Ein Besuch in Kalabrien und der Basilikata sei, so verspricht der
Autor Ekkehart Rotter in der ersten Überschrift, "eine
Annäherung als Abenteuer". Wer Italien bereits zu kennen
glaubt, wird hier eines Besseren belehrt, denn die beiden
südlichsten Regionen des italienischen Stiefels entführen den
Besucher in eine ganz eigene Welt, die wenig gemein hat mit dem
restlichen, mittlerweile wohlbekannten Italien. Das erfährt der
Leser gleich bei der Einführung, in der es wie bei allen DUMONT
Kunst- Reiseführern um Landeskunde und Geschichte, um Gesellschaft
und Kultur geht. Die wichtigen Zahlen und Fakten fehlen zwar nicht,
aber sie werden begleitet von interessanten Geschichten wie die
über die mafia calabrese ("Briganten und Banditen"), über
Naturkatastrophen ("Das Kreuz des Südens") und andere
Gegebenheiten, die die besondere Entwicklung Kalabriens bestimmten
oder noch bestimmen. In der Galerie der bedeutenden
Persönlichkeiten liest man Namen, die man vielleicht nie vorher
gehört hatte - wie Bruno von Lungoburgo -, aber man entdeckt unter
diesen Kurzbiografien auch den Modeschöpfer Gianni Versace oder den
Maler und Schriftsteller Carlo Levi.
Die Entdeckungsreise durch die beiden Regionen erstreckt sich über
drei große Kapitel und beginnt im Norden, in der Bergwelt
Lukaniens. Das zweite Kapitel führt den Leser an der Küste des
Ionischen Meeres entlang bis zur äußersten Südspitze des
italienischen Stiefels, nach Reggio di Calabria. Von dort geht es
im dritten Kapitel an der tyrrhenischen Küste - mit einem Abstecher
nach Cosenza - wieder nordwärts, bis der Kreis sich geschlossen
hat.
Im letzten Teil des Buches wird dem Leser mit praktischen
Hinweisen, einem Glossar, einer anregenden Literaturauswahl und
einigen nicht weniger anregenden Restauranttipps weitergeholfen.
Citypläne, Grundrisse und Lagepläne sind nützlich bei der
Orientierung vor Ort. Der Band erhielt bei Erstauflage 2002 den
ENIT- Preis für den besten deutschsprachigen Reiseführer über
Italien.
"Kalabrien, Basilikata" von Ekkehart Rotter. Erschienen in der Reihe "Dumont-Kunstreiseführer". Dumont Reiseverlag, Köln 2002. 400 Seiten mit zahlreichen Fotos, Zeichnungen, Karten und Plänen. Broschiert, 25,90 Euro. ISBN 3-7701-5541-6.
Zum Florida Europas wollte der ehemalige italienische Ministerpräsident Romano Prodi die Region Kalabrien schon vor Jahren ausbauen, doch viel ist seit der Ankündigung nicht geschehen. Wie auch die benachbarte Basilikata fristet Kalabrien seit je ein Dasein im Schatten des übrigen Italiens, unter glühend heißer Sonne. Jede Annäherung ist bis heute ein Abenteuer geblieben - so macht es der Historiker und Völkerkundler Ekkehart Rotter im ersten Kapitel plausibel. Das Buch entdeckt die Regionen an der Stiefelspitze als uraltes Kulturland, ohne die Eigentümlichkeiten der herben Landschaft zu vernachlässigen. Die kulturhistorischen Beschreibungen sind den praktischen Erfordernissen heutigen Reisens angepaßt, der Informationsteil ist knapp und hilfreich. Die Fotos scheinen allesamt dem Leitbild "Trutziger Stein vor blendendem Himmelsblau" verpflichtet. Aber so sieht es dort eben aus. (A.O.)
Nicht überschwänglich aber immerhin zufrieden äußert sich Rezensent A.O. zu diesem Buch. Besonders die Fotos findet er wenig originell. Doch weil der Völkerkundler Ekkehart Rotter, wie wir lesen, die Region an der italienischen "Stiefelspitze" als "uraltes Kulturland" entdeckt, ohne die Eigentümlichkeiten der Landschaft zu vernachlässigen, weil seine kulturhistorischen Beschreibungen den praktischen Erfordernissen des heutigen Reisens angepasst sind und weil der Informationsteil auch noch "knapp und hilfreich" ist, kann der Rezensent das Buch doch guten Gewissens empfehlen.
Dr. Ekkehart Rotter ist als Historiker bei der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur beschäftigt. Er veröffentlicht Monografien, Aufsätze und Essays und verfasste Reiseführer über Umbrien und die italienische Adriaküste. Beim DuMont Reiseverlag erschienen die Kunst-Reiseführer Apulien sowie Abruzzen, Molise (zusammen mit Roger Willemsen). Der Kunst-Reiseführer Kalabrien, Abruzzen erhielt 2002 in der ersten Auflage den begehrten ENIT-Preis.