Der Sohn des Akkordeonspielers - Atxaga, Bernardo

Bernardo Atxaga 

Der Sohn des Akkordeonspielers

Roman

Aus d. Span. v. Matthias Strobel
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Der Sohn des Akkordeonspielers

Als Joseba nach über zwanzig Jahren seinen Jugendfreund David in Kalifornien wiedersieht, müssen die beiden sich erst an ihre gemeinsame Vergangenheit herantasten - zu viele offene Fragen stehen zwischen ihnen, zuviel Verheimlichtes, Unausgesprochenes. Als ehemalige Mitglieder der baskischen Untergrundorganisation haben sie zwar Abstand gewonnen zu ihren Verstrickungen von damals, doch lasten quälende Schuldgefühle auf ihnen - Schuldgefühle angesichts eines Verrats, von dem sie beide wissen, daß er notwendig war. Wie war es dazu gekommen, daß sie, die jugendlichen Freunde und späteren Studenten, in den Bannkreis der militanten baskischen Idee gerieten? Sie müssen ins reine kommen mit ihrer Vergangenheit, die sie auseinandergetrieben hat und die erst im Angesicht von Davids nahem Tod ihre Macht über sie verliert. Es ist eine beklemmende, zunehmend dramatische Geschichte, und Atxaga erzählt sie ebenso eindringlich wie differenziert. Denn hinter dem Gewissenskonflikt, den David und Joseba durchmachen müssen, liegt die ganz andere Geschichte ihrer unwiderruflichen Entfernung aus dem, was ein ländliches Paradies sein könnte. Wie konnte es geschehen, daß aus den musisch begabten, zweifelnden Jugendlichen, die sie waren, militante Aktivisten der ETA wurden? Daß der eine dafür seine erste große Liebe verriet; daß der andere in ein zwielichtiges Verhältnis zu all seinen ehemaligen Freunden geriet? Welchen menschlichen Preis mußten sie zahlen? Und wer, vor allem, hat damals im Jahr 1976 das Kommando verraten, dem sie beide angehörten?


Produktinformation

  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 460 S.
  • Seitenzahl: 460
  • Best.Nr. des Verlages: 17311
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 128mm x 30mm
  • Gewicht: 554g
  • ISBN-13: 9783458173113
  • ISBN-10: 3458173110
  • Best.Nr.: 20840515
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.07.2007

Im Tal der glücklichen Bauern
Ein Skandalbuch: Bernardo Atxaga verklärt das Baskenland

Baskisch wird heute von rund einer Million Menschen in Spanien und Frankreich gesprochen und gelesen. Für eine kleine Minderheit davon - nicht alle Basken lesen Bücher - schreiben die Autoren, die muttersprachlich das Euskera, das Baskische, benutzen. Der bekannteste und am meisten übersetzte, ausgezeichnet mit den wichtigsten Literaturpreisen Spaniens, ist Bernardo Atxaga, der viel zum Entstehen einer neuen baskischen Literatursprache beigetragen hat. Ein anderer, schon verstorbener Erzähler war Mario Onaindía. Im berüchtigten Burgos-Prozess als Eta-Aktivist zum Tode verurteilt und dann von Franco begnadigt, war er später einer der wichtigsten unter den gemäßigten Politikern im Baskenland, der an der Seite der spanischen Sozialisten für die Autonomierechte des Baskenlandes kämpfte.

Auch Bernardo Atxaga, geboren 1951 in einem Bergtal nicht weit von San Sebastián, klammert den Eta-Terrorismus nicht aus seinen Werken aus. In Romanen wie "Ein Mann allein" (Unionsverlag) oder wie in "Das Fenster zum Himmel" (Suhrkamp) geht es um Eta-Aktivisten, welche …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ein politisch durchaus noch heikles Thema hat sich Bernardo Atxaga vorgenommen und einen Entwicklungsroman über die Genese eines baskischen Terroristen gewagt. Albrecht Buschmann räumt ein, dass die inhaltliche Brisanz vor allem durch Atxagas letztlich verharmlosende Idealisierung einer "sauberen ETA" kritischen Stimmen nicht gerade den Wind aus den Segeln nehme, in literarischer Hinsicht jedoch mehr als gelungen sei. Eine "feinsinnig gewobene" Verknüpfung verschiedener Erzählebenen wie motivischer Szenen machen für den Rezensenten die Stärke des Buches aus, das den großen Bogen politischer Entwicklungen wie die letzten Jahre der Franco-Diktatur im Schicksal des Sohnes, später Studenten und schließlich Untergrundkämpfers zwar ideologisch riskant, doch durchweg spannend zu verbinden weiß.

© Perlentaucher Medien GmbH
Bernardo Atxaga, geb. 1951 im baskischen Ort Asteasu (Provinz Guipuzcoa), studierte Wirtschaftswissenschaften und veröffentlichte bereits mit zwanzig Jahren sein erstes Buch. Mit Kinderbüchern, Gedichten und Romanen gewann er in seiner baskischen Heimat große Popularität.

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