Amsterdam und zurück - Moor, Marente de

Marente de Moor 

Amsterdam und zurück

Roman

Übersetzung: Hüsmert, Waltraud
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Amsterdam und zurück

Es ist ein ganzer Haufen Russen, den es zu Beginn der Neunziger in Amsterdam an Land gespült hat. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr, die Grenzen sind durchlässiger geworden, aber Heimweh ist trotzdem ein Thema für diese Jungs, denen Puschkin-Büsten und Salzgurken inneren Halt geben, die ihre Tage auf dem pittoresken Rembrandtplein verbringen, wo sie Aquarelle an die Touristen verscherbeln, und ihre Nächte dem Studium des Wodkas widmen. Witali Kirillow ist einer von ihnen, der Mann mit den meergrünen Augen. Längst ist sein Visum abgelaufen, seit dem Tag, an dem er "illegal" wurde, fährt er vorsichtshalber in der Straßenbahn nicht mehr schwarz.

Doch das ist nicht das einzige Delikt in Witalis Leben. Acht Jahre zuvor, als Offizier an der sowjetisch-finnischen Grenze, hinderte er einen Kameraden nicht daran, sich in den Westen abzusetzen. Von der Familie gutmütig als "das größte Loch im eisernen Vorhang" verspottet, wurde er von der Armee hart bestraft. Seitdem läßt der Gedanke an den Flüchtling Witali nicht mehr los. Und schließlich, unterstützt von der rasant-energischen Jessie, macht er sich auf, um herauszufinden, was aus ihm geworden ist.

Nur zwei, drei Pinselstriche braucht Marente de Moor, um in ihrem Debütroman die unterschiedlichsten Viertel Amsterdams lebendig werden zu lassen und vor allem die russische Szene der Stadt zu porträtieren: lauter Charakterköpfe, die - hochsympathisch und besorgniserregend tiefgründig - ganz nebenbei verhandeln, was Grenze, was Identität, was Heimat bedeutet.

"Ein mitreißendes Bild - manchmal herrlich komisch, manchmal voller Nostalgie - von einem ungebärdigen Pulk Russen, die wie Schiffbrüchige in Amsterdam gestrandet sind." -- Haarlems Dagblad


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 300 S. 204 mm
  • Seitenzahl: 284
  • Best.Nr. des Verlages: 42184
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 131mm x 33mm
  • Gewicht: 396g
  • ISBN-13: 9783518421840
  • ISBN-10: 3518421840
  • Best.Nr.: 29741483

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nichts Besonderes findet Rezensent Jochen Schimmang an diesem Roman von Marente de Moor. Dabei gibt sich die Autorin alle Mühe und entfaltet mit ihrem Hintergrundwissen über die osteuropäische Amsterdamer Boheme ein figurensattes, buntes, um nicht zu sagen an allen Enden zerfaserndes Panorama. Nur wozu? Schimmang jedenfalls verliert irgendwann die Lust an all den libertären Party-Szenen und dem so freimütig geteilten Insiderwissen der Autorin. Die paar klugen Sätze und Momente (ein Zoobesuch, ein Sprachkurs!) helfen auch nicht weiter. Für den Rezensenten ist und bleibt das Buch eine ziemlich langweilige Angelegenheit.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.12.2010

Vergiss Amsterdam!
Marente de Moors Debütroman über russische Migranten
Sie kommen aus dem Nichts. Sie überschwemmen die Plätze Amsterdams mit kitschigen Bildchen von grellbunten Brücken und Fahrrädern, leuchtenden Fassaden und Grachten. Da stehen sie dann, blinzeln verächtlich in den hellen Tag hinein und scheinen sich mit den letzten Sonnenstrahlen in Luft aufzulösen. Bis zum nächsten Morgen. Marente de Moor heftet sich an die Fersen eines aufdringlich präsenten, von den Einheimischen konsequent ignorierten Berufsstandes und begleitet die exilrussischen Andenkenhändler abends in ihre wodkadunstigen Diaspora-WG-Küchen.
In ihrem Debütroman „Amsterdam und zurück“ lässt die niederländische Autorin ihre Hauptfigur Witali – Russe, Mitte zwanzig, zum ersten Mal im Westen – in ein postsowjetisches Panoptikum stolpern: mitten im Amsterdam der frühen neunziger Jahre und doch fernab des niederländischen Alltags. Solche Parallelgesellschaftsszenarien bergen oft die Gefahr, nur allzu bekannte Klischees wiederzukäuen. De Moor lässt sich davon nicht schrecken. Sie spart weder an alkoholschwerer Wehmut, noch an nostalgischem UdSSR-Nippes und …

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"Ein mitreißendes Bild manchmal herrlich komisch, manchmal voller Nostalgie von einem ungebärdigen Pulk Russen, die wie Schiffbrüchige in Amsterdam gestrandet sind." (Haarlems Dagblad)

"Marente de Moor erfasst das Russisch-Sowjetische von innen heraus. Alles, was dazugehört, rafft sie zusammen - von Puschkin bis zur Pilzsuppe, dem Mitternachtstrolleybus und der Geschichte der KPdSU." (Irmtraumd Gutschke, Neues Deutschland)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.03.2011

Das Leben der osteuropäischen Boheme

Doppelte Landeskunde: Die niederländische Autorin Marente de Moor erzählt in ihrem Debütroman "Amsterdam und zurück" von Exilrussen in Holland voller Heimweh.

Es fängt vielversprechend an. Wir schreiben das Jahr 1993, und Witali liegt im Schlafwagen und träumt zum wiederholten Male die entscheidende Szene seines bisherigen Lebens. Als Grenzsoldat hat er damals einen Kameraden über die finnische Grenze entkommen lassen, einfach nicht reagiert und ist danach degradiert und strafversetzt worden. Eigentlich ist das Schnee von gestern, im wahrsten Sinn des Wortes, denn die Flucht ereignet sich im tiefsten Schnee. Aber das Bild, wie der andere mit seinen Skiern nach Finnland hinübergleitet, lässt ihn nicht los. Nun ist Witali auf dem Weg in den Westen, zu seinem Cousin Ilja in Amsterdam, ausgestattet mit einem Riesencarepaket der Mama. Am Ende des Romans wird er sich, auf der Suche nach dem Soldaten von damals, auf den Rückweg nach Russland machen, als blinder Passagier auf einem Kreuzfahrtschiff. Das Heimweh all der Amsterdamer Russen hat auch ihn gepackt.

Das ist gleichsam die Klammer des Romans. Deren …

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»Herausgekommen ist ein Romandebüt, das zwischen bunter Folklore und fotografisch genauer Beschreibung pendelt - mal kräftig-farbenfroh wie die Gemälde von Jawlensky und dann wieder leicht rätselhaft und vergeistigt wie ein Malewitsch-Bild.«

"Marente de Moor erfasst das Russisch-Sowjetische von innen heraus. Alles, was dazugehört, rafft sie zusammen - von Puschkin bis zur Pilzsuppe, dem Mitternachtstrolleybus und der Geschichte der KPdSU." (Irmtraumd Gutschke Neues Deutschland)

»Marente de Moor erfasst das Russisch-Sowjetische von innen heraus. Alles, was dazugehört, rafft sie zusammen - von Puschkin bis zur Pilzsuppe, dem Mitternachtstrolleybus und der Geschichte der KPdSU.«
Marente de Moor, geboren 1972, lebte nach ihrem Studium der Slawistik mehrere Jahre in St. Petersburg, wo sie Theaterwissenschaft studierte und als Korrespondentin für De Groene Amsterdammer arbeitete.

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