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Sich dem Stoff des Lebens in die Armezu werfen, das war der Sinn ... Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Heimliche Botschaften, verschwiegene Treffen, doch heute, an diesem sonnigen Märzsonntag 1924, darf Jane – Familie und Dienerschaft sind ausgeflogen – ihr Fahrrad einfach an die Hausmauer des Anwesens lehnen, durchs Hauptportal herein und ins Bett ihres Geliebten kommen. Ein erstes und ein letztes Mal, denn Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Später, gegen Mittag, wird sie leichtfüßig und nackt durch das…mehr

Produktbeschreibung
Sich dem Stoff des Lebens in die Armezu werfen, das war der Sinn ... Jane, das junge Dienstmädchen von Beechwood, und Paul, der Spross aus begütertem Haus, haben ein Verhältnis. Heimliche Botschaften, verschwiegene Treffen, doch heute, an diesem sonnigen Märzsonntag 1924, darf Jane – Familie und Dienerschaft sind ausgeflogen – ihr Fahrrad einfach an die Hausmauer des Anwesens lehnen, durchs Hauptportal herein und ins Bett ihres Geliebten kommen. Ein erstes und ein letztes Mal, denn Paul wird bald – standesgemäß – heiraten. Später, gegen Mittag, wird sie leichtfüßig und nackt durch das weitläufige Haus streifen, beseelt von der rauschhaften Innigkeit dieses herausgehobenen Morgens und nicht ahnend, dass ihr Leben am Ende dieses Tages zu zerbrechen droht. Viele Jahrzehnte später blickt sie zurück und erzählt: von einer Tragödie und zugleich einer wundersamen Entfaltung. Schwebend verschränkt Swift Gegenwart und Vergangenheit, erzählt fein und makellos von einem Leben, in dem alle Grenzen bedeutungslos wurden. Schillernd, unerhört und sinnlich. New-York-Times-Bestseller
  • Produktdetails
  • Verlag: Dtv
  • Seitenzahl: 142
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 2017. 144 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 144mm x 20mm
  • Gewicht: 317g
  • ISBN-13: 9783423281102
  • ISBN-10: 3423281103
  • Best.Nr.: 46970494
Autorenporträt
Graham Swift, geboren am 4. Mai 1949 in London, arbeitete nach dem Studium in Cambridge und York zunächst als Lehrer. Seit seinem Roman "Waterland", der mit Jeremy Irons verfilmt wurde, zählt er zu den Stars der britischen Gegenwartsliteratur. "Letzte Runde" wurde 1996 mit dem Man Booker-Prize ausgezeichnet und, hochkarätig besetzt, von Fred Schepisi verfilmt. Swift favorisiert unzuverlässige Erzähler, die den Funktionen der Erinnerung und der Verknüpfung persönlicher Erinnerung mit zeit- und weltgeschichtlichen Ereignissen auf den Grund gehen – das Ergebnis sind psychologisch Glanzstücke von äußerster Raffinesse.
Rezensionen
Besprechung von 21.03.2017
Ein elegischer
Sonntag
Graham Swift erzählt vom
Lieben und Werden
Im Englischen gibt es ein anschauliches Wort für diese Art Erzählung. Man nennt sie „romance“, und in diesem Wort steckt eine doppelte Bedeutung. Es bezeichnet das Glauben-Machen, das der Literatur zukommt, und die Liebesgeschichte. Und noch ein Wort ist sehr englisch und von prägnanter Symbolik, nämlich der Originaltitel „Mothering Sunday“. Er meint weniger den Muttertag (auch wenn die Bedeutungen heute ineinander übergehen) als vielmehr den Sonntag Laetare, den vierten, mit allerhand Frühlingsbräuchen verknüpften Fastensonntag – traditionell der Tag, an dem jeder Gläubige in seine Heimatgemeinde, das heißt in seine „Mutterkirche“, zurückkehrte.
Eine Liebesgeschichte erzählt Graham Swift in diesem Buch, das der Verlag einen Roman nennt, das aber eher eine Novelle ist. Es ist ein strahlender Sonntag im Frühling des Jahres 1924, also zwischen den großen Kriegen. Jane, das mutterlose Hausmädchen einer wohlhabenden Familie auf den Lande, verbringt diesen strahlenden Sonntag mit ihrem Liebhaber, dem Sohn einer benachbarten Familie. Es ist ihr letzter Tag als Geliebte, weniger, weil der junge Mann, einer der wenigen Söhne, die der Weltkrieg in dieser Gegend zurückließ, demnächst standesgemäß heiraten soll, sondern vielmehr, weil der Liebhaber vor Ende dieses Tages bei einem Unfall ums Leben kommen wird.
Erzählt wird diese Geschichte von einer viel älteren Jane, die auf das Glück und die Katastrophe zurückblickt, nicht nur auf den Tag, an dem sie sich ereignete, sondern auf eine ganze Lebenswelt, der auf vielfache und schmerzliche Weise alle (scheinbare) Geborgenheit, also gleichsam das „Mütterliche“ abhandenkommt. Intensiver als den Ereignissen wendet sich die Aufmerksamkeit dabei den Szenen, den Räumen, dem Licht und den Gerüchen zu. Denn die alt gewordene Jane ist Schriftstellerin, und alles Verlangen nach Geborgenheit – und alle Skepsis der Geborgenheit gegenüber – ist ihr zur Sprache geworden. Darin liegt der Reiz des kleinen, schönen Buches: in der Verbindung des Elegischen mit dem tiefen Zweifel.
THOMAS STEINFELD
Graham Swift: Ein Festtag. Roman. Aus dem Englischen von Susanne Höbel. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2017. 142 Seiten, 18 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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"Darin liegt der Reiz des kleinen, schönen Buches: in der Verbindung des Elegischen mit dem tiefen Zweifel."
Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung 21.03.2017
Besprechung von 20.05.2017
Nackt bis auf den Siegelring
Vom Dienstmädchen zur gefeierten Schriftstellerin: Graham Swifts englischer Aufstiegsroman "Festtag"

Den eigentlichen Roman bleibt Graham Swift uns schuldig in diesem als Mosaik aus Gegenwart und Vergangenheit angelegten "Festtag": Den Aufstieg des Dienstmädchens Jane zur gefeierten Schriftstellerin und zur Heirat mit einem beliebten Oxforder Philosophen skizziert er nur flüchtig mit den fast widerwillig gegebenen Auskünften in einem Interview, das die alte Schriftstellerin gibt. Mit geradezu penibler Ausführlichkeit schildert er dagegen, was am Anfang ihrer Karriere, dem Bewusstwerden der jungen Frau über ihren Standpunkt, begann, einem "Festtag" im Mai 1924, Muttertag außerdem. "Das moderne Zeitalter war angebrochen", der Erste Weltkrieg hatte die englische Klassengesellschaft erschüttert und ihren Reichtum dezimiert. Alles war möglich, vielleicht auch ein Aufstieg in die gesellschaftlich oberen Ränge.

Noch scheint die Kluft unüberbrückbar. Swift schildert sie in wenigen Sätzen. Zwei junge Menschen allein in einem großbürgerlichen englischen Stadthaus. Beide sind nackt, abgesehen von dem Siegelring, den er trägt, und ihren billigen Ohrringen. Knapper geht es kaum, um das gesellschaftliche Gefälle zwischen dem Paar zu beschreiben. Noch nie hat Jane das Elternhaus ihres Liebhabers durch den Vordereingang betreten, noch nie hat sie in seinem Bett gelegen. Noch nie hat sie sich vorgestellt, seine Braut Emma Hobday zu sein, die er in wenigen Tagen zu heiraten beabsichtigt. Doch ihr Traum löst sich auf mit jedem Kleidungsstück, das er nun sorgfältig anlegt, um sich wie verabredet mit seiner Verlobten in einem Restaurant zu treffen, während Jane immer noch nackt und reglos auf dem Bett liegen bleibt und überlegt, ob er ihren Liebesdienst wieder wortlos mit einem Sixpence bezahlt.

Jane besitzt nur ihren schönen Körper und ihren Verstand. Mit beiden gelingt es ihr, so weit zu kommen, dass sie als alte Frau auf ein gelungenes Leben zurückblicken kann. Bücher und insbesondere die von Joseph Conrad haben ihr geholfen, sich weiterzuentwickeln. Zumindest darüber kann sie reden. Alles, was an dem "Festtag im Mai" geschah, bleibt ihr Geheimnis. Auch vom tragischen Ende ihres Liebhabers, der mit seinem Sportwagen auf der Fahrt zu seiner Braut tödlich verunglückte, wird sie ihren Interviewpartnern nichts erzählen.

Graham Swift hat in diesem schmalen Buch mit einem faszinierenden Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit, von geheimen Gedanken und lakonischen Sentenzen ein unvergessliches Gesellschaftbild entworfen.

MARIA FRISÉ.

Graham Swift: "Ein Festtag". Roman.

Aus dem Englischen von Susanne Höbel.

Dtv, München 2017. 142 S., geb., 18,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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