Schwarze Sonne scheine - Ostermaier, Albert

Albert Ostermaier 

Schwarze Sonne scheine

Roman

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Schwarze Sonne scheine

Unauflöslich und ungeheuerlich erscheint das Dilemma, das dem zweiten Roman von Albert Ostermaier seine aufs äußerste gehende existentielle, moralische und gesellschaftliche Dimension verleiht. Ein junger Mann, aufgewachsen in einem katholischen Internat in Bayern, der sein Leben darauf ausgerichtet hat, Schriftsteller, Dichter zu werden, muß sich entscheiden zwischen sicherem Tod und ungewissen Überleben, für das er sich allerdings zwei völlig unbekannten Menschen überlassen muß. Eine ausgewiesene prominente Ärztin stellt ihm die Diagnose, er leide an einer nur von ihr diagnostizierbaren tödlichen Krankheit, die eine sofortige Therapie im amerikanischen Texas erfordere. Der väterliche Mentor, ein katholischer Priester, rät, der Ärztin zu vertrauen und in die USA zu reisen.
Wie soll sich der angehende Schriftsteller entscheiden? Andere Diagnosen einholen, obwohl sie laut Ärztin die Krankheit nicht aufspüren können? Dem Rat der Eltern folgen und sich sofort dem Krankenhaus ausliefern? Statt dessen rekapituliert er sein Leben und die Ereignisse, die zu dieser dramatischen Situation geführt haben.
Diese Recherche der vergangenen und verlorenen Jahre eines jungen Mannes weitet sich durch die detailgetreue, nüchterne Schilderung der Internatsjahre zu einem umfassenden, erschütternden Panorama moralisch-politischer Strukturen im Süden Deutschlands, in dem der einzelne wenig, die Kirche alles zählt. Und nur wer sich gegen die miteinander verzahnten Hierarchien stellt, ist, wie Albert Ostermaier, in der Lage, souverän vom Leiden, dem eigenen wie dem anderer, einfühlsam und zugleich distanziert, spannend und mitreißend, anklagend und erklärend zu erzählen.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 287 S.
  • Seitenzahl: 287
  • Best.Nr. des Verlages: 42220
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 130mm x 33mm
  • Gewicht: 436g
  • ISBN-13: 9783518422205
  • ISBN-10: 3518422200
  • Best.Nr.: 32454051

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Samuel Moser bescheinigt Albert Ostermaiers zweitem Roman "viel Kalkül" und erkennt darin die Absicht zu "raffinierter Suggestion". Suggeriert werden soll, so die Interpretation Mosers, dass es sich bei dem gegen Ende des Romans zum "wahren Künstler" geläuterten Protagonisten Sebastian um niemand Geringeren als Ostermaier selbst handle - und bei dem von Sebastian nun zu erwartenden meisterhaften Roman um - nun ja: "Schwarze Sonne scheine". Das ist dem Rezensenten dann doch etwas zu dick aufgetragen. Zumal ihm außerdem die Sprache Ostermaiers als übermäßig bildhaft und schrankenlos "pathetisch" aufstößt. Dass die erzählte Geschichte - eine unter Narkose beziehungsweise im Traum stattfindende Selbsterkundung des Protagonisten - den Roman in die Nähe des Surrealismus rücke, lässt der Kritiker als Entschuldigung für seine sprachlichen und inhaltlichen Dammbrüche nicht gelten. Und so will Moser nicht verhehlen, dass sich ihm die Lektüre dieser Traumerzählung als Albtraum dargeboten hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.05.2011

Wolken aus Tinte
Und wenig Luft zum Atmen: Albert Ostermaiers Traum einer Dichterwerdung

Also dass der Suhrkamp-Verlag dieses Buch als "nüchterne Schilderung der Internatsjahre eines jungen Mannes" ankündigt, hat schon mal gute Aussichten, den Preis für die Fehl-Etikettierung des Jahres zu gewinnen. Denn nüchtern ist an dem neuen Buch des Münchner Schriftstellers und erfolgreichen Dramatikers Albert Ostermaier, 43, nichts. Es ist geradezu ein Manifest der Anti-Nüchternheit, ist ein Roman des heißen Fühlens, der panischen Angst, ein Buch der ungezügelten Todesangst, Lebenslust und Dichtersehnsucht. Ein Buch am offenen Herzen - "Schwarze Sonne scheine", Albert Ostermaiers zweiter Roman.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, Sebastian, der Dichter werden will. Doch das Leben hat anderes für ihn vorgesehen, seine Eltern haben anderes für ihn vorgesehen. Seit seiner Geburt ist klar: Er wird eines Tages die Firma seines Vaters übernehmen, der Lebensplan steht felsenfest. Doch Sebastian fühlt, dass er sein Leben anders führen will, ja anders führen muss. An seinem "Abend mit Goldrand" weiß er für sich, dass er Schriftsteller werden …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.05.2011

Das Wort ist bei Gott
Albert Ostermaier scheut in seinem zweiten Roman „Schwarze Sonne scheine“ kein Pathos und erzählt eine Geschichte von Ohnmacht und Abhängigkeit
Ganz zum Schluss ein Blinddarmdurchbruch. Und in jenem Augenblick, im Schmerz und in Todesgefahr, fällt der Entschluss, die Geschichte zu erzählen; weil „ich erst dann erwachen könnte, erst dann frei wäre“. Albert Ostermaiers neuer Roman, sein zweiter, endet dort, wo er auch beginnt: in einem Krankenhaus. Und gleich auf der ersten Seite, in den ersten Sätzen schlägt Ostermaier die Grundmotive an, die dann auf vielfältige Weise durchgespielt werden: Betäubung, Heilsversprechen, Abhängigkeit, Bedrohung. Und selbstverständlich, über allem, der Tod.
„Ein tödlicher Herpesvirus“, sagt die Ärztin am Telefon, „äußerst selten, aber absolut tödlich. Ein halbes Jahr. Maximal“. Der Ich-Erzähler, der die Diagnose entgegennimmt, heißt Sebastian, fühlt sich kerngesund und ist zum Zeitpunkt der Handlung, in den frühen neunziger Jahren, Anfang zwanzig. Ein junger Mann mit schriftstellerischen Ambitionen, der sein Jurastudium nur den Eltern zuliebe fortsetzt. Der Familienbetrieb …

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"... man spürt auf jeder Seite dieser beklemmenden Geschichte und dieses packenden Romans, dass hier einer spricht, der mit Sprache nicht nur verführen, sondern selbst von ihr verführt werden will."
Felicitas von Lovenberg Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Schwarze Sonne scheine ist riskant und provokativ, ein Drahtseilakt zwischen Wutgeheul und innerster Demut, mitreißend, abstoßend und sogar erschütternd.«

"Schwarze Sonne scheine ist riskant und provokativ, ein Drahtseilakt zwischen Wutgeheul und innerster Demut, mitreißend, abstoßend und sogar erschütternd."
Dominique Horwitz Die Welt

Rezensent Rene Hamann scheint bei der Lektüre von Albert Ostermaiers Künstlerroman "Schwarze Sonne scheine" geradezu Höllenqualen durchlitten zu haben. Mehrmals warf er das Buch "an die Wand", nur gutes Zureden seines Redakteurs brachte ihn dazu weiterzulesen, bekennt er. Ostermaier versuche, den schlimmen "sprachlichen Einfluss" der katholischen Kirche darzustellen, das Ergebnis sei leider kitschig-pathetischer Sprachschwulst, so der Hamann. Vielleicht sei der Einfluss der katholischen Kirche für Ostermaier von hoher biografischer Bedeutung, der Rezensent, der schon immer wusste, dass die katholische Kirche "böse" ist, lernt hier nichts neues.

© Perlentaucher Medien GmbH

»... man spürt auf jeder Seite dieser beklemmenden Geschichte und dieses packenden Romans, dass hier einer spricht, der mit Sprache nicht nur verführen, sondern selbst von ihr verführt werden will.«
Albert Ostermaier wurde 1967 in München geboren. Er gilt als ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Lyriker und Dramatiker der Gegenwart.
Viele seiner Gedichte und Theaterstücke sind in mehrere Sprachen übersetzt und gelangten zu internationalen Aufführungen.
1988 beginnt er erste Gedichte zu veröffentlichen und erhält zwei Jahre darauf mit dem Literaturstipendium der Stadt München seinen ersten Preis.
Das 1993 geschriebene und 1995 im Bayerischen Staatsschauspiel München uraufgeführte Stück Zwischen zwei Feuern.
Er wird Hausautor am Nationaltheater in Mannheim (Spielzeit 1996/1997), am Bayerischen Staatsschauspiel (Spielzeit 1999/2000) und am Wiener Burgtheater (Spielzeit 2003-2009).
Albert Ostermaier ist zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft und seit Mitte 2007 Kurator bei der DFB-Kulturstiftung. Er hat als writer in residence in New York gearbeitet und übernahm in den letzten Jahren Gastdozenturen an einigen deutschen Universitäten.
Als Künstlerischer Leiter verschiedener Festivals hat Albert Ostermaier großes Ansehen erlangt, zuletzt in den Jahren 2006 und 2008 beim Internationalen Brecht-Festival abc in Augsburg. Albert Ostermaier lebt und arbeitet in München. 2011 erhielt er den "WELT-Literaturpreis".

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