NS-Vergangenheit, Antisemitismus und Nationalismus in Deutschland
Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit scheinen gegenwärtig auf
dem Vormarsch zu sein. Die sogenannte Neue Rechte kultiviert einen
Nationalismus, der westlicher Aufklärung wieder Formen »deutscher
Innerlichkeit« entgegenstellt, die parlamentarische Demokratie
verächtlich macht und globalpolitische Verantwortung mit
Großmachtambitionen verwechselt.
Politik und politische Bildung haben darauf bisher nicht oder nur
unzureichend reagiert. »Rechte« Ideologien sind zwar keine mentalen
»Restbestände« der Nazizeit, sondern primär ein Produkt der
Gegenwart, das sich aus Fehlentwicklungen in Staat, Wirtschaft und
Gesellschaft speist. Dennoch kann man den Rechtsextremismus im
vereinten Deutschland nur vor dem Hintergrund der wechselhaften
Geschichte dieses Landes und seiner politisch-sozialen Kultur
verstehen.
Die Beiträge des Sammelbandes behandeln die »Bewältigung« der
NS-Vergangenheit und zeigen die Gefahren für die politische Kultur
auf, die aus den gegenwärtigen antisemitischen und
nationalistischen Tendenzen erwachsen. Sie benennen aber auch
demokratische Alternativen zur Rechtsentwicklung im vereinten
Deutschland, die diesen Strömungen die Nahrung entziehen könnten.
Prof. Dr. Christoph Butterwegge leitet die Abteilung für Politikwissenschaft und ist Mitglied der Forschungsstelle für interkulturelle Studien (FiSt) an der Universität Köln.
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