Fegefeuer - Oksanen, Sofi

Sofi Oksanen 

Fegefeuer

Roman. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates 2010 und dem Prix Femina in der Kategorie Ausländische Literatur 2010

Aus d. Finn.: Plöger, Angela
Gebundenes Buch
 
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Fegefeuer

Das international gefeierte Meisterwerk über Liebe, Verrat und Angst - vor allem vor der Gewalt der Männer.

Wer Äußerstes erlebt hat, ist auch Äußerstes zu tun im Stande - das zeigt dieser vielfach ausgezeichnete und hoch spannende Roman über zwei Frauen, die sich wie zufällig begegnen und die doch eine gemeinsame Geschichte verbindet.

Als Aliide Tru, eine alte Frau, die allein in einem Bauernhaus auf dem estnischen Land lebt, ein Bündel in ihrem Garten findet, das sich als junge Frau entpuppt, schluckt sie ihre Skepsis und Menschenverachtung herunter und nimmt Zara in ihr Haus auf. Zara ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie mit brutalster Gewalt zu Willfährigkeit gezwungen haben und ihr schon dicht auf den Fersen sind. Doch Zara sucht keineswegs so zufällig Unterschlupf bei Aliide, wie diese glaubt: Aliide könnte die Schwester ihrer Großmutter sein.

Während Zara noch Beweise für die Verwandtschaft sucht und nach einer Möglichkeit, Estland zu verlassen, fühlt sich Aliide von der jungen Frau bedroht: Zu oft musste sie Leib und Seele, Hab und Gut vor Eindringlingen schützen. In Rückblenden entsteht das immer schärfer werdende Bild einer Familientragödie, die fast fünfzig Jahre zuvor, als Estland von den Russen besetzt wurde, ihren Höhepunkt fand. Rivalität und Eifersucht, Scham, Schutzbedürftigkeit und vor allem Angst vor der Brutalität der Männer gegenüber den Frauen - das sind die Motive, die Aliide zu unvorstellbaren Entscheidungen zwangen.

Sofi Oksanen gelang mit diesem Roman, der in mehr als 25 Ländern erscheint und gerade in den USA gefeiert wird, der große Wurf. Atemlos vor Spannung liest man über das Schicksal zweier Frauen, die ganz unterschiedliche und im Kern doch vergleichbare Erfahrungen machen: Egal welches politische System auch herrscht, Opfer sind immer die Frauen.


Produktinformation

  • Abmessung: 211mm x 136mm x 35mm
  • Gewicht: 500g
  • ISBN-13: 9783462042344
  • ISBN-10: 3462042343
  • Best.Nr.: 29737839

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Thomas Steinfeld mochte diesen Roman nicht, der aus einem Theaterstück hervorgegangen ist und in Finnland bei seinem Erscheinen 2008 sehr enthusiastisch aufgenommenen wurde. Die finnisch-estnische Autorin Sofi Oksanen erzählt darin von Zara, die aus den Fängen russischer Zuhälter in ein estnisches Dorf zu ihrer Großtante Aliide flieht, und der Rezensent erkennt hier schnell eine Allegorie über politische Zuhälterei. Die Schilderungen erscheinen Steinfeld "grell und nah"- wenn er von der Autorin beispielsweise den Geruch der Achselhaare von Aliides verstorbenem Mann buchstäblich unter die Nase gerieben bekommt - und er meint sie als Strategie der "Überwältigung des Lesers" durchschauen zu können. Daneben sei das Buch aber auch eine Art "Geschichtsbuch" über das wechselvolle Schicksal des "geschundenen" Estlands, wie er betont. Oksanen feiere hier zum einen die "estnische Nation" und zum anderen "die Frau", stellt der Rezensent fest und spätestens hier wird ihm endgültig klar, dass es sich bei "Fegefeuer" um einen "Heimatroman in seiner reaktionären Variante" handelt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.10.2010

Du alte Fliege, wenn ich dich kriege

Von der Allgegenwart der Gewalt und dem weiblichen Talent zur Umkehr: Die schrille Erfolgsautorin Sofi Oksanen hat die traumatische Geschichte Estlands zur Familientragödie verdichtet.

Von Pia Reinacher

Schrill und intellektuell, knallig und ernsthaft: wer Bilder Sofi Oksanens betrachtet, ist erst einmal verblüfft über die widersprüchliche Selbstinszenierung dieser Schriftstellerin und Dramaturgin in der Öffentlichkeit. Halb düstere Gothic-Göttin, halb luftige Märchenfee oder extravagante Diva, setzt sich die finnisch-estnische Bestsellerautorin mit allen weiblichen Reizen in Positur. Die verfilzten Dreadlocks sind kunstvoll zu einem Kopfputz drapiert, Augen und Mund maskenhaft stark bemalt. Oft tritt sie in bis zum Boden wallenden Wickelkleidern auf, die mit roten Stöckelschuhen kombiniert werden. Nichts an dieser überreizten Inszenierung ist dem Zufall überlassen. Selbst der Riss im Bild scheint einkalkuliert. Die grünen Augen hinter dem Metallbrillengestell einer Musterschülerin blicken ruhig und kraftvoll auf die Welt. Und dieser entschlossene Blick setzt alle vorschnellen Einordnungen des …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.12.2010

Die Geschichte
der Frauen
Sofi Oksanens „Fegefeuer“
Sofi Oksanens Roman „Fegefeuer“, der dritte Roman der gleichermaßen finnischen wie estnischen Autorin, polarisiert. Er hat Begeisterung und heftige Ablehnung hervorgerufen. Begeisterung, weil hier eine Landschaft und ein Geschichtsraum vergegenwärtigt werden, den die meisten nicht kennen. Ablehnung, weil der Roman dem Leser dicht auf die Pelle rückt, ihn auch belehren will. Die lange, mehrstimmige Lesung bietet Gelegenheit, dass eigene Urteil noch einmal zu überprüfen ( Sofi Oksanen: Fegefeuer. Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Gekürzte Lesung von Katharina und Anna Thalbach, Julia Nachtmann, Heikko Deutschmann und Thomas Thieme. Hörbuch Hamburg, Hamburg 2010. 6 CD, 456 Minuten, 24,95 Euro ). Die Geschichte beginnt mit dem überraschenden Fund, der ungewollten Entdeckung der jungen Zara durch die alte Aliide, die auf dem estnischen Land als Bäuerin wohnt. Es braucht seine Zeit, bis die Schrecken zur Sprache kommen: die der sowjetischen Okkupation und die des Mädchenhandels. Die Zara der Julia Nachtmann wird der Hörer so schnell nicht vergessen, das berührende Ineinander von Abwehr, Verhärtung und Schutzbedürftigkeit.
jby
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Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Eine riesige Fliege plus lila Cover, ganz klar: Dieses Buch sorgt für Aufsehen. Und das nicht nur optisch. "Fegefeuer" hat in Finnland mittlerweile Bestsellerstatus erreicht und wird gerade auf internationaler Ebene bejubelt. Dessen finnisch-estnische Autorin Sofi Oksanen, 33 Jahre alt, befasst sich in jenem Roman intensiv mit der Geschichte Estlands: Anfang der 90er bekommt die alte, einsame Aliide Truu auf ihrem abgelegenen Gut unerwartet Besuch von Zara, einer aufgelösten jungen Frau. Aliide nimmt Zara auf, obwohl sie misstrauisch ist - zu oft war sie Verrat und Unterdrückung ausgesetzt. Zu oft hatte sie um ihr Leben kämpfen müssen. Derweil trägt auch Zara ein hartes Schicksal mit sich herum: Sie ist auf der Flucht vor ihren Zuhältern, die sie gewaltsam zur Prostitution gezwungen haben. Und sie ist auf der Suche nach der Schwester ihrer Großmutter, Aliide Truu, geborene Tamm. Mit Rückblenden, Tagebucheinträgen und Auszügen aus KGB-Unterlagen gelingt es Sofi Oksanen, ein peinlich genaues, berührendes Bild einer extremen Familientragödie zu zeichnen. In einem Land, das von einem Elend ins andere stolpert. Sie erzählt rasant, wenn es angemessen ist, und tiefgründig, wenn vonnöten. Und so verwandelt sie "Fegefeuer" in ein Statement für die unbeschreibliche Stärke der Frau. (ml)

"Mit einem Ton, der sich zwischen Ian McEwans Abbitte und den allerbesten Schriftstellern Europas bewegt, verspricht dieser bittere Edelstein großartige Dinge von der talentierten Sofi Oksanen." Kirkus Reviews

"Mit einem Ton, der sich zwischen Ian McEwans ,Abbitte' und den allerbesten Schriftstellern Europas bewegt, verspricht dieser bittere Edelstein großartige Dinge von der talentierten Sofi Oksanen."

Rezensent Andreas Breitenstein ist von diesem Roman schlicht hingerissen. Das weit gefasste Thema, die literarische Umsetzung - im fällt dazu nur ein Vergleich ein: Pasternaks "Doktor Schiwago". Sofi Oksanen verarbeitet in ihrem Familienroman die ganze tragische Geschichte Estlands im 20. Jahrhundert. Der Einmarsch der Russen 1940 und die beginnende Gleichschaltung, der Russlandfeldzug der Deutschen, den viele Balten unterstützten, weil es eben gegen die Russen ging. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden viele Esten deportiert. Darunter befanden sich auch solche, die sich an der Vernichtung der Juden beteiligt hatten. Dies alles und mehr packt Oksanen in ihren Roman, der in den Zeitabschnitten 1939 bis 1951 und 1991 bis 1992 spielt, erzählt Breitenstein. Die Hauptfiguren sind zwei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Art traumatisiert sind. Doch sind es nicht einfach Opfer, sondern schuldbeladene Opfer. Breitenstein ist hoch beeindruckt, mit welcher Dichte Oksanen Szenen und Figuren beschreibt. Kein Wunder, war der Roman doch eigentlich zuerst ein Theaterstück. Von dieser Autorin erwartet Breitenstein jedenfalls noch "galaktische Ereignisse".

© Perlentaucher Medien GmbH
Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Sofi Oksanen ist verheiratet und lebt in Helsinki. 2013 wurde sie mit dem "Nordic Prize" ausgezeichnet.

Kundenbewertungen zu "Fegefeuer" von "Sofi Oksanen"

5 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.8 von 5 Sterne bei 5 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(4)
***** sehr gut
 
(1)
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Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 04.02.2013 ***** ausgezeichnet
Es ist lange her, seit ich das letzte Mal solch ein faszinierendes, wenn auch heftiges Buch in den Händen halten durfte. Der meiner Ansicht nach zurecht vielfach ausgezeichneter Roman erzählt die Geschichte einer einsamen alten Frau, die während des zweiten Weltkriegs in der Estnischen Sowjetrepublik furchtbares erleben muss und die die Geschehnisse rückblickend verarbeitet. Der Roman ist zwischen 1936 bis 1992 angesiedelt, die Zeitsprünge die der Leser bei jedem Kapitel erfährt, wecken tiefe und widersprüchliche Gefühle, nebenbei lernt man etwas über die Geschichte des besetzten Estlands kennen, über die kommunistischen Ideologien und deren Lücken.

Der finnischen Autorin gelingt es eine unbeschreibliche Atmosphäre zu schaffen, teilweise hält man den Atem an, die Hände werden feucht und das Herz rast. Die Ereignisse werden mit solch eindringlicher Härte niedergeschrieben, dass man oft das Buch erschöpft zur Seite legen muss. Frau Oksanen mutet uns diese Brutalität zu, zwar geht sie nicht bis zum Letzten , entlässt jedoch den Leser mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Dieses Buch werde ich mit Sicherheit noch einmal lesen.

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Bewertung von klara tumpach aus Jena am 05.01.2013 ***** ausgezeichnet
Eine Familiengeschichte erzählt über drei Generationen und vier politischen Systemen. Neben einigen geschichtlichen Fakten eines kleinen Landes am Rande Europas, werden mögliche Verstrickungen innerhalb einer Familie mit den Zuständen in den Diktaturen des 20. Jh. verbunden. Ganz aktuell werden die Probleme einer jungen Generation nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems beschrieben. Der Aufbruch in eine neue Ära mit den Erfahrungen und sozialen Prägungen aus einer untergegangenen Zeit erzeugen bei den 2 Protagonistinnen , wie nicht anders zu erwarten, ganz unterschiedliche Verhaltensweisen.
Ein spannend geschriebenes, mit teilweiser brutaler Sprache bei der Darstellung unvorstellbarer Geschehnisse. Man gerät in einen Sog von Geschichten, die den Lesern packen und z.T. schon vermuten lassen, dass einige Abgründe bevorstehen.
Der Leser kann Zusammenhänge innerhalb einer Familie erkennen, die den handelnden Personen wahrscheinlich für immer verborgen bleiben. Das erzeugt eine ungeheure Spannung und macht den Leser zu einem ungewollten Mitwisser.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Liisi am 14.12.2011 ***** ausgezeichnet
Das beste Buch, dass ich je gelesen habe. Und ich dachte politsches würde mich wenig interessieren... falsch gedacht. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen. Man versetzt sich voll und ganz in diese Geschichte rein, man will das Buch nicht zur Seite legen, man kann die Handlungen, Ängste und Gedanken der beiden Frauen voll und ganz nachvollziehen, man denkt über die Geschichte nach auch wenn man mit total anderen Dingen als Lesen beschäftigt ist. Dieses Buch regt stark zum Nachdenken an und sowas ist eine sehr gelungene Nebenwirkung! :)

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Bewertung von Didi aus Helsinki am 06.11.2010 ***** ausgezeichnet
Unbestreitbar ein lesenswerter Roman! Was ein gewisser Thomas Steinfeld glaubte, dazu absondern zu müssen, ist abstoßend. Statt sich mit der im Roman thematisierten politischen Situation in einem von den Russen unterdrückten Land zu befassen, diffamiert er den Text als "Heimatroman". Das liegt auf einer Linie mit der Verherrlichung der Sowjetunion und ihrer Satelliten zur Zeit des Stalinismus. Pfui! Sollte das Aussehen der Autorin T.S. provoziert haben, so liegt auch das durchaus im Trend der stalinistisch-maoistischen Ideologie: Einheitskleidung, Einheitsdenken und Männerherrschaft...

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Bewertung von Max aus Penzberg am 20.08.2010 ***** sehr gut
Sofi Oksanen hat mit "Fegefeuer" einen Roman geschrieben, der wahrlich unter die Haut geht.
Die alte Aliide Tru findet auf 1992 auf ihrem Hof in Estland eine verwahrloste junge Frau, Zara. Während sich die beiden annähern, wird schnell klar, dass Zara vor ihrem Mann und seinen Misshandlungen geflohen ist. Alliide weiß nicht, ob sie der jungen Frau trauen kann, hat sie doch selbst vor 50 Jahren ihre Erfahrungen mit den russischen Besatzern gemacht.
Mal lakonisch, mal mit herb-abstoßendem Ton erzählt Sofi Oksanen das Leben der beiden Frauen. Sehr gute Lektüre.

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