Stalins Gewaltherrschaft fielen Millionen Menschen zum Opfer. Sie
verhungerten, verschwanden im «Archipel Gulag» oder wurden im Laufe
der «Säuberungen» von Partei, Staatsapparat und Militär ermordet.
In seinem großen, berührenden Buch entwickelt Jörg Baberowski neue
Perspektiven auf die stalinistischen Verbrechen und führt den Leser
hinab in die paranoide Welt des sowjetischen Diktators. Die
Bolschewiki wollten eine neue Gesellschaft erschaffen und träumten
vom neuen Menschen. Doch reicht es aus, auf das bolschewistische
Projekt der Modernisierung zu verweisen, um die stalinistischen
Gewaltexzesse zu erklären? War Stalins Terrorherrschaft eine
notwendige Folge der kommunistischen Ideologie? Das
bolschewistische Projekt, so die These des Buches, bot eine
Rechtfertigung für den Massenmord. Aber es schrieb ihn nicht vor.
Es war Stalin, ein Psychopath und passionierter Gewalttäter, der
den Traum vom neuen Menschen im Blut der Millionen erstickte. Er
war Urheber und Regisseur des Terrors, der erst mit seinem Tod
aufhörte. Er errichtete eine Ordnung des Misstrauens und der
Furcht, in der jedermann jederzeit zum Opfer werden konnte. Wer in
dieser Weise den inneren Kitt einer Gesellschaft zerstört, der
hinterlässt auch in den Seelen der Menschen verbrannte Erde.
«Lasst, die ihr eingeht, jede Hoffnung fahren», steht über Dantes
Höllentor. Dieser Satz hätte auch an den Grenzpfählen der
Sowjetunion stehen können. Einige Abbildungen können aus
lizenzrechtlichen Gründen leider nicht im E-Book angezeigt werden.
Jörg Baberowski, geb. 1961, ist Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin und Autor zahlreicher Studien zur russischen und sowjetischen Geschichte.