Damit Kindern kein Flügel bricht - Schmid König, Nelia

Nelia Schmid König 

Damit Kindern kein Flügel bricht

Kindliche Verhaltensauffälligkeiten verstehen und ein gutes Familienklima fördern

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Damit Kindern kein Flügel bricht

Verschlüsselte Botschaften unserer Kinder

Eine neue Sicht auf kindliche Verhaltensauffälligkeiten
Beispiele für ein konstruktives Miteinander in der Familie
Tipps für eine gelingende Eltern- und Paarbeziehung

Kindliche Verhaltensauffälligkeiten sind oft Ausdruck familiärer Schwierigkeiten. Kinder reagieren damit auf ein Familienklima, das durch Sorgen um die Zukunft, Schulprobleme und gestresste Eltern negativ geprägt ist. Nelia Schmid König zeigt mit vielen ermutigenden Beispielen, wie in den Familien wieder Lebensfreude und Optimismus einziehen und Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung positiv unterstützt werden.

Eine neue Sicht auf Verhaltensauffälligkeiten
Beispiele für ein konstruktives Miteinander in der Familie
Mit Tipps für die Paarbeziehung



Produktinformation

  • Verlag: Kösel
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 267 S.
  • Seitenzahl: 272
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 136mm x 27mm
  • Gewicht: 370g
  • ISBN-13: 9783466308521
  • ISBN-10: 3466308526
  • Best.Nr.: 27948552
Dr. Nelia Schmid König, geb. 1956, ist Kinder- und Jugendtherapeutin in eigener Praxis in München. Sie war viele Jahre in der Erwachsenenbildung und als Dozentin an einem psychoanalytischen Ausbildungsinstitut tätig. Die Mutter zweier Kinder arbeitet seit mehreren Jahren auch als Paar- und Familientherapeutin und als Supervisorin.

Leseprobe zu "Damit Kindern kein Flügel bricht"

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Leseprobe zu "Damit Kindern kein Flügel bricht"

Marvin, ein neunjähriger Junge, malt am liebsten Vögel in der Therapie. Adler, Raben, Bussarde, Schwäne. Marvin ist ein Vogelexperte. "Am liebsten wäre ich ein Adler, die fliegen ganz weit oben, keiner kann sie erreichen ... Sie fliegen allen anderen davon."

Seine Realität sieht anders aus - und seine gemalten Vögel auch. Sie haben gebrochene Flügel, alle. Zuerst habe ich die gebrochenen Flügel meinem Unvermögen zugeschrieben, Marvins Bilder richtig wahrnehmen zu können. Wir Erwachsenen wollen ja oft in der gemalten Welt unserer Kinder unsere eigene Erwachsenenrealität wiederfinden. Und ein Adler sieht nicht aus wie ein Schwan. Bei Marvin sieht der Adler aus wie ein Schwan, doch Marvin unterscheidet mit wissender Stimme: "Das ist ein Adler, das ist ein Schwan ... das merkt man doch." Ich hab es nicht gemerkt, doch vorsichtig geworden bei meinem Wunsch, die Dinge klar einzuordnen und zu benennen, halte ich mich bei Marvins Flügeln zurück. Auffällig ist nur, dass alle Flügel, ob Adler- oder Schwanflügel, in der Mitte abknicken. "Das sind ganz besondere Flügel ...", taste ich mich vorsichtig an seine Vogelbilder heran. Manchmal malt Marvin gleich mehrere Bilder in der Therapiestunde. "Ja, die kommen gerade von einem Kampf ... sie waren aber stärker ... sie fliegen jetzt davon."

Wie kann man mit gebrochenen Flügeln fliegen? Es war nur ein Gedanke, ich hab ihn nicht ausgesprochen.

Ein halbes Jahr später sagt Marvin, und Tränen laufen über sein blasses, schönes Gesicht: "Der Papa hat gesagt, wenn du es nicht ins Gymnasium schaffst, kannst du es gleich vergessen ... " Am Ende dieser Stunde malt er sein für lange Zeit letztes Vogelbild, einen roten Adler: "Hast du gemerkt, dass der kaputte Flügel hat?" Ich nicke: "Ja, er ist wunderschön, aber seine Flügel sind kaputt ... ein trauriger Vogel."

Marvin ist ein ganz normales Kind. Sensibel und begabt wie viele andere Kinder auch. Was ihn von anderen Kindern unterscheidet, sind seine Diagnosen. Er ist neun Jahre alt und hat schon drei Diagnosen, die wie Blei auf seinem noch jungen, erst begonnenen Lebensweg liegen. Die letzte ist erst kürzlich vor ihm aufgebaut worden. Seine Mutter sagte am Telefon: "Können Sie uns helfen? Wir haben einen Zappelphilipp zu Hause, die Ärzte wissen jetzt, was los ist mit ihm... "

Nach unserer ersten Begegnung habe ich als Erstes die Diagnosen beiseitegelegt. Marvin ist kein krankes Kind. Marvin ist ein unverstandenes Kind. Ein vitaler, entzückender Junge steht vor mir, mit einem für sein Alter sehr wachen Verstand und überdurchschnittlichen Ausdrucksvermögen. Ich beglückwünsche die Eltern zu ihrem begabten Kind. Die Reaktion der Eltern ist - Überraschung. "Wir hören immer nur Negatives über ihn ... und Sie gratulieren uns zu diesem Kind!" Und Marvins Vater, ein in der rauen Welt der Wirtschaft geschulter Kämpfer, meint mit leicht sarkastischem Unterton: "Bis jetzt gab's Diagnosen ... jetzt plötzlich Glückwünsche ... ist das eine neue Tour?"

Nein, das ist keine "neue Tour". Es ist nach vielen Jahren Erfahrung als analytische Kinder- und Jugendlichentherapeutin der Versuch, die Augen der Eltern mit Hoffnung zu füllen und nicht mit weiterer Angstmacherei eine Eltern-Kind-Beziehung zu verstopfen. Dort, wo vorher Angst, Sorge und das lähmende Gefühl, als Eltern zu versagen, geherrscht haben, möchte ich bei den Eltern wieder Freude und Neugierde am Kind wecken.

Ein viel zu häufiger Mitbewohner in vielen Familien ist die Angst. Sie nistet sich ganz unauffällig im Laufe der Jahre ein und kann irgendwann ein Dreh- und Angelpunkt im Familienleben werden. Selten zeigt sie ihr Gesicht. Wen man klar erkennen kann, gegen den kann man kämpfen. Doch die Angst ist eine Meisterin der Maskierung. Sie bleibt diffus, entzieht sich jedem Zugriff, hüllt sich schnell wieder in ein anderes Kostüm, wenn ihr Entblößung droht.

Anfangs ist die Angst im jungen Paarglück nur ein graues, mickriges Pflänzchen: Was, wenn wir keine Kinder bekommen? Doch das Kind kommt. Unkraut vergeht. Dieses Pflänzchen ist also schnell wieder ausgerissen und stirbt ab. Doch das nächste lauert bereits: Was, wenn ich keine gute Mutter bin, was, wenn ich kleine, schreiende Kinder nur als nervig empfinde, endlich wieder einmal durchschlafen möchte? Was, so der Mann, wenn ich meine Frau wieder einmal ganz für mich haben möchte, sie ist ja nur noch Mutter ... Wieder ein paar Jahre später, die erste soziale Schwellensituation: der Kindergarten. Kann sich unser Kind integrieren, findet es Freunde? Dann die erste große Belastung: die Einschulung. Die Angst ist inzwischen kein mickriges Unkraut mehr, das man mit einer entschlossenen Handbewegung ausreißen kann, sondern eher ein Schlingpflanzengewächs, das durch die Familienräume wabert und sich im Wohnzimmer ebenso ausbreitet wie im Kinderzimmer, in der Küche. Manchmal bahnt sich dieses Schlingpflanzengewächs seinen Weg sogar schon ins Ehebett: "Du, Florian hat eine Mitteilung im Hausaufgabenheft stehen, dass er wieder keine Hausaufgaben gemacht hat ..." Der Übertritt an eine weiterführende Schule steht bevor. Die Angst lächelt gemein. Sie wächst, legt an Gewicht zu, die anderen sichtbaren Familienmitglieder leiden mehr oder weniger unter Appetitverlust. Kein "Freude, schöner Götterfunken" mehr, solche erhebenden Wohlklänge klingen nur noch vereinzelt an, sondern Ärger und Stress mit den Götterjünglingen und -töchtern von einst. Auch der Göttergatte hat an charmanter Aufmerksamkeit schon lange eingebüßt.

Die Mutter spricht mit dem Vater, der Vater ermahnend mit dem Sohn oder der Tochter, wobei sich die Tochter die warnenden Worte des Vaters bedeutend mehr zu Herzen nimmt als der bockige Bruder. Die Angst kriegt in diesem Alter nicht so richtig Platz bei den Töchtern, denn diese sind gewillter, den elterlichen Ängsten durch schöne Schrift und regelmäßige Erledigung der Hausaufgaben vorzubeugen als die gleichaltrigen Jungen. Die Jungen bewegt mit neun oder zehn Jahren nicht so sehr das Ergebnis des letzten Aufsatzes, sondern die Zeit, die sie für 50 Meter gebraucht haben im Sport. Und ob sie ein Alphatier sind im Klassenverband oder als Angsthase gelten.

Die Zeit vergeht. Es ist eine Ewigkeit her, dass Mutter und Vater zusammen, nur sie allein, essen waren, sich für einen Kinofilm begeistert haben, im Bett gestöhnt haben vor Lust, nicht vor Sorge. Die Angst lächelt wieder. Sie hat alles im Griff, sogar die Blicke der Eltern.

Kundenbewertungen zu "Damit Kindern kein Flügel bricht"

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Bewertung von Kirsty aus Holzwickede am 25.04.2012 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist mit viel Verstand und Herz geschrieben. Es ist auch ein Mutmacher für Eltern, die oft ratlos sind. Darüber hinaus ist es ohne Zweifel ein toller Ratgeber! Nicht nur für Eltern! Ich kann es auch Lehrern und Erziehern empfehlen.
Ich lese immer mal wieder - je nach Bedarf - Passagen zu den gerade aktuellen Themen durch. Frau Dr. N. König Schmid schreibt so klug und einfühlsam zugleich, dass ich dieses Buch vielen Eltern, Freunden bereits empfohlen oder verschenkt habe. Mich hat es persönlich fasziniert! Es ist eines der besten Bücher in diesem Themenzusammenhang, die ich jemals gelesen habe.
Es ist kein Buch, das man einmal liest! Mal liest immer wieder in ihm, weil es eben auch ein Ratgeber ist. Vieles weiß man als Eltern und dennoch ist es wichtig, dass man sich einige Dinge immer wieder bewusst macht, in Erinnerung ruft. Hierbei hilft das Buch ungemein.
Der Titel allein verrät doch schon das Wichtigste: Damit Kindern kein Flügel bricht. Hier schreibt jemand, der Kinder liebt, der Respekt vor ihnen hat, der sie mit ihren Problemen ernst nimmt! Aber auch die Eltern nicht im Regen stehen lässt, sie berät, informiert, ihnen hilft! Einfach beeindruckend!
Man kann die Verantwortung für Kinder nicht ernst genug nehmen, aber keiner macht alles richtig. Wichtig ist, dass man aber immer das Bestreben hat, etwas im Sinne des Kindes und der Familie zu verbessern! Das habe ich auch in diesem Buch als eine von vielen wertvollen Botschaften verstanden! Danke, für dieses wunderbare Buch!!

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