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Immer, wenn Wahlen bevorstehen, folgt der gleiche Reflex: Die Parteien versprechen das Blaue vom Himmel, und die Menschen wollen es glauben. Dies hat in Deutschland System, und es führt nicht nur dazu, dass keine echten Reformen mehr möglich sind: Die Demokratie droht sich selbst zu zerstören Politiker sind allzu oft von Eigennutz getrieben und streben vor allem nach Machterhalt. Zurecht fordern die Bürger von ihnen mehr Verantwortung. Doch fürs eigene Handeln scheint dies nicht zu gelten. Sie wollen länger im Wohlstand leben, aber weniger arbeiten; sie wollen Mindestlöhne, und gehen gieri…mehr

Produktbeschreibung

Immer, wenn Wahlen bevorstehen, folgt der gleiche Reflex: Die Parteien versprechen das Blaue vom Himmel, und die Menschen wollen es glauben. Dies hat in Deutschland System, und es führt nicht nur dazu, dass keine echten Reformen mehr möglich sind: Die Demokratie droht sich selbst zu zerstören. Politiker sind allzu oft von Eigennutz getrieben und streben vor allem nach Machterhalt. Zurecht fordern die Bürger von ihnen mehr Verantwortung. Doch fürs eigene Handeln scheint dies nicht zu gelten. Sie wollen länger im Wohlstand leben, aber weniger arbeiten; sie wollen Mindestlöhne, und gehen gierig auf Schnäppchenjagd. Die verlogene Gesellschaft hat jedes Augenmaß verloren. In diesem Buch hält Oswald Metzger der Politik, aber auch dem mündigen Bürger den Spiegel vor. Aufgrund langjähriger Erfahrungen im Politikbetrieb und anhand vieler Beispiele zeigt Metzger, dass es fast unmöglich geworden ist, in Deutschland notwendige Veränderungen durchzusetzen: weil in den Parteien der Opportunismus regiert und die Bürger unbequeme Wahrheiten gar nicht erst hören wollen. Eine furiose Kritik an der herrschenden demokratischen Kultur - und ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Verantwortungsgefühl und Augenmaß in der Politik.
  • Produktdetails
  • Rowohlt Sachbuch
  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • Neuausg.
  • Seitenzahl: 221
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: Neuausg. 2009. 221 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 140mm
  • Gewicht: 294g
  • ISBN-13: 9783871346248
  • ISBN-10: 3871346241
  • Best.Nr.: 25573041

Autorenporträt

Oswald Metzger, geboren 1954, studierte Jura und arbeitete acht Jahre lang als angestellter Geschäftsführer. Er engagiert sich seit mehr als dreißig Jahren in der Politik - seit 1987 als Mitglied der Grünen. Er gehörte von 1994 bis 2002 dem Deutschen Bundestag an, war Mitglied des Haushaltsausschusses und haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Fortan arbeitete Metzger als Publizist und Politikberater, u.a. als "Distinguished Fellow" des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, 2006 wurde er für die Grünen in den baden-württembergischen Landtag gewählt und war dort finanzpolitischer Sprecher. Im Streit um das Thema Grundeinkommen trat Metzger 2007 aus seiner Partei aus und legte sein Mandat nieder. Seit April 2008 ist er Mitglied der CDU.

Rezensionen

Besprechung von 11.07.2009
Warum Bürger keine Wahrheit wollen
Oswald Metzger ist ein arroganter, selbstgerechter, geltungssüchtiger Politiker, der vor allem eines beherrscht: den Wirbel um die eigene Person. So sehen das viele im Politik- und Medienbetrieb, und sie sind der Belehrungen des selbsternannten Muster-Politikers leid. Wer so denkt, wird Metzgers neues Buch Die verlogene Gesellschaft gar nicht erst zur Hand nehmen, dessen Cover, natürlich, ein Foto des Autors ziert.
Metzger zu ignorieren, ist aber ein großer Fehler. Der 54-Jährige ist einer der Kenner der deutschen Wirtschaftspolitik, er hält den Akteuren – also auch sich selbst – den Spiegel vor: Das ist schon ein Wert für sich. Sein Buch unterscheidet sich wohltuend von jenen anderer Politiker, die in diesem Wahljahr bereits auf den Markt gekommen sind und die einen Verschnitt von Wahlkampfreden und Parteikonzepten in bester Blumigkeit bieten und damit ermüden.
Metzger gräbt tiefer. Doch auch seine Welt ist übersichtlich, und sie dreht sich im Kreis: Politiker sind demnach Opportunisten, die – häufig sehr bewusst – Versprechen machen, die sie nicht einhalten. Journalisten kleben ihnen an den Rockschößen und ergeben sich der Häppcheninformation und dem Infotainment. Die Bürger wiederum wollen unbequeme Wahrheiten nicht hören, meint Metzger und bringt dafür zahlreiche Beispiele. In dem flott geschriebenen Buch unterfüttert er diese Thesen und hat neben der Politik auch die Gesellschaft im Blick. Gleich zu Beginn fragt Metzger „Wie viel Ehrlichkeit verträgt die Politik?” Dass er mit dem Wortbruch der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti beginnt, die 2008 erst jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen hatte, um genau diese dann doch zu suchen, weil sie um jeden Preis Ministerpräsidentin werden wollte, ist ein wenig billig, weil der Verrat hier zu offensichtlich und vieldiskutiert ist.
Das merkt auch Metzger, weshalb er im Folgenden die Lügen der Sachpolitik durchdekliniert: Steuerlüge, Rentenlüge und anderen Betrug. Er zeigt, wie schwer es für Politiker ist, gradlinig zu sein, aber er zeigt auch, wie es gehen würde: nicht ohne Opfer und nur gegen die kurzfristigen Interessen vieler Bürger.
Metzger ist allerdings ein Neoliberaler im besten Wortsinne: Er will einen starken Staat, der klare Rahmenbedingungen setzt und sich im Konkreten zurückhält. Er vertraut den Selbstgestaltungskräften der Menschen und des Marktes. Wer damit nichts mehr anfangen kann, der wird sich an Metzger reiben. Gerade die persönlichen Schilderungen aus seinem Alltag als Politiker aber machen das Buch glaubwürdig.
Eine Glaubwürdigkeit, die den Parteien fehlt – weshalb Metzgers Schicksal in der Politik mehr über die Parteien als über ihn selbst aussagt. Die Grünen haben den Realo-Star systematisch an den Rand und aus dem Bundestag geschoben, den er zwei Legislaturperioden lang von 1994 bis 2002 geprägt hat. Im Grunde war Metzger in dieser Zeit die Oppposition in Haushaltsfragen. Kaum ein anderer fand sich wie er im Gewirr der Etatzahlen so gut zurecht.
Später ist Metzger bei den Grünen aus- und in die CDU eingetreten, was die Klügeren in dieser Partei begrüßt haben, die Parteisoldaten aber ablehnten. Mehrere Versuche, für die Bundestagswahl 2009 doch Direktkandidat in einem Wahlkreis seiner Heimat Baden-Württemberg zu werden, scheiterten an der Borniertheit örtlicher CDU-Funktionäre. Diese wollten lieber selbst – garantiert einflusslos – auf den Hinterbänken Platz nehmen, als dem kenntnisreichen und redegewaltigen Oswald Metzger den Vortritt zu lassen. Auch das gehört zur verlogenen Gesellschaft. Marc Beise
Oswald Metzger:
Die verlogene
Gesellschaft.
Rowohlt Verlag,
Berlin 2009,
224 Seiten,
16,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 08.08.2009
Mit Gefühl
Metzger und die Krise

Seitdem Oswald Metzger CDU-Mitglied ist und er als Wahlkreiskandidat in Biberach und Friedrichshafen gescheitert ist, hört man wenig von dem Politiker, der als Sozialdemokrat begann, als grüner Bundestagsabgeordneter zweistellige Ergebnisse holte und eine Talkshowberühmtheit wurde. Vor einiger Zeit fiel sogar eine Lesung in Metzgers oberschwäbischer Heimat Biberach aus, wo er sein Buch "Die verlogene Gesellschaft" vorstellen wollte. Was wohl auch daran liegt, dass in dem Buch nachzulesen ist, was Metzger über die Jahre hinweg alles in Talkshows gesagt hat. Metzger will eine aktuelle Gesellschaftsanalyse vorlegen, den Medien und den Berufspolitikern den Spiegel vorhalten. Doch das funktioniert nicht, weil der Autor selbst Berufspolitiker war und immer noch den reformistischen Ton der Schröderschen Agenda-Politik anschlägt, ohne die Weltwirtschaftskrise in den Mittelpunkt der Analyse zu rücken. Metzger bleibt seiner wirtschaftsliberalen Argumentationsroutine treu, wenn er schreibt, der Sozialstaat belaste die leistungsbereiten Arbeitnehmer und Unternehmer, die Bruttoarbeitskosten seien zu hoch, das Kirchhoffsche Steuermodell müsse zwingend eingeführt werden. Lässt sich so noch argumentieren, wenn die Mehrheit der Bürger spätestens seit der Pleite der Lehman-Bank und der IKB das Gefühl hat, dass die Gier der Manager der Volkswirtschaft stärker geschadet haben könnte als zu üppige Sozialleistungen?

Zweifelhaf ist auch Metzgers Kritik an der Mediengesellschaft, von der er selbst jahrelang profitiert hat. Nicht, weil er als wirtschaftsliberaler Grüner die überzeugenderen Argumente hatte, wurde Metzger zum Medienliebling, sondern nur, weil andere Grüne solche Thesen nicht äußerten. Metzger schreibt über die verderbenden Mühlen des Politikbetriebs: "Es gibt viele eitle Persönlichkeiten auf dem politischen Parkett. Die Sucht nach öffentlicher Anerkennung, die Gier, im Rampenlicht zu stehen, sind Teil des Politiker-Egos." Er gibt zwar zu, auch auf der Klaviatur der Mediengesellschaft gespielt zu haben, verschweigt aber, dass er den Grünen vor allem deshalb den Rücken kehrte, weil ihm die Arbeit als baden-württembergischer Landtagsabgeordneter zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit nicht genügte. Der Wertkonservative aus Oberschwaben wollte mit aller Macht wieder zurück auf die bundespolitische Bühne. Die Entscheidung der Grünen für das Grundeinkommen war ihm nur der Anlass zum Austritt.

RÜDIGER SOLDT

Oswald Metzger: Die verlogene Gesellschaft. Rowohlt Verlag, Berlin 2009. 256 S., 16,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nicht so richtig erwärmen kann sich Rezensent Rüdiger Soldt für das neue Buch des einstigen Grünen Oswald Metzger. Das Anliegen des Autors, eine aktuelle Gesellschaftsanalyse vorzulegen und den Medien und den Berufspolitikern den Spiegel vorzuhalten, geht in seinen Augen nicht auf, schon weil Metzger selber Berufspolitiker war. Auch der "reformistische Ton der Schröderschen Agenda-Politik", den der Autor immer noch anschlägt, überzeugt Soldt nicht, zumal auf die Weltwirtschaftskrise nicht tiefer eingegangen werde.

© Perlentaucher Medien GmbH
Nicht so richtig erwärmen kann sich Rezensent Rüdiger Soldt für das neue Buch des einstigen Grünen Oswald Metzger. Das Anliegen des Autors, eine aktuelle Gesellschaftsanalyse vorzulegen und den Medien und den Berufspolitikern den Spiegel vorzuhalten, geht in seinen Augen nicht auf, schon weil Metzger selber Berufspolitiker war. Auch der "reformistische Ton der Schröderschen Agenda-Politik", den der Autor immer noch anschlägt, überzeugt Soldt nicht, zumal auf die Weltwirtschaftskrise nicht tiefer eingegangen werde.

© Perlentaucher Medien GmbH

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