Mr. Harrisons Bekenntnisse - Gaskell, Elizabeth

Elizabeth Gaskell 

Mr. Harrisons Bekenntnisse

Erzählungen. Nachw. v. Alice Reinhard-Stocker

Übersetzung: Andra Ott.
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Mr. Harrisons Bekenntnisse

Zum 200. Geburtstag von Elizabeth Gaskell am 29. September 2010

Elizabeth Gaskell porträtierte das Leben und Lieben in der englischen Provinz - ebenso klug und unterhaltsam wie Jane Austen. Ihrem scharfen Blick blieb keine Seelenregung verborgen, die Schwächen ihrer Helden entrollt sie mit Nachsicht und Humor. Gaskells schönste Erzählungen präsentiert dieser Band in einer exklusive Auswahl.

Seine ersten Tage als Landarzt hatte sich Dr. Harrison weniger turbulent vorgestellt. In London aufgewachsen, provoziert er bei den unverheirateten Damen von Duncombe arglos Missverständnis um Missverständnis - und findet sich plötzlich dreifach verlobt. Erst nach zahlreichen Geständnissen ist der Weg frei für die große Liebe. In "Cousine Phillis" zeigt sich der jugendliche Erzähler betört vom ländlich-einfachen Charme seiner reizenden Verwandten. Gerade sein wohlmeinender Rat setzt deren Lebensglück jedoch ein tragisches Ende. Die Geschichte vom "Schafscherer in Cumberland" führt uns schließlich auf einem heiteren Spaziergang durchs sommerliche Nordengland. Hier versteht es die viktorianische Autorin, mit schwelgerischen, sinnenfrohen Landschaftsbeschreibungen zu begeistern.Elizabeth Gaskell (1810-1865), Frau eines Geistlichen und fünffache Mutter, schrieb vierzig Erzählungen, sieben Romane (darunter das populäre "Frauen und Töchter") und eine vielbeachtete Biographie über ihre Freundin Charlotte Brontâ. Mit ihrem psychologischen Scharfsinn und Wissen um die Lebensbedingungen ihrer Zeitgenossen gilt sie heute als eine der bedeutendsten Chronistinnen Nordenglands.


Produktinformation

  • Verlag: Manesse
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 371 S. 155 mm
  • Seitenzahl: 371
  • Manesse Bibliothek der Weltliteratur
  • Deutsch
  • Abmessung: 157mm x 90mm x 20mm
  • Gewicht: 207g
  • ISBN-13: 9783717522584
  • ISBN-10: 3717522582
  • Best.Nr.: 29501142
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.09.2010

Was vom Dorfe übrig blieb

Völlig zu Unrecht ist die britische Autorin Elizabeth Gaskell, die in ihrer Heimat verehrt wird, hierzulande vergessen. Zu ihrem zweihundertsten Geburtstag liegen jetzt Erzählungen von ihr auf Deutsch vor.

Elizabeth Gaskell wurde vor zweihundert Jahren in London geboren. An sie und ihre Romane zu erinnern heißt, ein Versäumnis der jüngeren Literaturgeschichtsschreibung zu notieren. Denn es hängt von deren Verständnis des zwanzigsten Jahrhunderts ab, wie sie über die Literatur des neunzehnten Jahrhunderts berichtet, nämlich unter anderem so, dass Elizabeth Gaskell dabei gar keine Rolle spielt. In diesem Verständnis ist der Roman eine philosophische Gattung. Es kann gar nicht genug Philosophie in ihm vorkommen: Bewusstseinsphilosophie, Geschichtsphilosophie, Kunstphilosophie, Metaphysik, Pessimismus, religiöse Rätsel und so weiter.

Wenn so etwas geliefert wird - bei Mann, Kafka, Woolf, Joyce, Proust, Musil -, schlägt der Geigerzähler stark aus, sonst kaum. Und weil dasselbe Messgerät auch für die Literatur vor 1900 Verwendung findet, gibt es tausend Literaturgeschichten, in denen Goethe, Stendhal, Flaubert …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Pünktlich zum 200. Geburtstag der Autorin erscheint diese Neuauflage mit Erzählungen. Jürgen Kaube ist beeindruckt vom Primat des Berichts bei Verzicht auf alles Philosophische in diesen Texten. Den Band nicht gleich aus der Hand zu legen, rät er uns allerdings, auch wenn wir Spannung erwarten, denn für Kaube hat Elisabeth Gaskell ein Anliegen. Es geht um die Schilderung von dem Untergang Geweihtem im Zuge der Industrialisierung, um den Einzug von Dampfmaschine und preiswerter Briefpost. Und hier spürt der Rezensent sogar etwas Unheimliches in den Texten, immer dann, wenn das märchenhafte "Es war einmal..." von Gaskell angewandt wird, um noch Existierendes zu beschreiben. Für Kaube ist der Band eine gute Gelegenheit, diese bei uns beinahe vergessene Autorin kennenzulernen.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Es bereitet Gaskell großes Vergnügen, die Verwicklungen zu schildern, in die der Ortsfremde im Nu verstrickt ist, weil er mit dem Zusammenwirken von unstillbarer Klatschsucht, uferloser Neugierde und selbstgerechter Ehrbarkeit überfordert ist. Trotz der Ausrechenbarkeit des glücklichen Ausgangs bleibt die Geschichte bis zur letzten Zeile spannend.«
Elizabeth Gaskell, geb. 1810 als Elizabeth Stevenson in London, aufgewachsen in Knutsford (Cheshire) bei ihrer Tante, heiratete 1832 William Gaskell, einen unitarisch freikirchlichen Geistlichen und Universitätsdozenten in Manchester, mit dem sie fünf Kinder hatte. Während sich ihr Mann für die Bildung der Arbeiter engagierte, ist in Elizabeth Gaskells Korrespondenz immer wieder von den sozialen Härten des Frühkapitalismus die Rede. Ihr Erstlingsroman 'Mary Barton' verhalf ihr zur Bekanntschaft mit Dickens, für dessen Zeitschrift 'HouseholdWords' sie von nun an literarische Beiträge lieferte.
Ihr Erfolg brachte dem nicht gerade reichlich ausgestatteten Haushalt der Gaskells eine finanzielle Entlastung; nun konnte die Schriftstellerin Reisen unternehmen und in den literarischen Salons von London verkehren. Ein halbes Dutzend Romane und rund vierzig Erzählungen entstanden, außerdem eine Biographie von Charlotte Bronte. Sie starb 1865.
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