 | Besprechung von 26.04.2009 |
Die Vermessung des BlutmeridiansRobert Olmstead und sein großer Roman "Der Glanzrappe"Was ist das - Stil? Kann man es irgendwo herunterladen? Lässt es sich in Schreibkursen lernen? Oder bringt man es aus der Kindheit mit? In Deutschland jedenfalls hat die Sache keinen guten Stand; "Stilist" ist hier ein Schimpfwort für Leute, die nicht genug erlebt haben. Wer wirklich etwas zu sagen hat, braucht keinen Stil, sondern Schreibe: den Wörtersound für die "Feuchtgebiete"-Generation. Auf zynische Weise gibt der Literaturbetrieb dem kritischen deutschen Hausphilosophen Theodor Adorno recht, der jeglichen Stil schon vor fünfzig Jahren für erledigt ("liquidiert", schrieb der Stilist Adorno) erklärte. Immerhin machte er sich noch die Mühe einer Begriffsbestimmung: "Konventionen im Stande ihrer wie immer schon schwanken Ausgleichung mit dem Subjekt heißen Stil." Ach.
Vielleicht muss man Stil aber auch gar nicht definieren. Man erkennt ihn beim Lesen. Proust hat ihn. Thomas Mann hat ihn. Grass und Walser und Handke haben ihn nicht, sie haben einen Ton. Koeppen hat ihn. Und Kehlmann. Und Mosebach. Und Robert Olmstead.
"Am Abend des 10. Mai …
"Ein Roman wie ein Naturereignis, wie ein dunkler Johnny-Cash-Song (...) 'Der Glanzrappe' erzählt eine bewegende, schrecklich schöne Geschichte, aber erst die Kraft seiner Sprache, die Intensität seiner Bilder haben in zu einem der großen Romane unserer Zeit gemacht" (Welt am Sonntag, Martin Lüdke, 13. Dezember 2008)
"Mit kargen, fast bockigen Dialogen und nüchtern-trockenen Gedankenbildern wird dieser Werdegang geschildert, pragmatisch und doch mit einer ungemein poetischen Kraft. Olmstead erzählt souverän, erklärt nichts und lässt den Leser die Leerstellen füllen, die er bewusst setzt. So schreibt ein sehr selbstbewusster Schriftsteller, der an seine Leser glaubt und sie teilhaben lässt an der Kunst des Erzählens. An den Träumen eines Jungen, der das schönste Pferd auf der Welt reiten darf, die schlimmsten Alpträume seines Lebens übersteht und daraus seine ureigenen Lehren zieht." (Deutschlandradio, Georg Schmidt, 24. Juli 2008)
"Einer der schönsten Romane dieser Jahre" (Focus, 8. Dezember 2008)
"Auf die Idee, dass auch historische Stoffe seriöse Literatur werden können, ist hier (außer dem erwähnten Daniel Kehlmann mit seiner 'Vermessung der Welt') schon lange keiner mehr gekommen. Deshalb ist es so wichtig, Olmstead zu lesen: Weil man bei ihm in die Schule der Geschichte geht." (Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. April 2009)
"Der glänzende Stilist Robert Olmstead hat einen Adoleszenzroman geschrieben, der das bis heute andauernde Trauma einer Nation in ebenso eindrucksvolle wie schreckliche Bilder fasst ... ein Roman, dessen Sprache, Figuren und Bilder man nicht mehr vergisst." (Mirko Bonn", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. März 2009)
"Robert Olmstead hat einen erschütternden Roman über den amerikanischen Bürgerkrieg geschrieben." (Die Zeit, Franz Lettner, 23. Dezember 2008)
"Selten wurde das Grauen des Krieges, das Sterben auf dem Schlachtfeld eindrucksvoller beschrieben als hier. Ein Roman, der sich durchaus mit den besten Büchern Cormac McCarthys messen kann." (Journal Frankfurt, Nr. 16/2008)
"Dicht stehen die Sätze, dunkel und durchglüht von poetischen Bildern: Und trotz des kruden Themas hat der Roman etwas Verzauberndes, Schwebendes. So, wie Nebel schwebend ist: wundersam und naturgegeben. Und wenn er sich lichtet, in diesem Buch, gibt er Unvorstellbares frei. Man fühlt sich beim Lesen oft wie auf einer Fahrt durch die Geisterbahn: Doch die Gespenster sind echt." (Badische Zeitung, Ingrid Mylo, 25. Juli 2008)
"Mit ungemein poetischer Kraft, kargen, eindringlichen Sätzen schildert der Autor die Geschichte des jungen Robey, der in der unmenschlichen Grausamkeit des Amerikanischen Bürgerkriegs erwachsen wird und seine Menschlichkeit trotzdem nicht verliert." (Schweizer Familie, 18. September 2008)
" ... eine Lektüre mit Langzeitwirkung." (Süddeutsche Zeitung, Christoph Schröder, 25. September 2008)
"Robert Olmstead schreibt edel und einfach, er hat Mut zum Pathos und zum kräftigen Symbol." (Die Welt, Wieland Freund, 18. Oktober 2008)
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Rezensent Christoph Schröder ist hin und weg von Robert Olmsteads Roman über den amerikanischen Bürgerkrieg. Für ihn ist er weniger ein Antikriegs- als ein "Antimenschheitsroman", ein Endzeitroman: die historischen Ereignisse werden irrelevant, die grundsätzliche Erkenntnis menschlicher Destruktivität sei sein Hauptanliegen. Das Buch erzählt "sprachlich atemberaubend", lesen wir, von der Veränderung, die ein 14-jähriger Junge durchmacht, als er durch die vom Krieg verwüsteten Südstaaten reitet, um seinen Vater zu suchen. Es ist vor allem die Sprachkraft des Autors, die Schröder beeindruckt hat. In der Darstellung des Dunklen und Unheimlichen liegt für ihn Olmsteads Stärke, dieser setze eine "plötzliche Kraft" frei, mit der er "apokalyptische Szenarien" überzeugend herbeibeschwöre. Schröder vergleicht Olmstead gar mit Cormac McCarthy. Nur das "Happy-End" hat ihm nicht gefallen.
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 | Besprechung von 25.09.2008 |
Gott ist zu müde, um seine Arbeit zu machen
Ein düsterer Ritt durch die Gewaltlandschaften des amerikanischen
Bürgerkriegs: Robert Olmsteads Roman „Der Glanzrappe”
Ganz unspektakulär fängt alles an, am Abend des 10. Mai 1863. Die
Mutter ruft Robey zu sich. „Reite los und finde deinen Vater, hol
ihn zurück nach Haus”, sagt sie, und das klingt so einfach, wie es
in Wahrheit unmöglich ist. Der Vater kämpft für die Konföderation
im Amerikanischen Bürgerkrieg; General Thomas Jackson ist an diesem
Tag gestorben; die Niederlage der Südstaaten zeichnet sich ab.
Robey tut, wie ihm geheißen wird. Er lässt sich den Weg
beschreiben, sattelt ein Pferd und reitet los. Er denkt daran, was
man ihm gesagt hat, als er 12 Jahre alt war: Dass er alt genug sei,
um das Land zu bestellen, aber noch nicht alt genug, um dafür zu
sterben – „um für sein Land zu sterben, müsse er mindestens
vierzehn sein. Jetzt war er vierzehn.”
Es wird ein Ritt werden in das Herz der Finsternis, eine sprachlich
atemberaubende Tour durch Gewalt, Tod und Niedertracht. Die denkbar
schlimmste Bildungsreise. Der Weg, den Robey zurücklegt, ist von
Gefahren gespickt, die allesamt …
"Zahllose Bücher, historische und populärwissenschaftliche Werke, aber auch Belletristik, sind über diesen von 1861-65 tobenden Krieg geschrieben worden. Noch nie aber wurden dessen Greuel mit einer derart poetischen Grausamkeit von geradezu goyahafter Kraft dargestellt wie in dem Roman"Der Glanzrappe"..."(Deutschlandradio, Georg Schmidt, 24. Juli 2008)
»Ein Roman von lyrischer Intensität und magisch dunkler literarischer Kraft, ein schwarzes Epos, dem man sich nicht entziehen kann.« Eva Bauer, KulturInfo Oktober 2011
Robert Olmstead wurde 1954 geboren und wuchs auf einer Farm in New Hampshire auf. Er unterrichtet Creative Writing an einem amerikanischen College, hat aber auch als Tellerwäscher, Teppichleger und Englischlehrer gearbeitet, Vieh gezüchtet und eine Baufirma betrieben. Darüber hinaus ist er Autor mehrerer hochgelobter Romane.