Der Ursprung der Schönheit - Reichholf, Josef H.

Josef H. Reichholf 

Der Ursprung der Schönheit

Darwins größtes Dilemma

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Der Ursprung der Schönheit

Schönheit, so meinte man lange zu wissen, habe in der Evolution nichts zu suchen, sei bestenfalls schmückende Zutat oder Handicap beim Kampf ums Überleben. Heute wissen wir: Schönheit ist nicht nur "Äußerlichkeit", sondern verweist auf ein inneres Potential. Weit davon entfernt, lediglich Anpassung zu sein, ist sie ein echter Ausdruck von Individualität.
In seinem neuen Buch zeigt der bekannte Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf, wie eng die natürliche mit der sexuellen Auslese zusammenhängt, bei der Attraktivität die entscheidende Rolle spielt. Seine Schlussfolgerung: Schönheit und Schönheitsempfinden haben klare biologische Funktionen. Schon Tieren müssen wir Ästhetik zubilligen. Und auch die Rolle, die sie in der Evolution des Menschen spielt, bedarf einer radikalen Neubewertung. Die Kunst, so hat der französische Filmemacher François Truffaut einmal gesagt, bestehe darin, mit schönen Frauen schöne Dinge zu tun. Sollte er damit auch die Grundlagen des Ästhetischen beim Menschen beschrieben haben?


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2011
  • 1. Auflage
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 302 S., . Farbtaf.
  • Seitenzahl: 302
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 151mm x 27mm
  • Gewicht: 532g
  • ISBN-13: 9783406587139
  • ISBN-10: 3406587135
  • Best.Nr.: 25449737
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.03.2011

Vom Ende der gefährlichen Schönheit

Wie kommt der Pfau zu seinen prächtigen Schwanzfedern? Der Biologe Josef Reichholf wirft einen neuen Blick auf das Konzept der sexuellen Selektion.

Von Helmut Mayer

Beim Anblick eines Pfauenschwanzes, so gestand Charles Darwin in einem kurz nach Veröffentlichung der "Origins of Species" verfassten Brief, würde ihm schlecht. Zwar befürchtete Darwin damals durchaus nicht mehr, dass seine Theorie der natürlichen Auslese über die zweckvolle Einrichtung von Organismen und Organen stolpern könnte - des Auges etwa, das ein beliebtes Beispiel für eine vermeintlich höheren Orts gestiftete Konstruktionsleistung war. Aber dafür beunruhigten ihn andere "Besonderheiten" gerade deshalb, weil sie sich offenbar nicht als Anpassungen zugunsten höherer Überlebenstauglichkeit erklären ließen.

So wie die Schmuckfedern des männlichen Pfaus, die nicht nur lang sind und farbenprächtig, sondern überdies eine äußerst kunstvoll anmutende ornamentale Zeichnung aufweisen. Gerade auf eine solche Zeichnung verwies einige Jahre später ein Kritiker Darwins: Nimmermehr sei die mit subtilen Schattierungseffekten …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Für den Kunsthistoriker Horst Bredekamp hat der Autor ein Buch über die Freiheit geschrieben. Josef H. Reichholfs Auseinandersetzung mit Darwin zeugt laut Bredekamp von einer großen Portion Liebe des Autors für die Natur, die er anhand unmittelbarer Anschauung (etwa der Form und Funktion von Hirschgeweihen oder von Vogelfedern) als nicht bloß nützlich, sondern auch verschwenderisch schön und theatralisch kennenlernt. Dass Reichholf für seine groß angelegte evolutionsbiologische Untersuchung in den Wald geht, aber auch sprachmächtig fundamentale Fragen formuliert und kritischen Zeitbezug erkennen lässt, indem er etwa den Altruismus verteidigt, freut Bredekamp sichtlich. Die ein oder andere Auslassung oder Detailschwäche findet er angesichts einer solchen Fülle nützlicher Schönheit und ihres "anarchischen Spiels" verzeihlich.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.05.2011

Der Stachel der Abweichung
Josef H. Reichholfs große Studie über den „Ursprung der Schönheit“ beschreibt die Evolution als Reich der Möglichkeiten und der produktiven Verschwendung / Von Horst Bredekamp
Die gutmeinenden Kritiken verbargen nur mühsam ihre Irritation, dahinter stand eine massive Wand der Ablehnung. Der zweite Teil der 1871 publizierten „Abstammung des Menschen“ enthielt Charles Darwins Abhandlung zur „sexuellen Auslese“, die seinen vielleicht größten Misserfolg darstellte. Darwin hatte vor dem Problem gestanden, dass er die in ihrer Variation und Formenvielfalt geradezu berstende Natur mit Hilfe der „natürlichen“ Auslese allein nicht glaubte erklären zu können. Um diesen Zwiespalt zu schließen, schuf er jene Theorie der „sexuellen“ Auslese, derzufolge das weibliche Auge als Agens der Evolution in Rechnung zu stellen sei. Diese sogenannte female choice folge keinesfalls allein jener Bindung, die durch Stärke und Überlebensgarantie entstehe; vielmehr funktioniere das weibliche Interesse wesentlich nach einem anderen Prinzip, das als Sehnsucht nach Variation zu erklären sei. Damit aber bestimmte der Naturforscher …

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Joseph H. Reichholf, geb. 1945 in Aigen am Inn. Der Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe lehrt als Professor Naturschutz an der Technischen Universität München und leitet die Wirbeltierabteilung der Zoologischen Staatssammlung in München. Reichholf ist unter anderem Präsidiumsmitglied des deutschen WWF. 2007 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet.

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