Morgen komm ich später rein - Albers, Markus
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Markus Albers 

Morgen komm ich später rein

Für mehr Freiheit in der Festanstellung

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Morgen komm ich später rein

Arbeiten, wie ich es mag
Wir arbeiten hart. Wir arbeiten lang. Wir arbeiten im Büro. Freizeit ist ein exotisches Fremdwort. Dabei wissen wir ganz genau, dass uns jenseits des Alltagstrotts die besten Ideen kommen. Immer mehr Angestellte haben daher das Gefühl, außerhalb ihres Büros effizienter zu arbeiten. Recht haben sie!

Man will kaum glauben, dass wir in einer Wissensgesellschaft arbeiten, denn unsere Arbeitsstrukturen ähneln immer noch denen einer Industriegesellschaft: Abgesessene Kernarbeitszeit und exzessive Überstunden gelten als Beweis für »echtes« Engagement. Markus Albers beweist anhand vieler Beispiele, dass das nicht stimmt. Denn eine flexible und mobile Arbeitsauffassung, eine Easy Economy, ist ein Gewinn für alle. Google, SAP und die Deutsche Bank, aber auch deutsche Mittelständler zeigen, dass individuelle Gestaltungsfreiheit zu mehr Leistung führt und besserer Laune. So wird aus der Festanstellung eine Freianstellung, um in Zukunft Leben und Arbeiten harmonischer miteinander zu verbinden.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 239 S.
  • Seitenzahl: 239
  • Deutsch
  • Abmessung: 21, 5 cm
  • Gewicht: 375g
  • ISBN-13: 9783593386522
  • ISBN-10: 3593386526
  • Best.Nr.: 23846254
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.08.2008

Ende des Büros?

Gehören Sie auch zur Gattung des Bürosklaven? Jeden Tag für zehn Stunden eingepfercht im Büro, dem Zeitterror der Anwesenheitspflicht ausgesetzt? Das alles muss nicht sein, meint Markus Albers, sein Anliegen ist der Arbeitsplatz der Zukunft. Denn was die New Economy vor einem Jahrzehnt noch folgenlos versprach, werde nun in der neuen Phase telekommunikativer Entwicklung zur Realität. Auch als Angestellter sei es möglich, so die These von Albers, eine qualitativ höhere Working-Live-Balance zu erreichen. "Wir müssen uns nur trauen!", dann ist das Ende des Büros in Sicht. Die arbeitsbestimmenden Strukturen stammen noch aus der Industriegesellschaft, kein Wunder also, dass der moderne Wissensarbeiter damit nicht zurechtkommt. Die daraus resultierenden Vorurteile sind immer noch allzu präsent. Wer später kommt, zwischendurch mal einkaufen oder Rasenmähen geht, gerät unter Faulheitsverdacht. Dabei sei Faulsein nützlich, so der Autor, "Phasen des selbstbestimmten Müßiggangs sind vielmehr notwendige Voraussetzung für Kreativität". Der Büroalltag ist demnach geradezu ein Teufelskreis und "vielleicht der schlechteste Ort, um konzentriert zu …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Interessiert hat Christiane Müller-Lobeck dieses Plädoyer für "mehr Freiheit in der Festanstellung" des Journalisten Markus Albers gelesen. Gegen den "täglichen Trott von neun bis sieben", die Langeweile vor dem Computer und die Simulation von Arbeit setze der Autor auf mehr Flexibilität mit Blick auf Ort und Zeit, um das Arbeiten wieder lustvoller und effektiver zu machen. Müller-Lobeck hebt besonders Albers' Strategien hervor, "den Chef" davon zu überzeugen, dass man dank Laptop und Handy auch zu Hause, im Cafe oder auf dem Kinderspielplatz gut arbeiten kann. Sie findet in dem Buch auch eine Menge von Beispielen, die verdeutlichen, wie die strukturellen und technischen Möglichkeiten zur Verwirklichung dieser "federleichten Version des Geldverdienens" gewachsen sind.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Markus Albers erklärt, warum wir alle mehr frei haben sollten. Und wie wir das dem Chef beibringen." (Neon) "Ein sehr anregendes, witziges und provokantes Buch." (Deutschlandfunk) Morgen komm ich später rein "Albers erklärt, mit welchen Schritten Arbeitnehmer ihre Projekte von Bali oder Balkonien aus erledigen könnten, also mehr Spaß am Leben, mehr Zeit fürs Wesentliche haben." (WDR 1Live, 11.08.2008) Ende des Büros? "Albers analysiert längst überholte Arbeitsparadigmen und studiert die Möglichkeiten der 'Easy Economy'. Mit vielen Beispielen und internationalen Vergleichen zeigt er Wege aus dem 'Fron der täglichen Routine'." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2008) Heute hier, morgen dort "Albers skizziert, warum Anwesenheitspflicht und feste Arbeitszeiten überholte Modelle sind." (Wirtschaftswoche, 18.08.2008) Arbeitszeit absitzen abschaffen "Markus Albers regt Angestellte, Unternehmer und Personaler an, die neuen technologischen Möglichkeiten für produktivere und befriedigendere Arbeitsverhältnisse zu nutzen." (monster.de, 18.09.2008) Buch der Woche "Verständlich, prägnant und unterhaltsam." (Hamburger Abendblatt, 04.10.2008) Hausaufgaben "Das Buch ist gut - interessant, mit Leidenschaft geschrieben, gut recherchiert, und es hat ein klares Ziel, das in der Unterzeile formuliert ist: Für mehr Freiheit in der Festanstellung." (Die Zeit, 28.05.2009)
Markus Albers ist Politologe und Journalist. Er lebt als freier Autor in Berlin und berichtet für die Zeitschriften Vanity Fair und Monocle aus aller Welt. Zuvor schrieb er für Stern und Spiegel, das SZ-Magazin sowie die Welt am Sonntag. Zuletzt arbeitete er als geschäftsführender Redakteur der deutschen Vanity Fair. Seine eigene Arbeitsbiografie wechselte stets zwischen festen und freien Beschäftigungen, das Thema seines Buches ist damit auch ein Lebensthema.

Leseprobe zu "Morgen komm ich später rein"

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Leseprobe zu "Morgen komm ich später rein" von Markus Albers

Worum geht es in diesem Buch?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe zu viel Lebenszeit im Büro verbracht. 12-Stunden-Tage, wenn der Chef mal wieder einen Spezialauftrag hatte. Nachtschichten und Sonntage vor der Deadline. Dazu der Fron der täglichen Routine. Die Erkenntnis ist eigentlich schockierend: Ich habe den Großteil der wachen Minuten meines Erwachsenenlebens an einem Schreibtisch vor dem Computer gesessen. Vielleicht geht es Ihnen ja so wie mir - ich arbeite gern. Ich mag Kollegen, ich mag die Herausforderung eines spannenden Jobs, ich bin kein müßiggängerischer Misanthrop - oder jedenfalls nur an schlechten Tagen. Die einzige Glückstheorie, die ich gelten lasse, ist jene des Psychologen mit dem schwierigen Namen Mihaly Csikszentmihalyi, der behauptet, wir fänden unsere größte Zufriedenheit im so genannten "Flow", also dem konzentrierten Abarbeiten von Aufgaben, die wir sehr gut beherrschen, die aber doch so anspruchsvoll sind, dass wir von ihnen gefordert werden. Für mich ist das ein Zustand, den ich am häufigsten im Job erlebe. Glück hat für mich eine Menge mit Arbeit zu tun. Klingt etwas traurig? Ist laut Csikszentmihalyi aber bei den meisten Menschen so. Weshalb es in diesem Buch auch nicht darum gehen kann, nie mehr zu arbeiten. Vielleicht ein bisschen weniger. Vor allem aber: Selbstbestimmter. Flexibler. Freier. Auch als Festangestellter.

Weshalb sieht der durchschnittliche deutsche Joballtag so trist aus? Warum gehen wir immer noch jeden Tag ins Büro? Verschwenden acht, neun oder mehr Stunden unserer Lebenszeit mit Monotonie, Missmanagement und zickigen Kollegen in deprimierenden Räumen? Wir sitzen alle zu viel vor dem Monitor. Der Job frisst unsere Freizeit auf, obwohl wir wissen, dass uns die besten Ideen meist nicht bei der Arbeit kommen. Zwischen Meetings, Deadlines und purem Abwarten, bis der Chef Feierabend macht, haben viele Menschen das Gefühl, sie hätten in vier oder fünf Stunden effizienter, selbstbestimmter Zeit genauso viel leisten können. Und sie haben Recht.

Ich bin seit zwölf Jahren Journalist. Meine Erfahrungen als Freiberufler und Festangestellter zeigen mir immer wieder ein fundamentales Dilemma: Selbstständige arbeiten meist effizienter, haben mehr Freiheit, mehr Spaß, manchmal sogar mehr Geld. Bloß keine klassische Karriere. Sie lässt sich nur innerhalb von Unternehmen machen, doch wählt man diesen Weg, ist man sofort wieder in allen oben beschriebenen Ärgernissen des Büroalltags gefangen. Gespräche mit erfolgreichen aber notorisch unzufriedenen Freunden und Bekannten bestätigen den Befund. Es muss einen Mittelweg zwischen beiden Extremen geben.

Kurz vorweg: Drei Geschichten aus der Easy Economy

Wenn Uwe Schimanski einen Anruf seiner Kollegen bekommt, muss er manchmal eine Hand vom Steuer seines Segelboots nehmen. Der Mitarbeiter der deutschen IBM ist leidenschaftlicher Segler und verlegt seinen Arbeitsplatz regelmäßig auf schwankende Planken. "Durch den Freiheitsgrad meiner Arbeit kann ich mich irgendwo hinbewegen, wo mein Bötchen gerade liegt", erzählt er, "zu einem Zeitpunkt, wenn nicht die Autobahn gerade zu ist. Und dann kann ich von meinem Boot aus arbeiten, bis das Wochenende beginnt." Auch für Arztbesuche hetzt sich der 55-Jährige nicht vor Dienstbeginn ab oder muss sich eigens freinehmen: Derartige private Termine und Erledigungen plant er ganz entspannt, zu einem Zeitpunkt, wenn er wenig Zeit dafür aufwenden muss. Und wenn er morgens hört, dass zur Rush-Hour mal wieder viel Verkehr ist, fährt er einfach ein paar Stunden später zur Arbeit, "statt im Stau unnötig Zeit und Benzin zu verbrauchen". Kurz: Er teilt sich seine Anwesenheit im Büro so ein, "dass ich möglichst produktiv bin unter bester Ausnutzung der Ressourcen. Und die Familie hat auch noch was davon." Dieser scheinbar luxuriöse, für Uwe Schimanski aber ganz normale Arbeitsrhythmus macht ihn zu einem hocheffizienten und gleichzeitig extrem entspannten Mitarbeiter. Die Kehrseite der Medaille: Wenn er Urlaub hat, muss er auch erreichbar sein. Für ihn haben erst schnelles Internet, Handys mit E-Mail-Funktion und ein flexibles Arbeitsverständnis seines Unternehmens diese Emanzipation vom Büro möglich gemacht: "Die technischen Gegebenheiten hält keiner auf. Wer sie bewusst für sich einsetzt, kann nur gewinnen."

Mark Wells aus Minneapolis ist ein Riesenfan der Dave Matthews Band, einer Rock-Formation, die bekannt ist für großartige Live-Auftritte. Darum hat er schon immer versucht, seine Helden so oft wie möglich auf der Bühne zu sehen. Aber weil die Band ständig durch die USA tourt, war das früher fast unmöglich, denn Wells arbeitet in der Zentrale der größten amerikanischen Elektronikmarktkette Best Buy. Er entwickelt Online-Schulungen für Verkäufer in den Filialen, saß also den ganzen Tag am Computer. Dass er diese Arbeit im Grunde von überall aus machen konnte, änderte nichts an der Tatsache, dass er jeden Tag ins Büro musste. Doch eine Arbeitszeitrevolution namens ROWE, von der später noch zu lesen sein wird, hat sein Leben komplett umgekrempelt: Nun reist er seiner Lieblingsband quasi permanent hinterher, obwohl er genauso festangestellt ist wie zuvor. Seine Arbeit erledigt er per Laptop, seinen Schreibtisch in der Firmenzentrale sieht er fast gar nicht mehr.

Die Dänin Camilla Kring, eine Ingenieurin, die ihre Doktorarbeit über Work-Life-Balance geschrieben hat, war es gewohnt, als faul bezeichnet zu werden, weil sie morgens wenig zustande bekommt. Dann fand sie heraus, dass Wissenschaftler die Menschen in A- und B-Typen einteilen - erstere sind Frühaufsteher, letztere Morgenmuffel. Kring identifizierte sich eindeutig als B-Typ, sah die gesellschaftliche Tragweite ihres scheinbar persönlichen Problems und gründete die "B-Society", um für die Rechte der Langschläfer zu kämpfen. "Tatsächlich sind wir B-Typen genauso produktiv wie andere Menschen, nur zu unterschiedlichen Zeiten", sagt sie. Das gängige Arbeitszeitmodell stammt für sie aus der Zeit der agrarischen Gesellschaft, als Bauern den Tag früh beginnen mussten, und aus den Schichtarbeitssystemen der Industriezeit. Weil aber Landwirte und Industriearbeiter einen immer kleineren Anteil der Bevölkerung ausmachen, sollen sich nun bitte auch die Arbeitszeiten ändern. "In Dänemark gibt es viele Diskussionen darüber, dass wir eine Innovationsgesellschaft werden", so Kring. "Wenn man mit dem Kopf arbeitet, geht es aber nicht darum, wie viele Stunden man am Schreibtisch verbringt, sondern wann man am produktivsten ist und die besten Ideen hat." Auch über die B-Society werden Sie später noch mehr erfahren. Hier nur so viel: Sie ist ein Riesenerfolg.

Überall auf der Welt ist dieser Tage eine Umwälzung unserer Arbeitsfomen zu erleben, eine Neudefinition der Art wie wir Zeit und Leistung messen, ein Ende unseres Daseins als stets gestresste Schreibtischsklaven. Sie wird vorangetrieben von Menschen wie Uwe Schimanski, Mark Wells und Camilla Kring. Vielleicht gehören Sie auch bald dazu.

Begriffsklärung: Freiangestellte und Easy Economy

Mitte der neunziger Jahre, zu Zeiten der New Economy und der mit dem Internet verbundenen technischen Innovationen war uns schon einmal eine neue Art des Arbeitens versprochen worden. Jeder einzelne von uns modernen Berufstätigen sollte von nun an eine selbstgenügsame Produktionseinheit darstellen. Wir würden künftig als so genannte "Flexecutives" mobil und vernetzt sein. Wir würden unser papierloses Büro per Laptop und Handy mit uns herum tragen. Wir würden uns als digitale Nomaden von überall ins weltweite Netz und damit in die Arbeitsabläufe einklinken. Der amerikanische Wissenschaftler Nicholas Negroponte schrieb 1995 das damals visionäre und heute immer noch aktuelle Buch Total Digital am Notebook in einer einsamen Hütte auf der griechischen Insel Patmos, bevor er wieder an sein hochtechnisiertes Forschungsinstitut in den USA zurückkehrte. Ich kann mich erinnern: So wollte ich auch arbeiten.

Die Realität sah anders aus: Gerade die Programmiersklaven der Startup-Unternehmen mussten 14-Stunden-Schichten knüppeln und mit dem Schlafsack unter dem Schreibtisch schlafen, bevor ihr Unternehmen erst an die Börse und dann Pleite ging. Und wer versuchte, sich mit verheddertem Kabelsalat und den unfassbar langsamen Modems jener Zeit von unterwegs ins Internet einzuwählen und dann zusah, wie sich quälend zäh einzelne Websites auf dem kleinen Bildschirm aufbauten, wünschte sich auf der Stelle an seinen Büroschreibtisch mit schneller Internetverbindung zurück. Handys waren damals teuer, konnten kaum etwas außer telefonieren und ihre Benutzer wurden zudem als Angeber abgestempelt.

Auf den ersten Blick war also das freiere Arbeiten mit mehr Flexibilität, Individualität und in der Folge auch mehr Spaß eines jener luftigen Versprechen, die die New Economy nie einhielt. Tatsächlich steckte aber ein wahrer Kern darin, der erst mit dem technischen Fortschritt ein paar Jahre später Wirklichkeit werden konnte. So wie wir mit MySpace, Facebook und dem Web 2.0 insgesamt die Renaissance des tot geglaubten Online-Geschäftsmodells erlebt haben, so wie Amazon und Ebay tatsächlich unsere Art einzukaufen verändert haben, Spiegel-Online unsere Art Nachrichten zu lesen, E-Mail unsere Art zu kommunizieren, wie Communities und Blogs doch eine reichweitenstarke Gegenöffentlichkeit zu etablierten Medien bilden, so ist hinter unserem Rücken plötzlich auch die Arbeitsrevolution möglich geworden, die uns damals versprochen wurde.

Sechs Faktoren machen Freiangestellte und Easy Economy erst heute möglich:

Die Technik war im Jahr 2000 einfach noch nicht so weit. Heute ist sie es. Mobile, leistungsstarke Endgeräte, weit verbreitete schnelle Internetverbindungen sowie Web-basierte Workflow-Software, weltweite Dokumentenstandards und komplett digitalisierte Arbeitsabläufe emanzipieren den Arbeitnehmer immer mehr von Zeit und Raum. "Du bist die Festplatte, wir sind dein Backup", brachte es 2007 die Werbung des Herstellers Lacie für externe Speichermedien auf den Punkt. Wir haben erstmals wirklich alle notwendigen Informationen und Werkzeuge in unserem Laptop, unserem Smartphone und unserem Kopf, um von überall aus arbeiten und trotzdem Verbindung zur Firma halten zu können. Wo die technischen Möglichkeiten konsequent angewendet werden, ändert sich eben doch die Art, wie wir arbeiten und leben.

Die Kosten für die Mobilisierung und Emanzipation des Arbeitnehmers vom Büro sinken gen Null: "Eine Internet-Standleitung kostete in den Neunzigern noch vierstellige Summen pro Monat - eine gleich schnelle DSL-Leitung heute fast nichts mehr. Auf diese belastbare und günstige Web-Anbindung von Mitarbeitern habe ich zehn Jahre lang gewartet", sagt der Geschäftsführer einer Berliner Agentur im Interview in Kapitel 8. Chris Anderson, Chefredakteur der Zeitschrift Wired und Autor des Bestsellers The Long Tail hat als nächsten Trend "Free", also "Umsonst" ausgemacht: Der Preis von technischer Infrastruktur wie Bandbreite, Transistoren auf Chips und Speicher sinkt - in Relation zu ihrer Nützlichkeit - permanent so stark, dass er heute als nahezu Null betrachtet werden kann.

Unsere Berufswelt hat sich verändert: Nichtlineare Jobbiografien sind heute für viele Menschen normal. Was der Soziologe Richard Sennett 1998 noch als Problem des entwurzelten "flexiblen Menschen" kritisierte, ist heute häufig Alltag: Wir haben nicht mehr einen Job bis ans Ende unseres Lebens, wir brauchen nicht mehr nur den Beruf, um unserem Leben eine Struktur zu geben, und das ist auch gut so. Die Globalisierung ist in unserem Berufsleben zunehmend kein abstrakter Begriff mehr, sondern pragmatischer Alltag: Internationale Teams, Outsourcing sowie Kunden und Geschäftspartner aus aller Welt sorgen dafür, dass wir nachts E-Mails aus Indien bekommen oder abends Anrufe aus den USA. Mit einem klassischen 9-to-5-Arbeitstag ist das kaum zu vereinbaren.

Der zunehmende weltweite Wettbewerb motiviert Unternehmen, permamente Effizienzoptimierung zu betreiben: Wer seine Mitarbeiter per Notebook und Datenverbindung in die Freiheit entlässt, steigert Produktivität, Zufriedenheit und Flexibilität. Gleichzeitig spart er an Immobilien und Infrastruktur. Beides zusammen macht Firmen fit im Kampf gegen internationale Wettbewerber.

Die Gefahren durch Terroranschläge und Naturkatastrophen motivieren vor allem in den USA viele Unternehmen, die Krisenresistenz ihrer Produktionsprozesse zu überdenken. Zentralisierte Infrastrukturen sind anfälliger als vernetzte. Alle Arbeitsplätze und Informationen in einem Bürogebäude zu versammeln, bedeutet, dass die Produktion stillsteht, wenn hier etwas schief geht. Mitarbeiter an verschiedenen Orten arbeiten zu lassen und diese digital zu vernetzen, heißt, dass die Arbeit auch im Katastrophenfall weitergehen kann. Das mag hierzulande überängstlich wirken, wird in Amerika aber heiß diskutiert.

Die gesellschaftlichen Parameter sind verschoben: Dass Frauen heute berufstätig sind, ist weitgehend Normalität. Männer wiederum fordern mehr Teilhabe am Familienleben, wollen auch Zeit mit ihren Kindern verbringen. Deshalb ist für die meisten Paare die zentrale gemeinsame Herausforderung geworden, Familie und Job zu vereinbaren. Unser Bedürfnis nach einem Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben, der viel beschworenen Work-Life-Balance, ist insgesamt gestiegen: Wir definieren uns nicht mehr ausschließlich über beruflichen Status, sondern wollen ein in vielerlei Hinsicht erfülltes Leben haben. Der demografische Wandel und die damit beschriebene Alterung der Bevölkerung in der westlichen Welt wird zu einem zunehmend dramatischen Nachwuchskräftemangel führen. Wer künftig die besten Köpfe für sein Unternehmen gewinnen will, muss ihnen Freiheit und Flexibilität anbieten. Außerdem werden wir alle später in Rente gehen - deshalb müssen Arbeitsplätze künftig stärker altersverträglich gestaltet sein.

Inhaltsangabe

Inhalt

Vorwort
Einleitung

Worum geht es in diesem Buch?
- Kurz vorweg: Drei Geschichten aus der Easy Economy 18
- Begriffsklärung: Freiangestellte und Easy Economy 20
- Nach der Telearbeit 25
- Warum ich dieses Buch schreibe 27
- E-xecutive Summary: Das erwartet Sie 28

1 Was uns die Arbeit vermiest
- Die Effizienzkiller: Meetings, E-Mail und Telefon 31
- Das Schreibtischparadox 33
- Der tägliche Weg zur Arbeit 36
- Politisches Lobbying für Telearbeit 39

2 Burn-out und Bore-out
- Weshalb wir immer zu viel oder zu wenig zu tun haben 42
- Weniger Freiheit = mehr Stress 43
- Burn-out und Entschleu-nigung 44
- Wissensarbeiter als Extremjobber 45
- Bore-out: Ein öder Job ist auch nicht besser 47
- Der volkswirtschaftli-che Verlust durch Langeweile 48

3 Die Narkotika
- Kicker, Massage, Obstkorb: Das Feigenblatt der Incentives 50
- Das Wohlfühlbüro als Lebensersatz 51
- Eine kurze Kulturge-schichte des Büros 52
- Das hierarchische und das verspielte Büro 56
- Der Boss im Batman-Kostüm und der Pool im Büro 59
- Mehr Freiheit = höhere Motivation 61
- Fremdbestimmt = spaß-frei 63

4 Was stimmt da nicht?
- Warum der alte Arbeitstag nicht mehr funktioniert 66
- Wis-sensarbeiter brauchen Freiheit 68
- Designed in California, made in China 70

5 Wir Freiangestellten
- Reif für die Insel 72
- Die Arbeit wird flach 74
- Kollaboratives Arbeiten 76
- Virtuelle Unternehmen und Teams 79
- Die Zu-kunft der Arbeit 83
- Wie verbreitet ist die Easy Economy? 87
- Wer arbeitet in der Easy Economy? 90

6=9 Stunden
- Wie wir in weniger Zeit mehr schaffen 92
- Nicht alle Arbeit ist gleich wichtig 93
- Arbeit braucht so viel Zeit, wie für sie vor-gesehen wurde 94
- Abschalten, um produktiver zu sein 96
- Ausbruch aus dem Teufelskreis im Büro 97
- Informationsdiät und Kommunikationspausen 100

7 Mehr Geld, mehr Freizeit, mehr Glück
- In der richtigen Balance 104
- Always On 105
- Moderne No-maden und emanzipierter Jetset 107
- Die digitale Bohème 111
- Arbeit und Freizeit werden eins 114
- Die armen Millio-näre von Silicon Valley 119
- Relatives Einkommen und Zeit als Währung 121
- Mehr Freiheit im Job = weniger Stress, mehr Karriere 123

8 Mehr Kreativität und Motivation
- Zeit zum Nachdenken 126
- Freiheit als Kreativitätsmotor 126
- Kreativitätstheorien: Einsames Genie oder Interaktion? 128
- Wie die kreative Klasse die Wirtschaft prägt 131

9 Kreativzeit als Ideeninkubator
- Kreativität und Freiheit in deutschen Unternehmen 134
- Tüft-lerzeit bei Google 138
- 3M: Freiheit für Innovation 139
- Kre-ative Unordnung beim Maschinenbauer Voith 141
- Freuden-berg: Flexible Bürogestaltung 142
10 Radikal anders arbeiten
- Controller, Personaler, Manager: Aufgepasst! 145
- Die Ar-beitsplatzrevolution 145
- Entlohnung nach Leistung statt nach Zeit 149
- Ein Erfolgsrezept? Die Zahlen 151
- Wissen-schaftler sind begeistert 152

11 Die Easy Economy in Deutschland
- Das Paradebeispiel 154
- War for talents 159
- Wie Unter-nehmen für Wissensarbeiter attraktiv werden 161
- Wie die Generationen Y und Z arbeiten 165
- Zufriedene Mitarbeiter dank elektronischer Kollaboration 168
- Flexibilität und kultu-relle Hürden 170
- Tarifverträge und gesetzliche Regelungen 171
- Moderne Unternehmenskultur über Generationen hin-weg 173
- Freiheit auch für Führungskräfte 175
- Die Easy Economy in der Verwaltung 177

12 Der Arbeitsplatz der Zukunft
- Wozu brauchen wir überhaupt noch Büros? 179
- Die neuen deutschen Büropioniere 184
- Wissensmanagement und Glo-balisierung 184
- Effizienter Workflow und weniger Meetings 186
- Das Zukunftslabor 188

13 Die Easy Economy in der Praxis
- Flexibel werden, aber auf die Gefahren achten 193
- Die po-tenziellen Nachteile der Easy Economy 194
- Drei Manage-menttheorien: MBO, Mobile-Work, ROWE 199
- Sich vom Schreibtisch befreien 206
- Bessere Technik = weniger Tech-nik 210
- Mobiles Arbeiten - die Zahlen 215

14 Anleitung zum Freisein in der Festanstellung
- Trauen Sie sich! 219
- Was die Experten empfehlen 224
- Wie es als nächstes weitergeht 228
- So viel Zeit - was tun damit? 230
- Und jetzt? 234
Dank

Literatur

Videoclip zu "Morgen komm ich später rein"

8 Marktplatz-Angebote für "Morgen komm ich später rein" ab EUR 4,50

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