Rousseaus Begriff der natürlichen Erziehung und seine ideengeschichtlichen Folgen
Zwischenprüfungsarbeit aus dem Jahr 2004 im Fachbereich Pädagogik -
Geschichte der Päd., einseitig bedruckt, Note: 1,
Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Institut für
Erziehungswissenschaft), Veranstaltung: Ideengeschichte der
Pädagogik, 14 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch,
Abstract: Wohl keine Phrase wird so häufig mit Rousseau in
Verbindung gebracht wie "Zurück zur Natur!". Obwohl
längst bekannt ist, dass er diese Worte niemals so formuliert hat,
hält sich diese Assoziation hartnäckig. Rousseau gilt auch heute
noch unter vielen als Begründer einer natürlichen Pädagogik, deren
Grundsatz "wachsen lassen" zur Passivität des Erziehers
aufruft und den Zögling ganz seiner natürlichen Entwicklung
überlassen will. Jede pädagogische Intervention wird nach diesem
Verständnis als Störung aufgefasst. Die Aufgabe des Erziehers
besteht darin, so wenig als möglich in diese natürliche Entwicklung
einzugreifen und den Zögling vor schädlichen Einflüssen zu
schützen. Der "Emile" lässt in der Tat an einigen Stellen
eine solche Auslegung des Textes zu, es gibt jedoch auch ebenso
viele Argumente gegen diese Interpretation. Es stellt sich daher
die Frage, wie sich ein derart verzerrtes Rousseau Verständnis über
Hunderte von Jahre bis in die heutige Zeit halten konnte, und wieso
dieser Roman trotzdem so einflussreich für die Pädagogik war. Vor
einer Auseinandersetzung mit seiner Rezeption ist es allerdings
unverzichtbar, zunächst einmal auf das Erziehungskonzept von
Rousseau selbst einzugehen, denn nur so lassen sich die Differenzen
zu den verschiedenen Rezeptionen herausarbeiten.