Krieg und Affekt - Butler, Judith

Judith Butler 

Krieg und Affekt

Herausgeber: Mohrmann, Judith; Redecker, Eva von; Rebentisch, Juliane
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Krieg und Affekt

Krieg, Medien und Affekte
In zwei Essays und einem Interview beschäftigt sich Judith Butler mit der Rolle der Medien und besonders der US-Kriegsberichterstattung in den gegenwärtig geführten Kriegen. Im Zentrum stehen der Irakkrieg und das US-Gefangenenlager in Guantanamo. Butler konstatiert, dass die moralische Verabscheuung von Tötungen und Gewalt von bestimmten Umständen abzuhängen scheint - die entsprechenden Reaktionen unterscheiden sich je nachdem, ob die ausgeübte Gewalt staatlich sanktioniert ist (wie im Krieg) oder nicht (etwa bei Attentaten). Nicht nur moralische Regungen, die Konstitution von Affekten überhaupt wird von Deutungsmustern bestimmt. Professionell befasst mit der Herausbildung derartiger Deutungsmuster aber sind die Medien. In Zeiten des Krieges sehen Teile der Medien es als ihre Aufgabe, das Bild der Überlebensfähigkeit der Nation zu sichern. Die eigene Destruktivität wird als gerecht, die Möglichkeit der eigenen Zerstörung hingegen als undenkbar dargestellt. In dieser Perspektive erscheinen einige Leben als nennens- und schützenswerter als andere. Hier geht es um die Wahrnehmung - und damit um nichts Geringeres als um das Leben - ganzer Bevölkerungen. Wie welches Leben wie präsentiert und repräsentiert wird, hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, mit welchen Affekten wir, im Krieg wie im Frieden, die prinzipielle Gefährdetheit des Lebens begreifen.


Produktinformation

  • Verlag: Diaphanes
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 64 S.
  • Seitenzahl: 99
  • Transpositionen Bd.284
  • Deutsch
  • Abmessung: 161mm x 111mm x 12mm
  • Gewicht: 88g
  • ISBN-13: 9783037340790
  • ISBN-10: 3037340797
  • Best.Nr.: 25906228

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Leise lobt Rezensent Christopher Strunz das neue Buch von Judith Butler. Eine "andere und komplizierte Protestsprache zu entwickeln" beschreibt er das Unternehmen des Buches, sowie anhand der "feministischen Körperpolitik" die Mediendiskurse und Deutungsmuster der Kriegsberichterstattung zu untersuchen. Sympathisch ist ihm an diesem Ansatz vor allem die Definition, dass bereits die kritische "Lektüre" der massenmedialen Sprache" politisches Handeln sei. Auch unterschreibt er die "alte pazifistische Forderung" des Buchs, den "von vielen Theoretikern verworfenen Begriff des Menschen" wiederzubeleben, und nimmt Judith Butler vor dem Vorwurf in Schutz, sie würde aus "demokratischem Ethos" heraus einfach nur "menscheln". Nein, sagt Strunz, man habe es hier mit einer kleinen Utopie zu tun.

© Perlentaucher Medien GmbH

Judith Butler (*1956) ist Professorin für Rhetorik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of California in Berkeley. Auf Deutsch ist zuletzt erschienen: "Kritik der ethischen Gewalt" (Frankfurt a.M. 2003), "Gefährdetes Leben" (Frankfurt a.M. 2005) und bei diaphanes gemeinsam mit Gayatri Chakravorty Spivak "Sprache, Politik, Zugehörigkeit" (Zürich-Berlin 2007).
Judith Butler, geb. 1956, ist Professorin für Rhetorik und Komparatistik an der University of California, Berkeley. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart und gilt als wichtigste Theoretikerin der Geschlechterforschung und Begründerin der Queer Theory.
2012 wird Judith Butler mit dem Theodor W. Adorno-Preis ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Krieg und Affekt" von Judith Butler

In zwei Essays und einem Interview beschäftigt sich Judith Butler mit der Rolle der Medien und besonders der US-Kriegsberichterstattung in den gegenwärtig geführten Kriegen. Im Zentrum stehen der Irakkrieg und das US-Gefangenenlager in Guantanamo. Butler konstatiert, dass die moralische Verabscheuung von Tötungen und Gewalt von bestimmten Umständen abzuhängen scheint - die entsprechenden Reaktionen unterscheiden sich je nachdem, ob die ausgeübte Gewalt staatlich sanktioniert ist (wie im Krieg) oder nicht (etwa bei Attentaten). Nicht nur moralische Regungen, die Konstitution von Affekten überhaupt wird von Deutungsmustern bestimmt. Professionell befasst mit der Herausbildung derartiger Deutungsmuster aber sind die Medien. In Zeiten des Krieges sehen Teile der Medien es als ihre Aufgabe, das Bild der Überlebensfähigkeit der Nation zu sichern. Die eigene Destruktivität wird als gerecht, die Möglichkeit der eigenen Zerstörung hingegen als undenkbar dargestellt. In dieser Perspektive erscheinen einige Leben als nennens- und schützenswerter als andere. Hier geht es um die Wahrnehmung - und damit um nichts Geringeres als um das Leben - ganzer Bevölkerungen. Wie welches Leben wie präsentiert und repräsentiert wird, hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, mit welchen Affekten wir, im Krieg wie im Frieden, die prinzipielle Gefährdetheit des Lebens begreifen."Aufgabe demokratischer Politik bleibt es, den Zustand der Gefährdetheit auf egalitäre Weise zu verringern. Krieg dagegen ist gerade das Bemühen, Gefährdetheit für einige zu minimieren und für andere zu maximieren."

Inhaltsangabe

In zwei Essays und einem Interview beschä
ftigt sich Judith Butler mit der Rolle der Medien und besonders der US-Kriegsberichterstattung in den gegenwä
rtig gefü
hrten Kriegen. Im Zentrum stehen der Irakkrieg und das US-Gefangenenlager in Guantanamo. Butler konstatiert, dass die moralische Verabscheuung von Tö
tungen und Gewalt von bestimmten Umstä
nden abzuhä
ngen scheint - die entsprechenden Reaktionen unterscheiden sich je nachdem, ob die ausgeü
bte Gewalt staatlich sanktioniert ist (wie im Krieg) oder nicht (etwa bei Attentaten). Nicht nur moralische Regungen, die Konstitution von Affekten ü
berhaupt wird von Deutungsmustern bestimmt. Professionell befasst mit der Herausbildung derartiger Deutungsmuster aber sind die Medien. In Zeiten des Krieges sehen Teile der Medien es als ihre Aufgabe, das Bild der Ü
berlebensfä
higkeit der Nation zu sichern. Die eigene Destruktivitä
t wird als gerecht, die Mö
glichkeit der eigenen Zerstö
rung hingegen als undenkbar dargestellt. In dieser Perspektive erscheinen einige Leben als nennens- und schü
tzenswerter als andere. Hier geht es um die Wahrnehmung - und damit um nichts Geringeres als um das Leben - ganzer Bevö
lkerungen. Wie welches Leben wie prä
sentiert und reprä
sentiert wird, hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, mit welchen Affekten wir, im Krieg wie im Frieden, die prinzipielle Gefä
hrdetheit des Lebens begreifen.
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