Datum: 9. September
Schwangerschaftswoche: 6 + 6 Tage
Zustand: Babys Herzchen schlägt, und ich ringe mit mir, meinen
Frauenarzt zu bitten, in unser Gästezimmer einzuziehen. Nur zur
Sicherheit und bloß für die nächsten acht Monate.
Ich bin drauf und dran, ein anderer Mensch zu werden. Einer, den
ich bisher noch nicht kannte: eine Mutter. Nie weiß ich, wann mich
der Hunger, die Angst, das Glück oder die Übelkeit überkommt. Denn
genauso überwältigend wie die Furcht, das Kind zu verlieren, kann
die Furcht sein, das Kind zu bekommen. Neulich kamen mir die
Tränen, als ich im Internet auf die Umstandsunterhose «Schluppi»
stieß, in Größe und Form einem Zwei-Mann-Zelt nicht unähnlich. Was
erwartet mich für ein Glück? Was für eine Liebe? Eine
bedingungslose?
Werde ich meinen Sohn auch noch leiden können, wenn er
hundertdreißig Kilo wiegt und Fahrlehrer werden will, oder meine
Tochter, wenn sie mit achtzehn beschließt, sich ein Arschgeweih
tätowieren zu lassen und Weihnachten bei den Eltern ihres
Idioten-Freundes zu feiern? Ich horche angestrengt in mich hinein.
Spüre ich, dass ich zwei bin? Nein. Was soll mein Kind von mir
denken? Kaum gezeugt und schon vernachlässigt. Ob ich eine
schlechte Mutter werde? Eine hyperventilierende Megaglucke? Eine
militante Rohkostschnipplerin? Eine Rabenmutter, die ihr Baby im
Autositz vergisst? Werde ich alles falsch machen? Oder nur fast
alles?
«Unter dem Herzen» ist aufrichtig, lustig, bewegend, ein
Reisebegleiter in die unglaubliche Realität von Eltern, Babys und
Feuchttüchern, in der tatsächlich Sätze fallen wie: «Muttermund tut
Wahrheit kund!» Ungelogen.
Ildikó von Kürthy ist freie Journalistin und lebt mit ihrem Mann
und ihren beiden Söhnen in Hamburg. Ihre Bestseller wurden mehr als
sechs Millionen Mal gekauft und in 21 Sprachen übersetzt. Ihr Roman
«Mondscheintarif» wurde fürs Kino verfilmt. «Unter dem Herzen» ist
ihr erstes Sachbuch.