Geschichte der Melancholiebehandlung - Starobinski, Jean

Jean Starobinski 

Geschichte der Melancholiebehandlung

Herausgegeben von Wild, Cornelia
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Produktbeschreibung zu Geschichte der Melancholiebehandlung

Dass Melancholie eine Geschichte hat, die immer auch eine Geschichte ihrer Therapie und somit ihrer Überwindung ist, wird meist vergessen. Seit der Antike im Zwischenraum der Episteme angesiedelt, schwankt sie zwischen Passionen, Todsünden, Krankheit, Wahnsinn und Literatur. Mit seiner Melancholie-Studie an den Grenzen der Diskurse schreibt Starobinski darum moderne Epistemologie: Die Geschichte der Melancholiebehandlung erweist sich als Geschichte des Entzugs.

Produktinformation

  • Abmessung: 181mm x 116mm x 14mm
  • Gewicht: 220g
  • ISBN-13: 9783941360099
  • ISBN-10: 3941360094
  • Best.Nr.: 33701483
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.11.2011

Die schwarze Galle verfolgte die Ärzte noch lang
Von den falschen Säften zu den wahnhaften Ideen: Jean Starobinskis "Geschichte der Melancholiebehandlung"

In seinen "Rhapsodien über die Anwendung der psychischen Curmethode auf Geisteszerrüttungen" beschreibt der Psychiater Johann Christian Reil 1803 eine therapeutische Methode, bei der ein bizarres Musikinstrument zum Einsatz kommt: "Die Thiere waren nach der Tonleiter ausgesucht, in eine Reihe mit rückwärts gekehrten Schwänzen geordnet; auf dieselben fiel eine mit scharfen Nägeln versehene Tastatur. Die getroffene Katze gab ihren Ton. Eine Fuge auf diesem Instrument, zumal wenn der Kranke so gestellt wird, dass er die Physiognomie und das Geberdenspiel dieser Thiere nicht verliert, müsste selbst Loth's Weib von ihrer Starrsucht zur Besonnenheit gebracht haben." Die Verwendung des Katzenklaviers, die den Melancholiker seiner schwarzen Gedankenwelt entreißen soll, ist nur eine von vielen kuriosen Behandlungsmethoden, die Jean Starobinski in seiner - erstmals 1960 in einer kleinen, vom Pharmakonzern Geigy gesponserten Schriftenreihe publizierten - medizinischen Dissertation über die Geschichte …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Der Rezensent begrüßt den Versuch, Jean Starobinskis medizinhistorische und humanwissenschaftliche Arbeiten aus dem Schatten seiner philosophischen Studien zu befreien. Starobinskis methodologische Unbefangenheit, seine Neigung zu Querbezügen, findet Andreas Mayer durchaus originell, wie etwa das in diesem Band enthaltene Kapitel über musikalische Therapieverfahren in der Melancholiebehandlung. Wie auch Starobinskis Verzicht auf große Thesen deutet Mayer es als Bescheidenheit und Unterscheidungsmerkmal (im Vergleich etwa zu Foucault). Ungehalten macht ihn, dass die vorliegende Überarbeitung der alten, von Johannes Oeschger besorgten Übersetzung durch Cornelia Wild die subtilen Ansätze und stilistischen Besonderheiten des Autors eher verwischt denn getreu abbildet. Für künftige Ausgaben wünscht er sich dringend einen weniger sorglosen und weniger sinnentstellenden Umgang mit diesem Autor.

© Perlentaucher Medien GmbH
Jean Starobinski studierte Medizin und Literaturwissenschaft und war bis zu seiner Emeritierung Professor für die Geschichte der französischen Literatur, für Ideengeschichte und Medizingeschichte an der Universität Genf.
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