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Bewertung von Bücherwurmolli aus Nürnberg am 12.05.2011 ***** sehr gut
Mehr Realität als Literatur

Was für ein Buch ! Das muss ich gleich zu Anfang sagen, denn ich habe nach der Leseprobe, wie viele andere, nicht viel erwartet. Das Buch schien wirklich leicht öde, jedoch wurde ich eines Besseren belehrt. Das Buch war grandios!

John le Carre´ versteht etwas vom Schreiben, dass ist wohl klar, jedoch kenne ich keinen anderen Autor, welcher die Charaktere für sein Buch mit so viel Liebe und Hingabe gestalltet, wie er es tut. Ich liege teilweise immernoch nachts wach in meinem Bett und denke darüber nach, wie es wohl Perry, dem Oxford Dozenten, welcher mit seiner Frau Gail nichtsahnend einen Urlaub buchte, um zu entspannen, geht.

Doch fangen wir von forne an. Perry ist ein Oxford Dozent und lehrt das Fach Englisch. Er ist unzufrieden mit seinem Job und da es ihm im Moment eh nicht sehr gut geht, bucht er für seine Freundin Gail und sich einen Urlaub in einem luxuriösen Tennisresort. Als er Dima, einen russischen Mafiosi kennenlernt, wirkt sein Leben von einem Moment auf den anderen nichtmehr annähernt langweilig. Dima ist ein Todeskandidat. Er hat die Mafia verraten und will nun kurz vor seinem Tod die Beichte bei einem englischen Geheimdienst ablegen. So spricht er Perry an und informiert in über seine Geschäfte. In England zurück verständigt Perry den Geheimdienst und es beginnt eine Zeit der Verhöre, Verfolgungen und der Angst.

Wie le Carre` seine Bücher schreibt, ist eine Klasse für sich. Er scheut keine Zeit und Mühe, wie es scheint, um dem Leser die Situation möglichst verständlich und aus mehreren Blinkwinkeln zu schildern. So welchselt oft die Erzählperspektive von Perry zu Gail, zu Dima oder zu Luke. Alle Charaktere wirken bis aufs letzte Detail perfektioniert und genau richtig an ihrem Platz. Ein weiterer Pluspunkt liegt darin, dass le Carre` das Ende des Buches offen lässt. Ist das Flugzeug mit dem freien Dima an Bord wiklich abgestürzt? und wenn ja warum ? So sollte es sein ! die Fantasie des Lesers sollte gefordert sein, damit jeder Leser sein eigenes "persönliches" Ende findet.

Insgesammt hat dieses Werk vier Sterne verdient, da man wirklich eine Zeit lang braucht, um sich in der Situation zurecht zu finden. Vor allem die häufigen Rückblenden, Pespektivwechsel und Ortswechsel mögen wohl literarische Meisterlistungen sein, jedoch sind diese für den "Ottonormalleser" schwer verständlich.

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Bewertung von anyways aus greifswald am 04.02.2011 ***** ausgezeichnet
Gail und Perry ahnen nicht, in welche Abenteuer ihr Tennisurlaub auf der Karibikinsel Antigua enden soll. Abenteuer haben sie indes aber bitter nötig. Perry ist 30 und mit seinem Leben als Dozent am Oxforder College sehr unzufrieden. Gail hingegen ist als Juristin beruflich völlig ausgelastet. Sie stellt sich lediglich die Frage nach der Zukunft ihrer Beziehung zu Perry. Trennen sie sich oder wird geheiratet?

Gleich am ersten Tag auf der Sonneninsel lernen sie den Russen Dima kennen. Er arrangiert ein Herrenmatch für sich und Perry, Gail hat indes viel Zeit sich Dimas Familie näher anzusehen. Da gibt es die etwas deplaziert wirkende Tamara, die derzeitige Ehefrau, sie sieht verhärmt aus und ist sehr gottesfürchtig. Natascha ist Dimas Tochter aus erster Ehe, sie ist bildschön und klug. Seine Zwillingssöhne sind hellauf begeisterte Sportfans und die beiden kleinen Nichten umgibt eine Aura der Trostlosigkeit. Gail entdeckt sofort Muttergefühle und Perry reift zum Beschützer, erst recht als die Wahrheit über das Vermögen des Russen an Licht kommt. Dima ist der Geldwäscher Nr. 1 für ein russisches Syndikat und er will Aussteigen. Was liegt da näher, sich mit Perry und Gail, den beiden Engländern, anzufreunden, und sie um diesen winzigen Gefallen des Überlaufens zu bitten?



Perry lässt sich auch nicht lange bitten, winkt doch ein Agentenposten, ehrenhalber.

Kaum in London angekommen, schaltet er auch sofort den britischen Geheimdienst ein…





John le Carré in Reinkultur.

Der Roman wird größtenteils von den beiden Hauptprotagonisten wie im Verhörstil, sachlich, nüchtern und manchmal sehr distanziert erzählt.

Minutiös, so scheint es, schildern sie ihren Urlaub, die Ankunft in London, die Kontaktaufnahme mit dem Geheimdienst und die Planung zur Befreiung Dimas Familie aus den Klauen der russischen Mafia.

Mit Spannung verfolgt der Leser der ganzen Vorbereitung, immer auf der Hut vor eventuellen Rückschlägen. Viel zu spät wird ihm die Manipulation durch den Autor bewusst, denn die Zusammenhänge dieses komplexen Romans erschließen sich erst viel später, lange nach dem Lesen. Umso treffender finde ich die Wahl der deutschen Übersetzung des Buches- „Verräter wie wir“.

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Bewertung von lenchen_196 aus Bayern am 08.01.2011 ***** sehr gut
Verräter im Osten und Westen

Das neue Buch vom Bestsellerautor John le Carre wirkt schon bei der Aufmachung sehr solide und verspricht gute Unterhaltung.
Das goldene Cover sieht edel aus, das Papier ist dick und wirkt teuer, was den allgemeinen Eindruck von dem Buch noch mehr steigen lässt.
Inhaltlich ist der neue Roman von John le Carre eben ein Roman und kein Action-Krimi. Mann muss genau aufpassen, wer was sagt und wer was macht, um alle Stränge richtig zu zuordnen. Denn nur diejenigen, die aufmerksam der Geschichte folgen, können die Intrige letztendlich verstehen. Alle Kleinigkeiten und Untertöne spielen auch große Rollen im Plot. Das ist typisch für den Autor, genau so wie sein Stil, sarkastisch und detaillästig. Die Handlung entwickelt sich nicht rasant, wie man vielleicht von einem Spionage-Thriller erwarten kann. Dafür mangelt es nicht an Dialogen, inneren Zweifeln und Überlegungen, Verhörsberichten und Familienszenen.

Dima, einer der Hauptfiguren der russischen Mafia, Spezialist für Geldwäscherei, wird langsam in den höheren Kreisen des organisierten Verbrechens immer mehr unerwünscht. Es geht jetzt um sein Leben. Um seine Familie und sich selbst zu schützen, hofft er auf die Rettung im Westen. Er knüpft Kontakte zu einem englischen Urlauber-Pärchen und mit dessen Hilfe zu den Agenten in London. Sein ganzes kriminelles Wissen bietet er für die Möglichkeit friedlich in England leben zu können an. Der britische Geheimdienst freut sich darüber, aber er freut sich zu früh. So einfach lässt die Mafia seinen Feind nicht gehen. Und auch in England gibt es Leute, die kein Interesse daran haben, Dimas geheime Informationen lüften zu lassen. Die Intrige ist also mehrschichtig, viele Fäden ziehen sich dorthin, wo keiner sie erwartet…
Die Handlung wechselt ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die Spannung wächst von Seite zu Seite. Das Ende kommt aber eher erwartet vor, ich zumindest hatte schon nach der Hälfte der Geschichte eine böse Ahnung, dass es genau so enden wird.

Wie alle seine „Auslands“-Romane, ist dieser auch gut von le Carre recherchiert, es gibt fast nichts auszusetzen. Das einzige, was mir negativ aufgefallen ist, ist dass der Autor „Dimas“ als Bezeichnung für die ganze Familie verwendet, was immerhin falsch ist, weil Dima nur ein Vorname ist und nach einem Vornamen (wenn auch des Oberhauptes) nennt man in Russland nie eine Familie. Allerdings stammt der Klappentext an dem Cover bestimmt nicht von dem Autor selber, mit der Erwähnung des Gulags, wo Dima sich angeblich an die Spitze der Mafia hochgearbeitet hat. Ist Gulag für den Schreiber dieses Textes der russische Knast im Allgemeinen? Gulag existierte seit 1960 nicht mehr, und in dieser Zeit hatte Dima bestimmt noch einen Schnuller in der Hand und kein schmutziges Geld zum Waschen. Nun ja, das sind nur Kleinigkeiten, die das Interesse am Buch nicht schmälern.
Der Roman regt zum Nachdenken an und ist empfehlenswert für alle, die in einem Spionage-Thriller nicht unbedingt nur Action sehen wollen.

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Bewertung von Julz aus Hildesheim am 18.12.2010 ***** ausgezeichnet
In John le Carrés neuem Roman ,Verräter wie wir' trifft der Protagonist und Erzähler Perry auf den russischen Mafioso Dima, der sich aufgrund eines Verrats in England aufhält. Dima will an seinen früheren Kollegen Verrat ausüben und sieht sich in einem anderen Land in Sicherheit und außerhalb der Reichweite der Mafia.

Zunächst beginnt der Roman entspannend und der Leser bleibt nichtsahnend. Als Perry mit Dima eine Partie Tennis spielen, wird Dima zwar in die Geschichte eingeführt, aber seine Schlüsselrolle immer noch im Geheimen gehalten. Erst langsam lässt der Meister der Spannung le Carré etwas durchblicken und den Leser über die Figur Dima erfahren.

Sprachlich und inhaltlich ist der Roman durchaus gelungen - wer hätte etwas anderes gedacht? Ich nicht! Die Spannung wird langsam aufgebaut und schließlich gehalten. Der Leser verfolgt die Geschehen mit Begeisterung und kann es kaum erwarten, die Auflösung zu erfahren. Ein toller Roman, der die Erwartungen der Leser voll und ganz erfüllt!

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Bewertung von melange aus Bonn am 27.11.2010 ***** sehr gut
Jeder liebt den Verrat, aber niemand den Verräter!

Bei dem Roman von John le Carré wird aber sogar der erste Teil dieser Aussage in Zweifel gezogen.

Zum Inhalt: Perry und Gail, ein britisches Pärchen am beruflichen und privaten Scheideweg, gönnt sich einen Luxusurlaub auf Antigua und lernt durch Perrys Tenniskünste die russische Unterweltgröße Dima und dessen Familie kennen und mögen. Da auch Dima Sympathie für den englischen Benimm empfindet, bittet er das Paar, seinen Überlauf nach Großbritannien zu ermöglichen. Während Gail den daraufhin folgenden Kontakt mit dem Geheimdienst als notwendiges Übel betrachtet, lässt sich Perry von den Schlichen und Heimlichkeiten faszinieren und genießt seine Wichtigkeit - bis zum bitteren Ende.

Zum Cover: So glamourös, wie der Einband gestaltet ist, stellt sich der Geheimdienst für Perry dar, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er feststellen muss, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

Mein Eindruck: In gewohnt brillanter Manier präsentiert le Carré sein Hintergrundwissen über die Geheimdienste dieser Welt in einer Geschichte, die dem Leser den Glauben an Fairplay und das Gute in jedem Menschen austreibt. Leider bläht er das Geschehen mit einem unnötigen Nebenstrang über Natasha, die Tochter Dimas, und deren Verhältnis zu Gail auf. Dabei erzeugt er eine Wahnsinnsspannung, um mit einer - im Vergleich zu dem Hauptgeschehen - Banalität erster Güte zu enttäuschen. Warum Natashas Sorgen bei Gail und ihren Verhören durch die Geheimdienstleute zu Schweißausbrüchen führte, ist mir immer noch nicht klar. Sehr gut haben mir jedoch die differenzierten Zeichnungen der Figuren insgesamt gefallen. Auch das Zusammenspiel verschiedener Zeitebenen, die sich zur Mitte des Buches fanden, um dann (von kleineren Reminiszenzen abgesehen) auf das Finale im Hier und Jetzt zuzusteuern, führte zu zusätzlicher Dramatik.

Doch trotz des großen Knalls zum Schluss, auf den zugegebenermaßen in schlüssiger Weise hingeführt wird, bin ich persönlich nicht ganz zufrieden. So zeigt le Carré wieder einmal den Dreck im Spionage-Business, die Gefühle und Reaktionen seiner Protagonisten auf diesen Schmutz vergisst er aber darzustellen - für mich ein Manko.

Fazit: Handwerklich und sprachlich genial mit einem furiosen Spannungsaufbau zum Finale, leider aber Schwächen im Zwischenmenschlichen. 4 Sterne.

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Bewertung von Hardy aus Sonthofen am 15.11.2010 ***** sehr gut
Verräter wie wir, der neue Spionagethriller von Le Carre erzählt die Geschichte eines Paares, das eigentlich nur einen Tennisurlaub genießen wollte. Doch der russische Tennispartner, dem Perry, Lehrer, zugeteilt wird, entpuppt sich als schwergewichtiger Mann, der sogar Leibwächter und seine skurrile Familie mit auf den Court nimmt. Szenenwechsel: das Paar, Perry und Gail, werden vom britischen Geheimdienst vernommen. Der Russe, Dima, ist der Geldwäscher schlechthin, verwickelt in Geschäfte der russischen Mafia, die mit britischen Banken und Parlamentariern zusammenarbeiten.

Langsam erfährt der Leser, dass Perry und Gail zu Amateurspionen erkoren wurden, die Dima bei seinem Vorhaben, dem britischen Geheimdienst die komplizierten Verknüpfungen des schmutzigen Geldes zu verraten, helfen sollen. Die Geschichte wird in Rückblenden zum Inselurlaub, dem Verhör und dem Anwerben des Paares erzählt.

Noch komplizierter wird die Entwicklung durch Dimas Familie, eine geistig angeschlagene Frau, verwöhnte Zwillinge und eine schwangere, bildschöne Tochter. Ein guter Freund Dimas, Micha, wurde in Russland mit seiner Frau zusammen brutal ermordet. Nur die beiden Töchter leben noch und erwecken bei Gail tiefstes Mitleid. Aus diesem Mitleid heraus erwächst der Wunsch, dem Geheimdienst zu helfen. Die Hauptfiguren hierbei sind Hector, ein grimmiger Kämpfer für sein Vaterland, der in ein Wespennest sticht, als er einen korrupten Politiker zum Ziel wählt. Im zur Seite steht Luke, ein schon abgeschriebener Agent, der mit dem Fall Dima noch einmal ins Rampenlicht gerät.

Es beginnt ein unheiliges Katz-und Mausspiel. Gail und Perry sollen als Lockvögel dafür sorgen, dass Dima mit dem britischen Geheimdienst zusammenarbeitet und über Paris und Bern nach London gelangt. Als Gegenleistung verlangt Dima Schutz für seine Familie. Doch die Arme der Mafia reichen weit und langsam zieht sich die Schlinge um die Abtrünnigen enger zusammen. Doch Le Carre zeichnet ein schier hoffnungsloses Bild...



Spannend, aber sehr kompliziert. Schonungslos deckt Le Carre die Zusammenhänge der internationalen Schwarzgeldwäsche auf, prangert Regierungen und Banken an. Le Carre schreibt konzentriert, und diese Konzentration verlangt er von seinen Lesern. Manche Zeilen muss man schon zweimal lesen, um die ganzen Zusammenhänge zu verstehen. Oftmals kapituliert der oberflächliche Leser aber auch, wenn Le Carre das Netz der Korruption und Bestechung spinnt. Dabei jongliert Le Carre meisterhaft mit den Personen, entwirft wie immer feine Satzkonstruktionen. Für Fans von le Carre ein neues Meisterwerk. Neulinge werden sich wohl etwas schwer tun.

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Bewertung von Xirxe aus Hannover am 12.11.2010 ***** sehr gut
John le Carré, ein Name der für spannende Agenten- und Spionagethriller steht - mit dieser Erwartungshaltung machte ich mich an sein neuestes Werk. Ich las und las, amüsierte mich prächtig und ertappte mich dennoch dabei, immer oberflächlicher über den Text hinwegzugehen, bis ich bei Seite 202 (ca. der Hälfte) das Buch resigniert zuschlug. Denn von Spannung - keine Spur. Welch eine Enttäuschung!
Doch ich hatte mich selbst in die Irre geführt, denn bei genauem Hinschauen ist (außer bei der Einordung bei diversen Buchläden) nirgendwo die Rede von Krimi oder Thriller. 'Verräter wie wir' ist eine Lektüre, die zwar im Agentenmilieu spielt und gegen Ende einen eindrucksvollen Spannungsbogen aufweist, aber dennoch nicht mehr oder weniger als ein Roman. Also schickte ich meine Erwartungen in die Wüste und begann nochmal von vorn. Und siehe da....
Perry und Gail, ein wohl recht typisch britisches, linksliberales Pärchen mit einer eher skeptischen Haltung gegenüber den staatlichen Institutionen, lernen in einem Urlaub einen russischen Oligarchen kennen, der sie unversehens zu seinen Vertrauten kürt. Plötzlich finden die Beiden sich wieder in der Rolle als Mittler zwischen dem britischen Geheimdienst und einem potentiellen russischen Überläufer.
LeCarré verwendet viele Seiten auf die genaue Darstellung der einzelnen Personen, inbesondere auf die seiner beiden Protagonisten Gail und Perry. Es gelingt ihm bravourös, nicht nur sehr detailliert sondern auch voller Witz die Eigenheiten und Widersprüchlichkeiten der Handelnden darzustellen. Wie Perry beispielsweise, der ewige Kritiker und Verächter der britischen Politik, der sich plötzlich als inoffizieller Geheimdienstmitarbeiter wiederfindet - und es wider Erwarten geniesst. Oder Dima, der russische Oligarch, der England liebt und bewundert und alle britischen Literaturklassiker besitzt, ohne vermutlich einen einzigen davon gelesen zu haben. Dies alles ist zudem in einer wunderbaren Sprache verfasst, über die man sich auf jeder Seite auf's Neue freut.
Weshalb dann trotzdem nicht die volle Punktzahl? Weil bis zur ca. der Hälfte des Buches die Menge der Perspektivenwechsel etwas überhand nimmt. In einem Gespräch mit dem Geheimdienst, das bis dorthin die Rahmenhandlung darstellt, berichten Gail und Perry über ihre Begegnung mit Dima. Hierbei werden Rück- und Einblicke auf und in die Lebensläufe der Beteiligten eingeschoben, wobei der Großteil dieser einzelnen Abschnitte meist nicht mehr als 4-6 Seiten umfasst, sodass zumindest der Beginn etwas unübersichtlich wirkt .
Aber abgesehen von dieser kleinen Mäkelei: grandiose Unterhaltung mit (wahrscheinlich) durchaus realistischen Einblicken in das schmutzige Geldwäschergeschäft.

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Bewertung von SunshineRose aus Marburg am 11.11.2010 ***** sehr gut
Sprachliches Meisterwerk!

Zu Beginn des Romans wird der Leser förmlich ins kalte Wasser geworfen. Schließlich muss dieser erst einmal das Geflecht aller Personen durchblicken, da es in "Verräter wie wir" nicht nur die üblichen ein bis zwei Protagonisten gibt. Im Mittelpunkt der Handlung stehen ein britisches Pärchen - welches eigentlich nur einen erholsamen Urlaub auf Antigua erleben wollte -, ein der russischen Mafia den Rücken kehrender Geldwäscher mitsamt seiner kompletten, enorm großen Familie und zu guter Letzt wären da auch noch die Männer des britischen Geheimdienstes zu nennen. Da Le Carré aber ein Meister seines Faches ist, gelingt es schnell, den roten Faden zu finden und in eine Welt des Betrugs und der Spionage einzutauchen.

Während ihres Urlaubs werden Perry und Gail von dem Mafiaboss Dima sprichwörtlich überrumpelt. Sie sollen ihm dabei helfen, einen Deal mit dem britischen Geheimdienst in die Wege zu leiten - Insiderinformationen gegen eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis in England für sich und seine Familie. Dima ist sich sicher, dass Perry genau der richtige Mann für diesen Job ist, da der Oxforddozent in seinen Augen einen richtigen englischen Gentleman verkörpert und bei der Durchführung des Deals für das nötige Fairplay sorgt. Somit wird aus einem harmlosen Urlaub der Einstieg in das Spionagegeschäft.

Es ist wahnsinnig leicht, sich in die Charaktere hineinzuversetzen. Denn mal ganz ehrlich... wer träumt denn nicht schon hin und wieder einmal davon, etwas Großes zu bewirken, indem er für einen Geheimdienst tätig ist? Aber auch abgesehen von Perry und Gail sind die übrigen Charaktere wirklich gut gelungen. Alle haben ihr Stärken, aber auch ihre Schwächen und wirken daher besonders authentisch. Besonders gelungen fand ich Dimas russischen "Dialekt", so wie wir ihn kennen, wenn wir uns mit Nicht-Muttersprachlern unterhalten. Als Leser hatte man somit das Gefühl als befände man sich direkt nebenan und würde den Gesprächen lauschen.

Außerdem ist es wirklich bewundernswert, wie es dem Autor gelungen ist, so häufig zwischen Orten und auch Zeiten hin und her zu springen, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Beim Lesen fühlt man sich schon beinahe wie ein Zeitreisender. Lediglich gegen Ende des Romans lässt dies nach und eine ziemlich geradlinige Erzählung setzt ein. Damit zeigt Le Carré aber, dass er mehrere Stile beherrscht und in einem Roman verarbeiten kann, so dass auch für die nötige Abwechslung gesorgt ist. Den dauerhaftesten Eindruck hat jedoch das Ende hinterlassen. Es wird mit Sicherheit jeden Leser absolut überraschen, wenn nicht sogar ein wenig schockieren. Und genau das macht einen Roman ja schließlich lesenswert!

Einen Stern Abzug gibt es allerdings, da die Handlung an manchen Stellen mehr oder minder still steht und die Befragung von Perry und Gail in doch recht langen Dialogen ausartet. Trotz dieser langwierigen Stellen ist das Buch eine Empfehlung wert und nach anfänglicher Skepsis bin ich überaus froh, es gelesen zu haben!

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Bewertung von Kreisel aus Köln am 28.10.2010 ***** sehr gut
Schon in den ersten Zeilen erkennt man den Schreibstil von John le Carré wieder: Entweder man mag ihn oder man legt das Buch weg, weil zunächst noch nicht viel passiert und die Personen vorgestellt werde. Und Peregrine (Perry) Makepiece und seine Freundin Gail kommen dem Leser auch irgendwie bekannt vor: Er unterrichtet an einem College, ist es aber leid, sich ständig mit jungen Schnöseln herumärgern zu müssen, und sie ist als Anwältin tätig und fragt sich gerade, ob Familie und Kinder nicht auch eine annehmbare Alternative wären. Geklärt werden sollen diese und viele andere Fragen rund um die Zweier-Beziehung der beiden in einem Urlaub in der Karibik, den sie sich aufgrund einer Erbschaft leisten können. Im Hotel gibt es Tennis-Plätze, die beiden spielen ganz gut, und so vermittelt der Tennis-Pro ein Match zwischen Perry und einem etwas seltsamen Gast, Mr. Dima, der schwer reich zu sein scheint, russischer Oligarch, wie es heißt, und der sich sogar Bodyguards leistet.

So beginnt die Story, in deren weiterem Verlauf der Leser Perry und Gail in einer Befragung durch den britischen Geheimdienst wiedertrifft, denn Mr. Dima ist tief im organisierten russischen Verbrechen tätig und will mit den Briten zusammenarbeiten, um auszusteigen.

Le Carrés Thema ist diesmal wieder Rußland, aber nicht das des Kalten Krieges, sondern das heutige, und der beherrschende Einfluß von Verbrechen und Verbrechern nicht nur in Rußland, sondern auch im Westen, in Großbritannien, bei uns, wird beleuchtet. Dies auf seine spezielle Art und Weise, auf die man sich einlassen sollte: Nicht alle zwei, drei Seiten ein Mord oder eine sonstige schrille Wendung, sondern eine langsam sicht entwickelnde Geschichte.

Wer John le Carré und seine Bücher mag und insbesondere die Smiley-Bände, wird sich gerne auch mit diesem neuen Buch in Ruhe hinsetzen und bei der Lektüre auch ins Nachdenken über unsere Gesellschaften kommen.

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