Zwischen Sprechen und Schweigen - Eine Auseinandersetzung zwischen Adornos Diktum und der Poetik Paul Celans (eBook)
Wie kann man den Massenmord an den europäischen Juden darstellen,
ohne in die Falle einer wie auch immer gearteten Ästhetisierung von
Auschwitz zu tappen, um damit der Rationalisierung und
Vereinnahmung Vorschub zu leisten? Welche Worte, welche poetischen
Mittel kann und muß man finden, um den Unbeschreiblichkeitstopos,
der über Auschwitz liegt, zu umgehen? Wie ist es möglich, das
Unsagbare sagbar zu machen, wenn doch das Schweigen unmöglich ist?
Ist es überhaupt möglich, dem unbeschreiblichen Leiden, dem
unwiederbringlichen Verlust eine Art von Form und damit einen Sinn
zu verleihen? Die von Adorno, in Form seines Diktums aufgeworfene
Frage, inwieweit ästhetische Äußerungen nach Auschwitz überhaupt
noch zulässig sind, hat Paul Celan auf seine eigene poetische Art
beantwortet. Diese einzigartige Poetik soll, neben der Einschätzung
und Verortung des adornitischen Diktums, im Mittelpunkt dieser
Arbeit stehen.
Der Zugang zu beiden Autoren erfolgt über deren Biographie, denn
Denken und Leben lassen sich hier am wenigsten trennen, sind beiden
doch die Erfahrungen des 20.Jahrhunderts mit Nationalsozialismus
und Exil immanemt eingeschrieben. Der erste Teil beschäftigt sich
mit dem Diktum und dessen Verortung im Denken von T.W. Adorno, um
herauszuarbeiten, was ihn zu dieser Aussage veranlasste, - wollte
er doch mit seinem Satz keineswegs der Lyrik oder anderen
ästhetischen Gebilden die Existenzberechtigung absprechen, sondern
auf die unheilvolle Verbindung von Kulturindustrie und Kultur/Kunst
hinweisen - und welchen Ausweg, - der nur in der Verrätselung und
Hermetisierung der Gebilde, in der Wiedererlangung der ästhetische
Autonomie, - er sah.