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Lust ohne Last
Geschichte der Empfängnisverhütung
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Beck
- 2003
- Ausstattung/Bilder: 2003. 366 S. m. Abb.
- Seitenzahl: 368
- Beck'sche Reihe Bd.1511
- Deutsch
- Abmessung: 194mm x 126mm x 25mm
- Gewicht: 350g
- ISBN-13: 9783406494307
- ISBN-10: 3406494307
- Best.Nr.: 11352944
Produktbeschreibung zu "Lust ohne Last"
Beschreibung
Wie sind unsere Vorfahren mit Empfängnisverhütung umgegangen, und wie haben sich Techniken und Moralvorstellungen, die heute noch aktuell sind, entwickelt? Das Buch verfolgt diese Fragen von der Antike biszur Gegenwart und wirft darüber hinaus noch einen Blick in die Zukunft. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem neuzeitlichen Europa, daneben werden aber auch unterschiedliche Kulturkreise (Europa, Amerika, China, Indien) und Weltreligionen (Christentum, Judentum, Islam) wie auch zentrale demographische und bevölkerungspolitische Aspekte berücksichtigt.
Detailinfo
24.11.2003
Vater werden ist nicht schwer, muß aber nicht
sein
Safer sex damals und heute: Robert Jüttes hygienische
Geschichte der Empfängnisverhütung
Am Anfang der Lust war nicht die Pille, sondern das
Schaffellkondom. Der Medizinhistoriker Robert Jütte weist dem
Pfarrer Thomas Robert Malthus in seiner Geschichte der
Empfängnisverhütung zu Recht eine zentrale Stelle zu. Menschen, so
sah Malthus, pflanzen sich viel schneller fort, als sie ihren
Nahrungsspielraum erweitern können. Nur Hunger, Kriege und Seuchen
bewirken ein grausames Gleichgewicht. Malthus verwarf deshalb jede
Form von Armenfürsorge. Sie würde das Bevölkerungswachstum nur
anheizen und den Staat schwächen. Er übertrug damit die ökonomische
Rationalität der Familienplanung auf den Staatskörper. Und
formulierte damit so etwas wie die Theologie der säkularisierten
Gesellschaft. Die Befürworter von Geburtenkontrolle aus politischen
und wirtschaftlichen Gründen nennen sich noch heute
Neo-Malthusianer.
Die Kulturtechnik Empfängnisverhütung schneidet also zutiefst in
unser menschliches Selbstverständnis ein. Jüttes Buch geht deshalb
weit über eine bloße Aufzählung …
17.05.2003
Listige Lust
Robert Jütte über die Geschichte
der Empfängnisverhütung
Kaum zu fassen, aber „laut einer Umfrage aus dem Jahr 2001 glauben einige wenige junge Engländerinnen immer noch daran, dass das Schließen der Augen beim Geschlechtsverkehr vor einer Schwangerschaft schützt”. Auch wenn es nur eine für die Statistik unwichtige Minderheit ist, so zeigt es, dass trotz der gewaltigen Aufklärungskampagnen über moderne Verhütungsmethoden, noch längst nicht alle Frauen eingeweiht sind, dass es nicht der Storch ist, der die Babys bringt.
Seit den 1960er Jahren leben die Frauen mehr oder weniger selbst verständlich und routiniert mit der Pille, wenngleich diese im Zeitalter von AIDS längst nicht mehr überall und in allen Altersgruppen das Verhütungsmittel Nummer eins ist und sich das Misstrauen gegenüber der Gesundheitsschädigung durch die tägliche Hormonzufuhr bis heute nicht gelegt hat. Nur schemenhaft erinnern wir uns noch, wie sehr in der Adenauer Zeit das Thema Sex und Verhütung tabuisiert war, wie Oswald Kolle mit seinen Helga- Filmen die Erwachsenen und vor allem die halb Erwachsenen in Wallung brachte. Geradezu …
17.05.2003
Auch lange vor der Pille war "Lust ohne Last" angesagt,
Empfängnisverhütung also ein wichtiges Thema. Wie mit der
Problematik der Geburtenkontrolle in den vergangenen zweitausend
Jahren umgegangen wurde, kann man nun in Robert Jüttes
"Geschichte der Empfängnisverhütung" nachlesen, berichtet
Rezensentin Franziska Sperr. Der Medizinhistoriker hat laut Sperr
eine enorme Zahl von Quellen von der Antike bis zur Gegenwart, die
sich mit Fragen zu Moralvorstellungen und Verhütungstechniken
befassen, ausgewertet. Vom coitus interruptus, über mehr oder eher
weniger sichere Stellungen mit kontrazeptiver Auswirkung und
mechanisch technischen Hilfsmitteln, bis hin zur Kastration als
extremste Form der Empfängnisverhütung reiche dabei das bunte
Spektrum von Verhütungstechniken, die Jütte vor Augen führe.
Angesichts der "fleißigen historischen Recherchen" Jüttes
verkündet Sperr abschließend eine leicht abgewandelte
Binsenweisheit: "Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein
dagegen sehr."
© Perlentaucher Medien GmbH
Autorenporträt zu "Robert Jütte"
Robert Jütte ist Professor für Neuere Geschichte und Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch Stiftung (Stuttgart). Seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozialgeschichte der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte sowie die Alltags- und Kulturgeschichte der frühen Neuzeit. Er gehört zu den bedeutendsten Kulturwissenschaftlern, die sich in Deutschland mit sexualwissenschaftlichen Themen beschäftigen. Die Bandbreite seiner zahlreichen Publikationen kreist um Sexualität, die Geschichte jüdischer Wissenschaft in Deutschland, Homöopathie und alternative Medizin. Neben verschiedenenen Zeitschriften gibt er zudem die kritische Edition der Krankenjournale Samuel Hahnemanns heraus.
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