"Früher war hier das Ende der Welt" - Klenk, Florian

Florian Klenk 

"Früher war hier das Ende der Welt"

Reportagen

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"Früher war hier das Ende der Welt"

General Terekov steht an der Schranke des Lagers Pavshino, fünf Autostunden von Wien entfernt, im Ländereck der Slowakei, Ungarn und der Ukraine und beobachtet für 150 Euro im Monat seine Schützlinge. Auf einem stacheldrahtumzäunten Feld spielen Inder gegen Pakistani Kricket. Seit der Ausweitung der Schengengrenze 2007 ist es ein Auffanglager für jene, die bei dem Versuch, illegal in den EU-Raum zu gelangen, geschnappt wurden. Florian Klenk berichtet, lakonisch und immer hart am Thema, von Kriegsflüchtlingen, internationalem Mädchenhandel oder von den Methoden verdeckter Drogenermittler. Seine investigativen Reportagen gehen an die Grenze des Vorstellbaren.


Produktinformation

  • Verlag: Zsolnay
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 172 S.
  • Seitenzahl: 172
  • Best.Nr. des Verlages: 551/05528
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 133mm x 23mm
  • Gewicht: 300g
  • ISBN-13: 9783552055285
  • ISBN-10: 3552055282
  • Best.Nr.: 32525595

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Karl-Markus Gauß würdigt den Investigativreporter Florian Klenk als herausragende österreichische "Institution", der in seinen wöchentlichen Reportagen für den Wiener "Falter" in seinen Augen nichts weniger als ein Bollwerk der "demokratischen Gesellschaft" darstellt. Dreizehn seiner wichtigsten Reportagen sind nun in diesem Band versammelt und der Rezensent ist ziemlich erschüttert ob der Beispiele menschenverachtenden Verhaltens von Staatsorganen oder Presse, die der Autor hier aufdeckt. Dabei bringt Klenk seine Berichte vom Umgang mit illegalen Einwanderern oder der Erschießung eines 14-jährigen Einbrechers in vermeintlicher Notwehr durch einen Polizisten in gemessenem Ton wenn auch nicht unberührt vor, stellt Gauß eingenommen fest. Dass sich der Autor dabei auch noch stilsicher zeigt und es sich verkneift, seine Leser explizit auf die Moral seiner unglaublichen Enthüllungen zu stoßen, lobt der Rezensent besonders.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.11.2011

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Frau Kovach trägt Schwarz. Ein ungarischer Verwandter ist gestorben, und natürlich möchte sie beim Begräbnis dabei sein. Dreihundert Kilometer sind es von der ukrainischen Stadt Uzghorod bis nach Budapest. Früher, vor der Ost-Erweiterung der EU, kein Problem. Doch seit sich die Grenzen verschoben haben, wird eine solche Fahrt zum Ding der Unmöglichkeit. Frau Kovach müsse die Dokumente des Toten vorlegen, heißt es, eine Gehaltsbestätigung, eine Vermögensaufstellung und ein Leumundszeugnis, um von der Ukraine nach Ungarn reisen zu dürfen. Unmöglich, so viele Papiere noch vor der Beerdigung beizubringen. Von Geschichten im Schatten des Schlagbalkens erzählen die sechzehn politischen Reportagen des Wiener Journalisten Florian Klenk. Aus der Beschreibung verschiedener Einzelschicksale wachsen differenzierte Dokumentationen, die viele Farben kennen, nicht allein das Schwarzweiß der Medien- und Polizeiberichte. Da ist Irina aus Moskau, die in Berlin das schnelle Geld als Callgirl sucht und sich geknebelt in einem Hotelzimmer wiederfindet. Da sind die Pakistani, die in ihren Gummisandalen durch den Morast eines ukrainischen …

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Florian Klenk ist eine österreichische Institution. Der 1973 geborene Wiener ist der wichtigste investigative Reporter des Landes. Er recherchiert dort, wo die Akten amtlich bereits geschlossen wurden oder gar nie eine Untersuchung stattgefunden hat. Weil er seine Arbeit, so empörend die Dinge sind, von denen er berichtet, seriös und ohne das Beiwerk eitler Selbstinszenierung angeht, setzen längst auch jene Beamten der Polizei und Justiz auf ihn, die sich weder mit dem kleinen Gewaltexzess im Dienst noch mit der großen, von oben gedeckten Korruption abfinden möchten. So erhält er auch Informationen zugespielt, die behördlich unter Verschluss stehen, und Hinweise auf vertuschte Ereignisse, denen er mit peniblem Eifer nachgeht. Es ist eine geradezu patriotische Arbeit, die der Reporter Woche für Woche in der Wiener Stadtzeitung Falter tut, und was er schreibt, wirkt weit über den Leserkreis dieser Zeitung hinaus.
Nun hat Klenk 16 seiner besten Reportagen als Buch vorgelegt, und die Lektüre erweist ihn nicht nur als der „Aufdecker“, als der er bekannt ist, …

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"Es schadet nicht, sich ab und an ein paar moralische Standards in Erinnerung zu rufen. In Florian Klenks Buch stehen die Geschichten dazu, die sonst kaum erzählt werden oder schon wieder vergessen sind." Beatrix Novy, WDR, Gutenbergs Welt, 06.03.2011
"Florian Klenk hat genau hingeschaut, nachgefragt und zugehört. Und er hat darüber geschrieben. Ohne moralisierenden Ton und ohne erhobenen Zeigefinger, nüchtern und unprätentiös, plastisch und eindringlich. Wie Mosaiksteine fügen sich die Berichte von Schauplätzen wie Ebensee, der Jugendstrafanstalt Gerasdorf bis hin zu den Elendsquartieren für Afrikaner in Wien zu einem Sittenbild des Landes." Kristina Pfoser, Ö1, 07.03.2011
"Hart an der Schmerzgrenze die glänzenden Reportagen Florian Klenks." Georg Renöckl, Neue Zürcher Zeitung, 05.05.2011
"Mit Klenk lebt die Tradition der großen Reportagen fort. Er bleibt dort dran, wo andere lieber wegschauen und bestenfalls in liberalen Unverbindlichkeiten verharren." Michael Freund, Der Standard, 21.05.2011
"Wenn Klenk über die 'mörderische Getriebenheit' des österreichischen 'Hyänenjournalismus', den Sextourismus in Tschechien oder von ausländerfreien Kärntner Gemeinden schreibt, lässt er Fakten und rechte Protagonisten für sich sprechen. Das angewandte Wissen, dass Zitate oft bedrohlicher als der Zeigefinger wirken, ist eine weitere Stärke seines engagierten Journalismus." Astrid Kaminski, Berliner Zeitung, 14.07.2011
"Florian Klenk prangert eine Boulevardpresse an, die schamlos Schicksale ausbeutet, ohne Persönlichkeitsrechte zu achten. Er will die Schattenseite einer offenen, rechtsstaatlichen Gesellschaft aufdecken - nach dem Vorbild von Egon Erwin Kisch." Klaus Harpprecht, Deutschlandradio, 13.11.2011
"Seine Reportagen sind Akte literarischer Notwehr, mit der eine demokratische Gesellschaft gegen ihre Selbstzerstörung aufbegehrt. Florian Klenk ist mehr als eine österreichische Institution, er ist eine Notwendigkeit". Karl-Markus Gauß, Süddeutsche Zeitung, 24.11.2011

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