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Bewertung von Volker M. am 07.05.2013 |
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Eine Erfindung ist noch lange keine Innovation ... ... auf die Umsetzung kommt es an und da gibt es reichlich Sand im Getriebe. Die Wenigsten sind von Beginn dem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Neben Widersachern, die neue Ideen aktiv bekämpfen, gibt es auch viele Gleichgültige, die kein Interesse an der Innovation haben. Je weitreichender eine Innovation ist, um so schwieriger ist die Umsetzung. Wer in einer großen Firma arbeitet, weiß, dass große Ideen, die mehrere Abteilungen oder Prozesse betreffen, es per se schwer haben, Unterstützer zu finden. "Energie, Herzblut, Durchsetzung, eine glückliche Hand, ein tolles Gründerteam, verständnisvolle Investoren, Geduld - das sind die Faktoren, auf die es ankommt!" Bereits im Vorwort fasst Gunter Dueck, lange Jahre Cheftechnologe bei IBM, die Erfolgfaktoren für eine erfolgreiche Innovation zusammen. Im ersten Teil geht Dueck allgemein auf die mit Innovationen verbundenen Probleme ein - von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Mit vielen Beispielen aus der Praxis beschreibt er auf unterhaltsame und sehr informative Art, worauf es bei Innovationen ankommt, damit sie erfolgreich werden und welche Widersacher im Spiel sind. So wie die Maklerweisheit lautet: Lage, Lage, Lage - Häuser kann man umbauen, die Lage ist fix, so gibt es dieselbe Pointe auch für Innovationen. Hier ist es das Herzblut, mit der man seine Innovation vorantreibt. Innovationen kann man verbessern, ändern oder aufpeppen. Energie und den Erfolgswillen muss man mitbringen. Hierzu hat Dueck wie so oft eine nette Anekdote: Auf einem Workshop wurde er gefragt, ob er sein Haus verkaufen und den Erlös von 200.000 Euro in seine Innovation stecken würde. Nur dann gäbe es 1 Million Euro vom Investor. Dueck zögerte zwar und war sich nicht mehr sicher, hatte aber verstanden, was Herzblut und Engagement bedeuten. Fremdes Geld kann man leicht(fertig) investieren, aber ist man auch bereit, eigenes Risiko zu übernehmen? Die "Hybris-Curve" - ein von Dueck geprägter Begriff und von ihm als "Überheblichkeitskurve" übersetzt - zeigt, wo ein großes Problem bei der Umsetzung von Innovationen liegt: Etablierte Unternehmen sind häufig Neuentwicklung nicht aufgeschlossen, weil sie um den Fortbestand ihres bestehenden Produktportfolios fürchten oder als Markführer einfach zu überheblich sind. Kodak ist so ein Beispiel. Bereits 1975 haben sie die erste Digitalkamera entwickelt, sie aber unter Verschluss gehalten, um den Verkauf ihrer Farbfilme nicht zu gefährden. Aber es half alles nichts und die Digitalkameras haben auch ohne Kodak den Markt erobert und den Erfinder in die Insolvenz getrieben. Dueck führt noch zahlreiche solcher Beispiele an: Filialbanken lachten über Internetbanken, No-Name-Artikel bei Discountern machten es den Supermärkten schwer und Brockhaus verlor in der Konkurrenz mit Wikipedia. Der zweite Abschnitt konkretisiert nun die speziellen Hindernisse, die zuvor nur angerissen wurden: der Erfinder selbst, Wissenschaftler, Marketing und Vertriebsunterstützung, Management und Berater. Nach diesem ernüchternden "Bashing"-Kapitel wundert es mich um so mehr, dass es doch noch einige Innovationen von der Erfindung bis auf den Markt geschafft haben. Im dritten Teil entwickelt der Autor Lösungsansätze, weist aber zu Anfang darauf hin, dass er kein Lehrbuch schreibt. Innovationen lassen sich häufig nicht in Schubladen stecken und da sind allgemeine Ratschläge schwierig bis unmöglich, so Dueck. Ich hätte mir trotzdem einen etwas strukturierteren Ansatz gewünscht, statt punktuell herausgegriffene Einzelthemen, die manchmal etwas willkürlich gewählt wirken und denen ein wenig der verbindende rote Faden fehlt. Dennoch ein lesenswertes und kurzweiliges Buch für alle, die wissen wollen, an welchen Hürden Innovationen in der Realität scheitern, auch wenn der Autor keine Patentrezepte hat. Wirklich kein Ruhmesblatt für unsere Großkonzerne. |
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