Die Medizinethik der DDR ist keineswegs ein abgeschlossenes
Kapitel, denn ihre Inhalte wirken bis in die Gegenwart. In der
medizinethischen Kultur eines sozialistischen Gesundheitswesens
haben sich beim ärztlichen und pflegerischen Personal, aber auch
bei vielen Patientinnen und Patienten spezifische Mentalitäten und
Werthaltungen herausgebildet. Medizin- und bioethisch brisante
Fragestellungen, wie beispielsweise die um den moralischen Status
von Embryonen, werden daher im Osten Deutschlands anders
wahrgenommen, bewertet und diskutiert als im Westen. Was aber
kennzeichnete die medizinische Ethik in der DDR und welche
Besonderheiten gab es? Wie gestalteten sich die Ethikdiskussionen
und das Arzt-Schwester-Patient-Verhältnis unter dem machtvollen
Einfluss des Staates und seiner Ideologie? Wie wurden in der Praxis
unter den Bedingungen permanenten ökonomischen Mangels
medizinethische Probleme gelöst? Diesen und weiteren Fragen gehen
die Autorinnen und Autoren, die in der DDR und in
der Bundesrepublik in den Bereichen Medizinethik,
Medizingeschichte, praktische Philosophie sowie in einigen
klinischen Fächern gewirkt haben, nach.