Nocturna (eBook) - Jenny-Mai Nuyen

Jenny-Mai Nuyen 

Nocturna (eBook)

Die Nacht der gestohlenen Schatten

eBook
 
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Nocturna (eBook)

Der große Fantasy-Erfolg erstmals im Taschenbuch Wenn es Nacht wird in der Stadt, treten die Nocturna ins knisternde Licht der Gaslaternen. Sie sind die heimlichen Herren der Stadt, denn ihre Magie ist stark und grausam: Aus Bluttinte und Erinnerungen schaffen sie die schönsten Bücher der Welt, die ihnen die Herzen der Menschen öffnen und grenzenlose Macht verleihen. Doch ihre Opfer bleiben als seltsam blasse Wesen zurück. Wie Tigwid, der Dieb. Seit die Nocturna ihm seine Vergangenheit geraubt haben, sucht er nach dem Mädchen, das mit Tieren spricht und auf Rache sinnt. Sie allein, so besagt eine uralte Prophezeiung, kann die düstere Herrschaft der Nocturna brechen. . Ein farbenprächtiger Fantasy-Kosmos voller Wunder und düsterer Magie . Für alle Fans von Jonathan Stroud, Cornelia Funke und Kai Meyer



Produktinformation

  • Verlag: C. Bertelsmann
  • 2009
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 544
  • Altersempfehlung: ab 13 Jahre
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641024185
  • ISBN-10: 3641024188
  • Best.Nr.: 29331187
»Sie schreibt eine sinnliche und fließende Sprache und ist stark im Beschreiben des Atmosphärischen - das für Fantasy ja ein wesentliches Element ist.«
Jenny-Mai Nuyen wurde 1988 als Tochter deutsch-vietnamesischer Eltern in München geboren. Geschichten schreibt sie, seit sie fünf ist, und mit dreizehn verfasste sie ihren ersten Roman. Als großer Fantasy-Fan hat Jenny-Mai Nuyen alles verschlungen, was es an literarischen Vorbildern gab: von Lloyd Alexander über Michael Ende bis zu Jonathan Stroud und Christopher Paolini. Seit ihrem literarischen Debüt Nijura - Das Erbe der Elfenkrone wird sie als eine der aufregendsten Entdeckungen der letzten Jahre gefeiert. Nach einem Filmstudium an der New York University lebt Jenny-Mai Nuyen heute in Berlin und widmet sich ganz dem Schreiben.

Leseprobe zu "Nocturna (eBook)" von Jenny-Mai Nuyen

"Der Meister (S. 290-291)

Wie riesig war der Himmel hier draußen, auf dem Land, wo keine Hausreihen ihn eingrenzten. Er öffnete sich über Apolonia wie ein unfassbares, blindes Auge, milchig trüb, mit einem Blick, der überall und nirgends hinging. Einen Moment verweilte sie zwischen Haustür und Hof und starrte hinauf in die blaudunstige Morgendämmerung. Dann streifte sie die Handschuhe über und folgte Nevera in die Kutsche, die sie in die Stadt zurückbringen sollte. Ein Peitschenknall, klirrendes Pferdegeschirr, Hufschlag und knirschender Kies unter den Wagenrädern - schon verließen sie das Anwesen von Caer Therin und die dunklen Bäume huschten vorüber wie schlafende Traumgestalten.

Es war bereits alles bis ins kleinste Detail besprochen worden, sodass Schweigen zwischen Apolonia und ihrer Tante herrschte. Während Nevera die Abwesenheit ihres Mannes tatkräftig ausnutzte und sich ihre erste Zigarette am Morgen anzündete, lehnte Apolonia ihre Schläfe gegen die gepolsterte Wand und sah aus dem Fenster. Im Norden war der Himmel perlfarben, ganz rein und glatt, mit einem lila Hauch darüber, als wäre er über seine offensichtliche Schönheit in Verlegenheit geraten.

Im Osten erschien das erste Licht der kränklichen Novembersonne. Die Farben des Horizonts sickerten durch die kahlen Steckenbäume, und der Horizont selbst schien schmutzig gelb, ein wenig entzündet, ein wenig schwach, aber mit der deutlichen Euphorie des Lebens, das den Kampf der Geburt überstanden hat. Mit schläfriger Ruhe wartete Apolonia die lange Fahrt ab. Sie würde den Journalisten treffen, die bereits bekannten Fragen mit den wohl zurechtgelegten Antworten erwidern, nach Hause - das hieß, zu ihrem Onkel - fahren, »nach dem Rechten sehen«, wie Nevera gesagt hatte, und ihre Sachen holen.

Es war besser, wenn sie in nächster Zeit in Caer Therin wohnte. Erstens konnte sie sich dabei ungestört ihren Studien mit Morbus widmen, zweitens war sie dort vor dem TBK sicher, der vom geheimen Hauptsitz der Dichter nichts wusste. Der Umzug machte Apolonia nichts aus. Wenigstens versuchte sie, sich das einzureden. Schließlich war das Haus ihres Onkels nie ihr Zuhause gewesen. Sie hatte immer gewusst, dass es eine vorübergehende Bleibe war. Viel abzuholen gab es auch nicht: Ein paar Kleider, Bücher, ihre Geige … der bereits erwartete Sehnsuchtsschmerz stach ihr in die Brust, als sie an die Tiere dachte. Sie würde ihre Freunde eine lange Zeit nicht mehr sehen und ihnen vor allem nicht mehr helfen können, wenn sie in Not waren.

Allein der Gedanke an Rache und Gerechtigkeit konnte dieses Opfer erträglich machen. Die Zeit verstrich. Als es Tag geworden war, erreichten sie die Stadt und fuhren durch die belebten Straßen, die Apolonia viel lauter und irgendwie farbloser vorkamen als sonst, so als würde sie alles durch eine Linse der Trostlosigkeit sehen. Bald kamen sie zu einem Kirchplatz, der von zahlreichen Konditoreien und Cafés umgeben war. In einem davon war Apolonia mit dem Journalisten verabredet. Die Kutsche hielt vor einem reich dekorierten Schaufenster, auf dem mit weißer Farbe Der Pfefferminzprinz geschrieben stand. Apolonia atmete tief durch, dann gab Nevera ihr zwei Küsse auf die Wangen und umwölkte sie ein letztes Mal mit ihrem Parfüm und Zigarettenqualm."