Supervisionsforschung: Einblicke und Ausblicke (eBook)

Supervisionsforschung: Einblicke und Ausblicke (eBook)

Interdisziplinäre Beratungsforschung

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Supervisionsforschung: Einblicke und Ausblicke (eBook)

Supervision hat in den letzten Jahrzehnten eine beachtliche Entwicklung vollzogen. Sie etablierte sich in vielen arbeitsweltlichen Handlungsfeldern. Die sehr praxis- und anwendungsbezogene Supervision ist gefordert, ihre Wissens- und Kenntnisstände zu überprüfen, zu aktualisieren und zu erweitern sowie eine wissenschaftliche Fundierung ihrer Praxis zu erreichen. Die Notwendigkeit und Attraktivität einer forschungsgestützten Weiterentwicklung von Theorie und Praxis der Supervision wird sowohl von der Community als auch von Wissenschaftler ohne eigene Supervisionsausbildung gesehen. Die häufige Klage, dass keine Supervisionsforschung stattfindet, kann relativiert werden. Beklagen kann man aktuell vielmehr die mangelnde Vernetzung, die fehlende Kenntnisnahme von Forschungsarbeiten und die seltene Diskussion über Erkenntnisse und Ergebnisse. Der vorliegende Band begegnet diesen Umständen und trägt zu einer Bekanntmachung, Vernetzung und einer forschungsfreundlichen Kultur bei. Er präsentiert eine Sammlung von Forschungsergebnissen und Forschungsüberlegungen von Autoren und Autorinnen unterschiedlichster Disziplinen. Dadurch spiegelt sich ein differenziertes Forschungs- und Wissenschaftsverständnis wider. Das Buch richtet sich nicht nur an Wissenschaftler/innen und Forschende, sondern der inhaltliche Aufbau und die Perspektiven sind so gewählt, dass ebenso Praktiker/innen vielfältig davon profitieren können.


Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783647403250
  • ISBN-10: 3647403253
  • Best.Nr.: 27842674

Leseprobe zu "Supervisionsforschung: Einblicke und Ausblicke (eBook)"

Peter Ulrich

Die Wirtschaft in einer wohlgeordneten Gesellschaft (S. 208-209)

Ein wirtschaftsethischer Orientierungsversuch Wirtschaftsethik – eine »angewandte« Bereichsethik wie andere auch? So genannte Bereichsethiken, die sich mit der »Anwendung« der allgemeinen philosophischen Ethik auf spezielle Lebensbereiche beschäftigen, haben in jüngster Zeit akademische und öffentliche Konjunktur. Das hat unter anderem damit zu tun, dass sich die Entwicklung lebenspraktischer Problemlagen nicht an die etablierten disziplinären Abgrenzungen der Wissenschaften zu halten pflegt – erst recht nicht dort, wo sich diese zwar immer schon mit menschlichem Handeln befassen, sich aber unter dem Einfluss des positivistischen und szientistischen Wissenschaftsverständnisses auf intern wertfreie Theoriekonzepte zurückgezogen haben.

Überall dort, wo bisher »wertfrei« analysierte lebenspraktische Verhältnisse aufgrund objektiver Veränderungen (beispielsweise im Kontext zunehmender wissenschaftlich-technischer Verfügbarkeit) und einer entsprechend gewachsenen subjektiven Problemwahrnehmung (etwa im Hinblick auf fragwürdige Auswirkungen technischer oder ökonomischer »Rationalisierung «) zum Gegenstand der Reflexion und Argumentation über Zusammenhänge des guten Lebens, des gerechten Zusammenlebens und des verantwortlichen Handelns erhoben werden, wächst ihnen in der modernen Welt das Bedürfnis nach einer »lokalen « Bereichsethik nach.

So verhält es sich grundsätzlich auch im Fall der Wirtschaftsethik. Es sind teilweise drängende Fragen, die sich heute immer mehr Menschen in Bezug auf den lebenspraktischen Sinn und »Wert« unseres westlichen Lebens-, Arbeits- und Konsumstils, aber auch in Bezug auf die zunehmend »eigensinnig« wirkende, sich derzeit globalisierende Dynamik mehr oder weniger entfesselter Märkte stellen, nimmt doch die Zahl der fragwürdigen Folge- oder Nebenwirkungen auf die soziale Lebenswelt und die natürliche Umwelt unübersehbar zu. Weshalb aber, so wird man sich zunächst fragen dürfen, sollte es zur Auseinandersetzung mit solchen lebenspraktischen Zusammenhängen des Wirtschaftens einer neuen Bindestrich-Disziplin namens Wirtschaftsethik bedürfen? Geht es denn dabei nicht um ganz »normale« Grundfragen des Wirtschaftens, mit denen sich die Wirtschaftswissenschaften immer schon auseinandergesetzt haben?

Hieß die klassische Ökonomie nicht mit guten Gründen Politische Ökonomie? War sie nicht seit jeher, zumindest seit Aristoteles’ berühmter Trias von Ethik, Politik und Ökonomik, ein Teil der praktischen Philosophie? Und worum sonst sollte es beim Wirtschaften gehen als darum, im Hinblick auf die Bedürfnisse der Menschen Werte zu schaffen, wie es beispielsweise der geläufige betriebswirtschaftliche Begriff der »Wertschöpfung« noch in sich hat?

Nun, gerade der Begriff der Wertschöpfung mag symptomatisch für das hier relevante Problem sein: Zwar rechnen die modernen Wirtschaftswissenschaften auf verschiedenste Weisen mit der Vermehrung (»Nutzen«) und dem Verzehr (»Kosten«) von Werten, aber sie begründen nicht den menschlichen, lebenspraktischen »Wert« dessen, was ökonomisch als Wertschöpfung gilt, und sie reflektieren auch nicht kritisch über Fragen der sozial oder intergenerationell gerechten Verteilung aller »internen« (d. h. in die Kalküle der Handelnden eingehenden) oder »externen« (d. h. nicht in die Kalküle der Handelnden internalisierten) Kosten- und Nutzeneffekte auf alle Betroffenen. Die paradigmatische Spezialisierung der Ökonomik auf einen einzigen gesellschaftlichen Rationalitätsaspekt, den der Effizienz, verstellt ihr den Blick für andere Kategorien einer vernünftigen Lebens- und Wirtschaftspraxis.

Inhaltsangabe

1;Inhalt;6 2;Einblicke;8 3;Empirische Supervisionsforschung;13 4;Kommunikation von Lehrpersonen unter Supervision;30 5;Beratung und Supervision;54 6;Verhältnisbestimmung von Supervision und Mediation;73 7;Supervision und Coaching für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler;93 8;Untersuchung professioneller Wirkung;111 9;Sinn und Verstehen;125 10;Aktualsprachliche Interaktion und biografische Formierung am Beispiel einer professionellen Beratungssituation;144 11;Die gelähmte Abteilung – Analyse einer Supervisionsgeschichte;165 12;Unter welchen Bedingungen nützt die Supervisionsforschung der Professionalisierung supervisorischen Handelns?;180 13;Die Wirtschaft in einer wohlgeordneten Gesellschaft;209 14;Dem Ökonomismus auf seinen normativen Grund leuchten;231 15;Ausblicke;242 16;Die Autorinnen und Autoren;251