Japan ist für die meisten Europäer nur in Extremen vorstellbar: in
der Perfektion seiner Industrieprodukte, der Kameras,
Fernsehgeräte, Computer und Autos; andererseits als das Land der
Geishas und der Samurai selbst wenn man sie inzwischen in einem
Schritt zur Realität schon mehr als Figuren der Unterhaltungsmedien
sehen sollte. Die japanischen Menschen von heute, die in Japan
leben und all das produzieren, sind anscheinend überaus schwer zu
verstehen. Dieses Buch nimmt sie gewissermaßen auseinander und
zeigt die Bauteile: ihr Bewußtsein von prägenden
Geschichtsperioden, auch und gerade im Verhältnis zu den
asiatischen Nachbarn; den kollektiven Glauben an buddhistische und
shintoistische Götter, die in jedem Menschen erstaunlich
leichtgewichtig, aber doch ständig präsent sind; es erklärt den
Kaiser als zeitlose Vaterfigur; nicht zuletzt seziert es die
irrational-komplexe Sprache als wichtigstes Bindeelement.
Schließlich fügen sich die Teile als zwar wunderbar , aber doch
nicht mehr ganz so rätselhaft wieder zusammen.
Dierk Stuckenschmidt, Jahrgang 1939, hat als Universitätslektor und als Leiter des Tokyoter DAAD-Büros lange Jahre in Japan gelebt. 1976 gründete er die Deutsch-Japanische Gesellschaft Bonn. Im selben Jahr erschien sein erster Japanführer ("Reisen und Leben in Japan"), 1988 dann seine Einführung in die japanische Kultur ("Japan mit der Seele suchen"). Seitdem sind zahlreiche weitere Bücher, hauptsächlich mit Japan-Bezug, von ihm erschienen. Seit einigen Jahren plant und organisiert er regelmäßig Studienreisen nach Japan.