Das glücklichste Volk - Everett, Daniel L.

Daniel L. Everett 

Das glücklichste Volk

Sieben Jahre bei den Pirahã-Indianern am Amazonas

Aus d. Engl. v. Vogel, Sebastian
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Das glücklichste Volk

"Vor 30 Jahren kam er das erste Mal hierher: als Missionar! Wollte ihnen seinen Glauben bringen. Aber alles sollte anders kommen. Es ist ein intellektuelles und persönliches Abenteuer, von dem Everett jetzt erzählt." -- ARD Titel Thesen Temperamente

"Drei Bücher in einem - Expeditionsabenteuererzählung, anthropologischer Spracherforschungsbericht, philosophischer Essay - hat der amerikanische Linguistik-Professor Daniel Everett über seinen mehrjährigen Aufenthalt bei den Pirahã-Indianern geschrieben. Und alle drei sind aufschlussreich, unterhaltsam, spannend und den Blick weitend, geradlinig übersetzt von Sebastian Vogel." -- Süddeutsche Zeitung

"Ach, was für eine Wohltat! Diesmal keine massentaugliche Hochdruckbelehrung vermeintlich sinnstiftender Reiseabenteuer eines fernseherprobten Laien-Wanderpredigers und Hobbymissionars, oder gar die mäßig lustigen Erkenntnisse eines aufgeweckten Medizinmannes der Spaßgesellschaft auf Glücksjagd. Nein, hier berichtet mit Daniel Everett einer unaufgeregt, aber hautnah und authentisch von seiner tatsächlich ungewöhnlichen Reise zu einem - wie er meint - wahrhaft glücklichen Volk in einem bis heute verborgenen Winkel der Welt." -- Die Welt

"Everetts Buch zerfällt in zwei Teile, einen dramatischen Abenteuerbericht über sein Leben im Dschungel, und in eine zweite, oft verknappte Darstellung seines Linguistik-Abenteuers. Sprache und Kultur sind für ihn untrennbar verbunden. Nur so konnte er zu einem Verständnis für das ganz Andere dieser uralten Jäger-und-Sammler-Kultur gelangen." -- spiegel online

"Vor 30 Jahren kam er das erste Mal hierher: als Missionar! Wollte ihnen seinen Glauben bringen. Aber alles sollte anders kommen. Es ist ein intellektuelles und persönliches Abenteuer, von dem Everett jetzt erzählt." -- ARD Titel Thesen Temperamente

"Drei Bücher in einem - Expeditionsabenteuererzählung, anthropologischer Spracherforschungsbericht, philosophischer Essay - hat der amerikanische Linguistik-Professor Daniel Everett über seinen mehrjährigen Aufenthalt bei den Pirahã-Indianern geschrieben. Und alle drei sind aufschlussreich, unterhaltsam, spannend und den Blick weitend, geradlinig übersetzt von Sebastian Vogel." -- Süddeutsche Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2010
  • 7. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 414 S. m. SW-Fotos im Text, Farbfotos auf Taf.
  • Seitenzahl: 416
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 146mm x 40mm
  • Gewicht: 678g
  • ISBN-13: 9783421043078
  • ISBN-10: 3421043078
  • Best.Nr.: 27949801
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.03.2010

Entkehrung statt Bekehrung
Der Linguist und Anthropologe Daniel Everett lebte mit den Pirahã-Indianern am Amazonas – und entdeckte das „glücklichste Volk”
Drei Bücher in einem – Expeditionsabenteuererzählung, anthropologischer Spracherforschungsbericht, philosophischer Essay – hat der amerikanische Linguistik-Professor Daniel Everett über seinen mehrjährigen Aufenthalt bei den Pirahã-Indianern (sprich: Pi-da-HAN) am Maici, einem mächtigen Nebenfluss des Amazonas, geschrieben. Und alle drei sind aufschlussreich, unterhaltsam, spannend und den Blick weitend, geradlinig übersetzt von Sebastian Vogel. Am Ende will man vielleicht nicht gerade wie die Pirahã leben, aber es ergreift einen die Sehnsucht nach dem, was den Kern ihres Daseins ausmacht in seinen wohl harten, und für uns auch grausamen Facetten: das unmittelbare Erleben des Jetzt, unbehelligt von den Melancholien der Vergangenheit und der Furcht vor der Zukunft.
Es ist fast ein Privileg amerikanischer Forscher, ihre Untersuchungen nicht nur in trocken-abstrakter Wissenschaftsprosa servieren, sondern ihre Erkenntnisse als Folge von Erfahrungen am eigenen Körper, also sinnlich erzählen zu …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Mit viel Neugier und Lust hat Katharina Granzin diesen wissenschaftlichen Rechenschaftsbericht über linguistische Untersuchungen zur Sprache eines Amazonasvolks gelesen, ist das Buch aus ihrer Sicht doch viel mehr als das: nämlich auch Abenteurerreportage, persönlicher Bekenntnis- und Entwicklungsroman sowie eine "großartige Lektion in unabhängigem Denken". Im Zentrum stehen, wie wir lesen, Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Metaphysik und Sprachstruktur, die der Linguist Daniel Everett im Zuge seiner Studien des Volks der Piraha gewann. Zuerst sei er 1977 an den Amazonas gereist, um die Bibel in die Sprache der Pirahas zu übersetzen. Er sei gescheitert, da deren Sprache so strukturiert sei, dass sie Vorstellungen nur von Unmittelbarem bilden könne. Am Ende habe Everett seinen Glauben verloren. Und zwar nicht nur den an Gott, sondern auch den an die Allgemeingültigkeit von Noam Chomskys einflussreicher Theorie von universell angeborenen Sprachstrukturen. Dass sie als "Nichtlinguistin" den Fachargumenten des Buchs mühelos folgen konnte, verdankt die Kritikerin einer "wunderbar prägnanten kleinen Einführung in die linguistischen Grundlagen" gleich zu Beginn des Buchs.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.03.2010

Nur das unmittelbar Vorhandene zählt

Ein wunderbarer und zutiefst verstörender Erfahrungsbericht: Der Ethnologe Daniel Everett hat jahrelang mit den Pirahã-Indianern am Amazonas gelebt.

Als Claude Lévi-Strauss vor über achtzig Jahren seine Expedition zu den letzten noch unberührten Indianervölkern Brasiliens unternahm, traf er im Innern des Mato Grosso auf eine Gesellschaft, die ihm im Nachhinein wie eine Verwirklichung von Rousseaus Utopie erschien. Die Nambikwara, ein Volk von Jägern und Sammlern, verfügten nur über die allernotwendigsten materiellen Güter, und ihre soziale Ordnung war auf das Wesentliche reduziert: die Kernfamilie, ein schwach ausgebildetes Häuptlingstum und ein paar rudimentäre Verwandtschaftsregeln. Die Gesellschaft der Nambikwara war so einfach strukturiert, dass sie sich - wie er in den "Traurigen Tropen" schrieb - letztlich der soziologischen Erfahrung entzog. Denn eigentlich bestand sie nur noch aus Individuen.

Diese vielzitierte Passage aus dem Reisebericht des großen französischen Ethnologen kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man Daniel Everetts Beschreibung der brasilianischen Pirahã liest. …

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"Vor 30 Jahren kam er das erste Mal hierher: als Missionar! Wollte ihnen seinen Glauben bringen. Aber alles sollte anders kommen. Es ist ein intellektuelles und persönliches Abenteuer, von dem Everett jetzt erzählt." (ARD Titel Thesen Temperamente)

"Das wird ein Klassiker der populären Ethnographie." (Independent)

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Man muss es fast irreführende Werbung nennen: Titel und Buchrücken versprechen nicht nur die Begegnung mit dem glücklichsten Volk auf Erden, sondern noch eine Missionargeschichte, in der ein bekennender Christ seinen Glauben verliert. Davon ist in dem Sachbuch des amerikanischen Linguisten Daniel Everett, der jahrelang bei den Piraha-Indianern im Amazonas gelebt hat und dessen Sprache er mittlerweile als einziger Außenstehender beherrscht, allerdings kaum was zu lesen. Vielmehr handelt es von Sprachanalyse und vom Leben der Piraha, die aus heutiger Sicht ein wahres Phänomen sind. Sie leben bisweilen völlig autark, auf eine für uns unglaubliche Art und Weise, haben keinerlei Interesse an der westlichen Zivilisation und kennen weder Vergangenheit noch Zukunft, nur das unmittelbare Erleben. Anhand dieser Basis bringt Everett hier ein ordentliches Buch zustande, wobei einige erzählerische Schwächen beweisen, dass Everett kein ausgebildeter Schriftsteller ist. In sprachforschlicher Hinsicht ist sein Bericht aber schlichtweg bahnbrechend, da bringt es nämlich Unmengen allgemeingültiger Theorien zu Fall. Und dass im Klappentext ganz andere Erwartungen geweckt werden, dafür kann der Autor ja nichts. (ml)

»Drei Bücher in einem - Expeditionsabenteuererzählung, anthropologischer Spracherforschungsbericht, philosophischer Essay - hat der amerikanische Linguistik-Professor Daniel Everett über seinen mehrjährigen Aufenthalt bei den Pirahã-Indianern geschrieben. Und alle drei sind aufschlussreich, unterhaltsam, spannend und den Blick weitend, geradlinig übersetzt von Sebastian Vogel.«
Daniel Everett, geboren 1951 in Kalifornien, ist Professor für Linguistik an der Illinois State University. 1977 reiste er zum ersten Mal als Missionar zu den Pirahã in das brasilianische Amazonasgebiet, widmete sich jedoch bald nur noch der Erforschung ihrer Sprache und Kultur.

Leseprobe zu "Das glücklichste Volk" von Daniel L. Everett

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Leseprobe zu "Das glücklichste Volk" von Daniel L. Everett

"Schau! Da ist er, Xigagai, der Geist." "Ja, ich sehe ihn. Er bedroht uns."

"Kommt alle her, seht euch Xigagai an! Er ist am Strand!"

Ich erwache aus tiefem Schlaf. Habe ich geträumt oder tatsächlich dieses Gespräch mit angehört? Es ist halb sieben morgens an einem Samstag im August, in der Trockenzeit des Jahres 1980. Die Sonne scheint bereits, es ist aber noch nicht allzu heiß. Eine warme Brise weht vom Maici herauf, dem Fluss vor meiner bescheidenen Hütte, die auf einer Lichtung am Ufer steht. Ich öffne die Augen und sehe über mir das mit Palmwedeln gedeckte Dach, dessen Gelb vom Staub und Ruß vieler Jahre grau geworden ist. Beiderseits meiner Behausung stehen zwei ähnlich gebaute, aber kleinere Hütten der Pirahä. Dort wohnen Xahoabisi, Kohoibiiihiai und ihre Familien.

Schon oft habe ich den Morgen bei den Pirahä erlebt, wenn der schwache Rauchgeruch von ihren Herdfeuern herüberweht und die brasilianische Sonne mein Gesicht wärmt. Ihre Strahlen werden von meinem Moskitonetz gedämpft. Normalerweise lachen die Kinder, spielen Fangen oder weinen lautstark, weil sie gestillt werden wollen. Überall im Dorf hallen die Geräusche wider. Hunde bellen. Wenn ich hier die Augen aufschlage und benommen aus einem Traum in die Wirklichkeit trete, starrt mich häufig ein Pirahä-Kind oder auch ein Erwachsener an. Sie spähen zwischen den paxiuba-Palmenmatten hindurch, die die Seitenwände meiner großen Hütte bilden. Aber heute Morgen ist es anders.

Ich bin jetzt völlig bei Bewusstsein, aufgeweckt durch den Lärm und die Rufe der Pirahä. Ich setze mich auf und sehe mich um. Ungefähr sechs Meter von meinem Lager entfernt, auf der Uferböschung des Maici, hat sich eine Menschenmenge versammelt. Alle schreien und gestikulieren energisch. Sie schauen ans andere Ufer, auf eine Stelle gegenüber von meiner Hütte. Ich stehe auf, um besser sehen zu können - an Schlaf ist bei dem Lärm ohnehin nicht mehr zu denken.

Ich hebe meine Sporthose vom Boden auf und achte genau darauf, dass sich keine Taranteln, Skorpione, Hundertfüßer oder andere unerwünschte Gäste in ihr niedergelassen haben. Ich ziehe sie an, schlüpfe in meine Flipflops und trete aus der Tür. Die Pirahä stehen in lockeren Gruppen gleich rechts von meiner Hütte am Flussufer. Ihre Erregung wächst. Ich sehe, wie Mütter den Weg hinuntereilen, während ihre Kinder sich bemühen, die Brust im Mund zu behalten.

Die Frauen tragen die ärmel- und kragenlosen, halblangen Kleidungsstücke, die sie bei der Arbeit wie auch beim Schlafen anhaben. Von Staub und Rauch sind sie dunkelbraun. Die Männer sind in Turnhosen oder Lendentücher gekleidet. Keiner von ihnen hat Pfeil und Bogen bei sich - ich bin erleichtert. Kleine Kinder sind nackt, ihre Haut ist ständig den Elementen ausgesetzt und ledrig-braun. Die Babys haben Hornhaut am Gesäß, weil sie dauernd auf dem Boden herumrutschen, eine Art der Fortbewegung, die sie aus irgendeinem Grund gegenüber dem Krabbeln bevorzugen. Alle sind fleckig von Asche und Staub, die sich auf ihnen ansammeln, wenn sie schlafen oder auf dem Boden am Feuer sitzen.

Noch ist die Luft zwar feucht, aber nur um die zwanzig Grad warm; gegen Mittag werden es 38 Grad sein. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen. Dann erkundige ich mich bei Kohoi, meinem wichtigsten Sprachlehrer, was da los ist. Er steht rechts von mir. Sein kräftiger, schlanker brauner Körper ist angespannt angesichts dessen, was er betrachtet.

"Siehst du ihn nicht da drüben?", fragt er ungeduldig. "Xigagai, eines der Wesen, die über den Wolken wohnen. Er steht am Strand und schreit uns an, sagt uns, dass er uns töten wird, wenn wir in den Dschungel gehen."

"Wo?", frage ich. "Ich kann ihn nicht sehen."

"Na, genau da", gibt Kohoi gereizt zurück und starrt auf die Mitte des offenkundig leeren Strandes.

"Im Dschungel hinter dem Strand?"

"Nein! Da am Strand. Sieh doch!", erwidert er empört.

Wenn ich mit den Pirahä im Dschungel bin, übersehe ich regelmäßig Tiere, die ihnen auffallen. Meine unerfahrenen Augen sehen einfach nicht so gut wie ihre.

Hier ist es anders. Selbst ich kann erkennen, dass da auf dem weißen, höchstens hundert Meter entfernten Sandstrand nichts ist. Aber so sicher ich mir auch bin, die Pirahä sind sich genauso sicher, dass dort etwas ist. Vielleicht war etwas da, was ich nicht gesehen habe, aber sie bestehen darauf, dass Xigagai auch jetzt noch dort ist.

Immer noch blicken alle zum Strand. Neben mir höre ich Kristene, meine sechsjährige Tochter, sagen: "Was gucken die da alle, Papa?"

"Ich weiß nicht. Ich kann nichts sehen."

Kris stellt sich auf die Zehenspitzen und schaut über den Fluss. Dann sieht sie mich an. Dann die Pirahä. Sie ist genauso verwirrt wie ich.

Kristene und ich gehen zurück in unsere Hütte. Was habe ich da gerade miterlebt? Seit jenem Sommermorgen sind mehr als zwanzig Jahre vergangen, und immer noch bin ich mit einer Frage nicht im Reinen: Was bedeutet es, dass zwei Kulturen, unsere ursprünglich europäische und die der Pirahä, die Realität so unterschiedlich wahrnehmen können? Ich hätte den Pirahä nie beweisen können, dass der Strand leer war. Und ebenso wenig hätten sie mich davon überzeugen können, dass sich dort irgendetwas befand, und erst recht kein Geist.

Für mich als Wissenschaftler ist Objektivität einer der höchsten Werte. Früher glaubte ich, wir müssten uns nur genug Mühe geben, dann könnten wir die Welt genauso sehen wie andere und leichter lernen, fremde Ansichten zu respektieren. Aber wie ich bei den Pirahä erfahren habe, können unsere Erwartungen, unsere Kultur und unsere Erfahrungen dazu führen, dass schon die Wahrnehmung unserer Umwelt über die Kulturgrenzen hinweg sich kaum in Einklang bringen lässt.

Die Pirahä sagen unterschiedliche Sätze, wenn sie abends meine Hütte verlassen und ins Bett gehen. Manchmal erklären sie einfach: "Ich gehe." Manchmal bedienen sie sich aber auch einer Formulierung, die, so überraschend sie auch anfangs war, zu einer meiner liebsten Arten des Gutenachtsagens geworden ist: "Schlaf nicht, hier gibt es Schlangen." Die Pirahä sagen das aus zwei Gründen. Erstens glauben sie, dass sie sich durch weniger Schlaf "abhärten" können, was ihnen allen sehr wichtig ist.

Kundenbewertungen zu "Das glücklichste Volk" von "Daniel L. Everett"

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 03.04.2010 ***** ausgezeichnet
Als Nachkomme einer Missionarsfamilie ist es wohl nicht verwunderlich, aber ich konnte es kaum erwarten dieses Buch in meinen Händen zu halten, um mit dem Lesen zu beginnen.

Vielleicht sollte man zunächst die Bilder im Buch ansehen. Es sind oft Aufnahmen, die uns direkt in die Gesichter der Piraha-Indianer im brasilianischen Urwald blicken lassen. Gesichter voller Offenheit und Freundlichkeit.

Der Missionar Daniel L. Everett, der auch Professor für Linguistik ist, reist mit 26 Jahren in das Amazonasgebiet zu den Pirahas. Er will diesen Menschen die Liebe Gottes verkünden. Er will ihnen von Jesus erzählen.
Dazu allerdings muss er die Sprache der Piraha lernen. Sie kennen weder Farbbezeichnungen noch Zahlen. Niemals sprechen sie über Dinge, die sie nicht selbst erlebt haben. Die Vergangenheit, die Zukunft und auch der persönliche Besitz eines jeden Einzelnen bedeutet ihnen nichts. Sie haben eine völlig andere Art zu denken, gemessen an der Art wie wir es gewohnt sind.

Everett beschreibt seine Erlebnisse bei den Piraha-Indianern spannend wie einen Abenteuerroman. Im ersten Teil erzählt er vom Leben, vom Alltag dieser uns so fremden Menschen. Anschließend kommt der Wissenschaftler in ihm durch und er erläutert gut verständlich die Sprache der Piraha.

Der dritte Teil des Buches ist für mich der wichtigste: Nach einiger Zeit wird der Missionar klar und unmissverständlich von den Piraha dazu aufgefordert, endlich mit dem Gerede über Jesus aufzuhören. Sie sagen ihm, dich Daniel mögen wir, aber mit deinem Jesus, den wir nicht sehen, wollen wir nichts zu tun haben. Das trifft den Missionar hart. Er muss über seine nächsten Schritte nachdenken. Während eines Heimaturlaubs, der erste nach fünf Jahren im Urwald, übersetzt der in Kalifornien geborene Professor für Linguistik an der Illinois State University Daniel L. Everett das gesamte Markusevangelium in die Sprache der Piraha-Indianer. Mit Hoffnung kehrt er zu ihnen zurück. Immer wieder liest er ihnen seine Übersetzung vor, spielt ihnen sogar auf einem Kassettenrecorder den gesprochenen Text vor - alles ohne Erfolg.

Am Ende seines Buches schreibt der Autor: "Die Pirahas sind ein ungewöhnlich glückliches, zufriedenes Volk. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass die Piraha glücklicher, lebendiger und besser an ihre Umwelt angepasst sind als jeder Christ und jeder andere religiöse Mensch, den ich jemals kennengelernt habe." Das sagt der Missionar Daniel Everett als er mehrere Jahre mit den Piraha-Indianern zusammengelebt hat. Er hat seinen Glauben an Gott verloren.

Die Entscheidung seinen Gott aufzugeben macht sich Everett nicht leicht. Er vergleicht sehr intensiv seinen Glauben mit der Lebenseinstellung der Pirahas. Kritisch betrachtet er sein eigenes Leben. Er war Jahrgangsbester seiner Bibelschule und trotzdem wird ihm klar: "Im stillen Kämmerlein war ich Atheist. Und darauf war ich keineswegs stolz."

Laut Werbung verlor der Missionar Daiel L. Everett seinen Glauben durch die Begegnung mit den Piraha-Indianern. Everett macht aber deutlich, dass die Begegnung mit ihnen nur das I-Tüpfelchen war, das dafür sorgte, dass er es schließlich für alle Welt vernehmlich aussprach.

Vor Menschen die ehrlichen Herzens sagen, sie können nicht glauben, habe ich mehr Respekt als vor den vielen Karteileichen unserer Kirchenarchive. Daniel L. Everett tat es und musste schwer für die Wahrheit bezahlen. Viele seiner Freunde blieben weg und seine Familie zerbrach.

Christian Döring

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