Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Rezensentin Hilal Sezgin kann dieses systematische Buch zum Kosmopolitismus nur empfehlen, das sie besonders als Einstieg in Denken und Diskurse dieser besonders beeindruckenden politischen Philosophin für eignet hält. Denn die in Istanbul geborene jüdische Türkin, die seit den 70er Jahren in den USA lebe und lehre, biete eine höchst spannende Weiterentwicklung der zuerst von Jürgen Habermas entwickelten These zur Janusköpfigkeit des Nationalstaats, seiner Dialektik von Inklusion und Exklusion - und zwar unter den Bedingungen der Globalisierung. Seyla Behabib sei außerdem neben Habermas eine der vehementesten Verfechterinnen der Diskursethik, weshalb sie das Betreten des Territoriums fremder Staaten und damit verbundene Bürgerrechte als Konsequenz eines grundsätzlichen Menschenrechts beschreibe. Die Rezensentin wünscht sich daher, dass Benhabibs offensive Überlegungen aktuelle Debatten und Gesetzgebungsverfahren zu beeinflussen vermögen. Allerdings mangelt es am Ende der insgesamt ideengeschichtlich ausführlichen und systematischen Argumentaion der Autorin aus Sicht der Rezensentin ein wenig an Konsequenz, weshalb sie das Buch nicht hundertprozentig zufrieden beschließt.
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"Die Rechte der Anderen empfiehlt sich auch für jemanden, der sich dieser besonders eindrucksvollen zeitgenössischen Denkerin zum ersten Mal lesend nähert." Hilal Sezgin Die Zeit
»Seyla Benhabib schlägt eine Schneise in das Dickicht der ›Staatszentrierungen‹, die sich in den Begründungen für den Nationalstaat entwickelt haben, und arbeitet unhintergehbar den inneren Zusammenhang von staatsimmanentem Demokratieanspruch und dem Anspruch dieser Staaten, die Menschenrechte zu realisieren, heraus...Um die Argumente für eine menschenrechtlich orientierte Demokratisierung der Staaten und ihre kosmopolitischen Öffnungen zu schärfen, bedarf es der Reflexionen, wie sie Seyla Benhabib ausgearheitet hat, und der Debatten, die sie angeregt hat. Die Lücke zwischen universellen Menschenrechten und partikularen Bürgerrechten ist argumentativ kleiner geworden.«
Seyla Benhabib, geboren 1950 in Instanbul, ist Professorin für politische Philosophie an der Yale University. Die Philosophin und Politologin wurde 2009 mit dem "Ernst-Bloch-Preis" ausgezeichnet.