Unsterblich wie der Morgen (eBook) - Mina Hepsen

Mina Hepsen 

Unsterblich wie der Morgen (eBook)

Roman

Übersetzer: Wittich, Gertrud / Mitwirkender: Horbas, Waltraud
eBook
 
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Unsterblich wie der Morgen (eBook)

Geister, Vampire und eine unsterblich schöne Liebesgeschichte

Seitdem Lea nach einem brutalen Überfall dem Tod nahe war, kann sie Geister sehen: Verlorene Seelen suchen sie auf und bitten sie um Hilfe. Als sie deswegen eines Abends das alte viktorianische Wohnhaus in Edinburgh betritt, ahnt sie jedoch nicht, dass dies ihr Leben für immer verändern wird. Denn bald wird sie schon nicht mehr nur von Geistern, sondern auch von Vampiren heimgesucht. Und dann gibt es da auch noch einen ganz besonders geheimnisvollen Mann ...



Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2011
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 320
  • Best.Nr. des Verlages: 763/05780
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641057800
  • ISBN-10: 3641057809
  • Best.Nr.: 33378076
Mina Hepsen ist das Pseudonym einer jungen Autorin. Geboren 1983 in Istanbul, verbrachte sie ihre ersten zehn Lebensjahre in Deutschland und ist seitdem süchtig nach Brezeln. Dann kehrte sie mit ihren Eltern zurück in die Türkei, studierte später Politikwissenschaften und Philosophie in Boston, zog nach Miami, dann nach Edinburgh, wo sie eine Reihe von Kinderbüchern schrieb und einen Abschluss in "Creative Writing" machte. Zurzeit lebt sie in Edinburgh, Schottland.

Leseprobe zu "Unsterblich wie der Morgen (eBook)" von Mina Hepsen

"18. Kapitel (S. 131-132)

Der ScotRail-Zug verließ den Bahnhof Waverley zwei Minuten vor Fahrplan mit einem schrillen Quietschen und einem enormen Dampfausstoß. Lea beobachtete, wie die Wartenden am Bahnsteig zuerst langsam, dann immer schneller an ihr vorbeizogen. »Du bist ja so still.« Lea wandte das Gesicht vom Fenster ab und schaute Adam an. Natürlich war dessen Blick nicht auf sie gerichtet, sondern klebte an seinem Blackberry. Sie wünschte, sie wären nicht die Einzigen gewesen, die dieses kleine Erster-Klasse-Abteil besetzten. Etwas Publikum wäre schön gewesen. Dann hätte sie vielleicht ein passendes Shakespearezitat loswerden können, aus Viel Lärm um Nichts, zum Beispiel. Wie hatte es Beatrice so schön ausgedrückt: ›Spricht da jemand?

Mir dünkt, ich hört’ ’nen Esel schrei’n!‹ Selbst Liam hätte ihr schon genügt, aber der war in Edinburgh geblieben. Er wolle sich um die anderen in der Galerie kümmern und ihnen versichern, dass Lea sie nicht etwa verlassen habe, was natürlich nett von ihm war. Aber Lea vermutete, der wahre Grund war eher der, dass er sich nicht zu weit von seinem Grab entfernen wollte. Die meisten Geister, die sie kannte, hingen sehr an ihren Gräbern, oder an dem Ort, an dem sie den Tod fanden.

Ob sie an ihren früheren Körpern hingen oder an den Erinnerungen, oder am Grabstein mit ihrem Namen, wusste sie nicht. Und ohne Publikum machte es keinen Spaß, etwas Cleveres von sich zu geben. Also gab sie sich mit mürrischem Schweigen zufrieden. Einige Momente vergingen. »Du bist doch nicht etwa noch sauer, weil wir nicht bei deiner Wohnung vorbeischauen konnten? Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, Lea, wir haben’s eilig.« »Ich hab doch gesagt, meine Wohnung liegt auf dem Weg! Ich wollte mir nur andere Klamotten anziehen.« Was nicht ganz stimmte, wenn Lea ehrlich war.

Es machte ihr nichts aus, in diesen Kleidern herumzulaufen, und auch deren zweifelhafte Herkunft störte sie nicht; es war ihre Kamera, die ihr fehlte. Sie hatte schon oft tage-, ja wochenlang nicht fotografiert, aber diese Situation, der Stress, die Aufregung – Lea hätte alles darum gegeben, sich ein wenig in ihre Fotografie versenken zu können. »Ich habe dich eigentlich nicht für eitel gehalten«, bemerkte Adam und blickte endlich von seinem Apparat auf. Eitel? Ein Vorwurf, der nicht stimmte und sie daher eigentlich auch nicht hätte treffen sollen. Es machte ihr nichts aus, wenn Leute, die ihr nichts bedeuteten, etwas Hässliches über sie sagten. Aber diesmal seltsamerweise schon. Sie zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern.

»Da sieht man mal wieder, wie wenig du über mich weißt.« Er ließ sein Handy sinken und schaute sie mit der für ihn typischen Intensität an, bei der es sie immer in den Fingern juckte, ihn zu fotografieren. Sie hatte noch nie Porträtaufnahmen gemacht, sich nie für Menschen, das menschliche Gesicht interessiert. Bis jetzt. Was sie am liebsten mit ihren Fotos einfing, waren Dinge, die sich nicht so leicht in Worte fassen ließen. Stimmungen wie Einsamkeit. Innerer Aufruhr. Angst. Anfangs waren manchmal noch Menschen auf ihren Fotos zu sehen gewesen, aber nie mit dem Gesicht zur Kamera.

Sie zeigte nicht gerne Gesichter, denn Gesichter waren trügerisch, konnten lügen. Ein Blick konnte aufgesetzt, einstudiert sein. Im übrigen waren Gesichter oft zu wenig subtil, verrieten zu viel. Kindern wird von klein auf beigebracht zu lachen, wenn sie glücklich sein sollten, und das Gesicht zu verziehen, wenn sie traurig sind. Ein Lächeln wird da schnell als Mittel zum Zweck missbraucht. Ein Mann, der mit einem Strahlen im Gesicht herumläuft, wird misstrauisch beäugt: »Warum strahlt er so?«, denken die Leute. »Was steckt dahinter? « Und der Mann weiß, dass die Leute das denken würden, also strahlt er nicht … selbst wenn ihn der sonnige Tag so froh macht, dass er am liebsten jauchzen würde. Aber Adams Gesicht fand Lea interessant."