Aristoteles hat eine allgemeine, d.h. für Mensch und Tier gemeinsam
konzipierte Theorie der Motivation: die Theorie der animalischen
Ortsbewegung. Dieses Buch interpretiert die Theorie und analysiert
ihre grundlegenden Begriffe. Im ersten, begriffsanalytisch
gehaltenen Teil werden Aristoteles Bestimmung der
Lust/Leid-Empfindung, der Strebung und der drei Arten der Strebung
behandelt. Im zweiten Teil folgt die zusammenhängende
Interpretation der für die Theorie unmittelbar relevanten Texte.
Dies sind De Anima III, Kapitel 9 bis 11, sowie die kleine Schrift
De Motu Animalium (Kap. 6 bis 11). Im Resultat zeigt sich, dass
Aristoteles Motivationstheorie einen ganz eigenen Ansatz verfolgt,
der, obgleich er stark auf den essentialistischen und
hylemorphistischen Grundannahmen seiner Naturphilosophie aufbaut,
interessante Perspektiven auf die Sachfragen bietet und die
philosophische Debatte in der Handlungstheorie bereichern kann: Es
ist gerade sein essentialistischer Naturbegriff, der es Aristoteles
gestattet, dort zu überzeugenden Resultaten zu gelangen, wo die
moderne Diskussion ins Stocken gekommen ist. Dies betrifft vor
allem die Theorie der Strebung, die Psychophysik intentionaler
Zustände und den Zusammenhang von Denken und Bewegung.