern bieten ihm die enthaltenen Beiträge auf hohem fachlichen- und reflexiven Niveau, wie er erklärt, einen vergleichenden Blick auf die klassischen Bereiche sozialer Sicherung sowie auf Fragen der Bildung und der Geschlechtergleichheit. Deutlich werden für den Rezensenten auf die Art nicht nur die Unterschiede der beiden Sozialstaatsmodelle (Bedürftigkeitsprinzip dort, lohnbezogene Beiträge und Leistungen hier), sondern auch die Schwierigkeit einer Annäherung.
"Die versammelten Beiträge bieten über die gewählten Schwerpunkte Armut, Bildung, Geschlechter und Gerechtigkeit ein breites Spektrum an Aspekten zur Geschichte des Sozialstaates und dies in einer äußerst kompakten Form." Andreas Weigl, Wiener Geschichtsblätter, Heft 1/2011 "Das Buch bietet auf knappem Raum sowohl solide Überblicke für ausgewählte Themenbereiche als auch Denkanstöße für die weitere Forschung." Peter Kramper in H-Soz-u-Kult
Hans Günter Hockerts, geb. 1944, Dr. phil., ist Professor für Neueste Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München.