Miro Sabanovic ist elf Jahre alt, als er mit seiner Familie aus dem
bosnischen Bürgerkrieg nach Berlin kommt. Das ist 1992. Knapp zehn
Jahre später, am 14. August 2001, wird er abgeschoben nach einem
Leben auf dem Strich, nach einer typischen Drogenkarriere, nach
zahlreichen Jugendstrafen. Es war ein kurzes Leben am Bahnhof Zoo,
das er in seiner Abschiebehaft zu Papier gebracht, das sein
Betreuer Hans Peter Hauschild zu diesem Buch gemacht hat: Und es
entspricht so gar nicht dem Klischee, das Christiane F. und die
Kinder vom Bahnhof Zoo vor 30 Jahren geprägt haben. Für Miro ist
das Stricherleben nicht das Ende eines langen Abstiegs, sondern die
schönste Zeit seines Lebens.In der bosnischen Heimat war Miro von
den Eltern zum Dieb erzogen und körperlich misshandelt worden. In
Berlin erlebt er so etwas Freiheit und sogar die Zuneigung seiner
Freier. Aber einerseits kann er sich auch in Deutschland nicht aus
dem Bannkreis der Familie, seiner eigenen kriminellen Laufbahn
befreien. Und
andererseits er hat seine Rechnung ohne die Ausländerbehörden
gemacht.Auch Miros Geschichte ruft Klischeevorstellungen vom Leben
der Roma oder vom Verhältnis deutscher Freier zu den Exoten auf dem
Fleischmarkt hervor. Doch die Form der «Oral History», so Hans
Peter Hauschild in seinem ausführlichen Nachwort, gelangt zu einer
differenzierten Sicht auf das Einzelne jenseits von Klischees und
Vorurteilen:"Miros Jungenleben ist randvoll mit extremen
humanitären Härten, die bei ihrer bloßen Nennung eigentlich jedes
Herz zum Schmelzen bringen müssten. Dass er dennoch keine
Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland bekam, liegt auch an den
Härten, die er selbst seinen Mitmenschen zufügt. Denn Miro, das
Opfer, ist bei Gott kein Engel, sondern eine Zumutung, eine
Frechheit auf zwei Beinen."
Hans Peter Hauschild wurde 1954 geboren, engagierte sich als Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe und in der Flüchtlingsarbeit von «Pax Christi». Der Kulturwissenschaftler starb im August 2003 an den Folgen von Aids.
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